miniportion 284: gulasch

5 Nov
Dönerbuben Gulasch Banden, Köln 2013

Dönerbuben Gulasch Banden, Köln 2013

In meiner Grundschulzeit hatte ich einen besten Freund gleich hinter der Dorfgrenze.  Der wohnte mit seiner Familie in einer Etagenwohnung in einem Mehrfamilienhaus, was schon irgendwie ein wenig anders war als der kulturbürgerliche Durchschnitt, in dem ich sonst so verkehrte. Sein Alltag schien mir in einigen Beziehungen besonderer als der meine, weil man bei ihm beispielsweise unkommentiert Karatefilme gucken konnte (was ich direkt nach meiner Rückkehr meinen Eltern beichtete), weil eine Plastikburg der Masters of the Universe nebst passenden Hörspielkassetten vorhanden war und zuguterletzt weil es mit einem simplen Tennisspiel auf dem Fernseher und einer frühen Atariversion eines Star Wars-Spiels erste digitale Unterhaltungsmedien gab.

Einmal wurde ich dorthin zum Mittagessen verschickt, was ich sehr aufregend fand, da die gastgebende Mutter zum einen Raucherin war und zum anderen als Fachverkäuferin in einer der beiden Metzgereien des Dorfes arbeitete. Nicht ganz so aufregend aber doch irgendwie sehr ungewöhnlich für mich war das eigentliche Mittagessen an diesem Tag, das aus Gulasch mit Nudeln bestand. So etwas gab es bei uns nicht! Nudeln hießen damals zwar noch nicht Pasta, kamen aber grundsätzlich in einer italienisch-assoziierten Soße. Beispielsweise in selbstgemachter Bolognese oder Napoli aus der Tüte. Gulasch gab es zwar auch hin und wieder, aber wenn, dann mit Kartoffeln oder Klößen. Dass man aber ein derart gutbürgerliches Gericht mit einer mediterranen Sättigungsbeilage kombinieren konnte erschien mir damals unerhört.

Für die eigene Küche entdeckte ich Gulasch erst, als mir bewusst wurde, dass man in einem Gericht eine ganze Flasche Rotwein oder mehr unterbringen konnte. Bei meiner bislang einzigen Reise nach Ungarn, aß ich übrigens kein einziges Mal Gulasch, welches in seinem mutmaßlichen Heimatland „pörkölt“ genannt wird, während „gulyás“ eher eine Suppe darstellt.

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