miniportion 011: ingwertee

1 Feb
Ingwertee, Köln 2013

Ingwertee, Köln 2013

Vor knapp einem Jahr wurde ich im Büro zum Outlaw. Da waren keine anzüglichen Bemerkungen im Spiel und ich habe mich auch nicht mit dem nackten Hintern auf den Kopierer gesetzt. Ich hatte ganz schlicht angekündigt, im Büro keinen Kaffee mehr trinken zu wollen. Die Gründe waren vielfältiger Art – seine zweifelhafte Qualität, die aus dem Wettbewerb der beiden irgendwie zuständigen Kolleginnen herrührte, den billigsten Kaffee in ganz Westeuropa zu kaufen oder etwa die Einsicht, dass eine vollständige Deckung des Flüssigkeitshaushaltes über den Kaffeekonsum auf Dauer keine Lösung ist. Ich besuchte also in meiner Mittagspause die Haushaltswarenabteilung des örtlichen Kaufhofs und erstand eine große Thermoskanne sowie eine ganze Batterie Kräutertees mit so hübschen Namen wie „Momente der Entspannung“ oder „Atme Dich frei“. Die Reaktionen der Kollegen waren lustig. Wahlweise sagten sie jetzt „Wie riecht es denn hier? Irgendwie riecht es komisch!“ wenn sie mein Büro betraten oder sie gingen direkt zum Frontalangriff über. „Bist Du krank? Ich trinke ja immer nur Tee, wenn ich krank bin.“ Dabei verzogen sie ihr Gesicht, als stände in der Kanne vor mir nicht blumig duftender Tee der Sorte „Energie & Dynamik“ sondern ranziger Lebertran. Am vergangenen Donnerstagnachmittag, eine Stunde vor Ende der Kernarbeitszeit, mache ich mich fiebrig und hustend auf den Heimweg. „Pfleg Dich gut“, sagt meine Kollegin, „trink am besten viel Ingwertee.“ Ich gehöre wieder dazu!

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