miniportion 010: restaurantführer

31 Jan
Franz-Josef Antwerpes "Gnadenlos genießen", Köln 2001

Franz-Josef Antwerpes „Gnadenlos genießen“, Köln 2001

Restaurantführer sind eine wenig nachhaltige Lektüre – Lokale öffnen und schließen und ein Stern ist schneller verkocht als ein Broccoliröschen. Es gibt aber auch so genannte Gastroguides, die bleiben. Auch dann, wenn mehr als die Hälfte der besprochenen Etablissements gar nicht mehr existiert. Franz-Josef Antwerpes, Kölner Regierungspräsident a.D. war vor allem für seine ungewöhnliche Amtsführung bekannt. Die gab er 1999 aber ab und veröffentlichte stattdessen seine 100 besten Restaurantkritiken aus dem „Express“ unter dem Titel „Gnadenlos genießen“. Auf Wikipedia findet sich folgender Link: „Literatur von und über Franz-Josef Antwerpes im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Da gehört sie, also zumindest diejenige VON ihm, auch hin, denn FJA schrieb Sätze, die man nie mehr vergisst.

Als wir den Espresso tranken, der gut war, wurden unseren Nachbarn Pizzen serviert, die besser als die unseren aussahen.“

Oder den hier:

„Die Garnelen waren – um in der Turnersprache zu sprechen – eine saubere Bodennummer, aber kein Hochreck.“

Am schönsten sind sie aber, wenn es um die Ristorante in Köln geht. Denn FJA mag italienische Lokale, er mag Italien und die Italiener.

„Der Service zeichnet sich durch dezente italienische Freundlichkeit aus. Da kann sich mancher Einheimische eine Scheibe abschneiden, aber Vorsicht, viele Italiener hierzulande sind Einheimische.“

Vorsicht! Da kann „Der Islam gehört zu Deutschland“ aber nicht mithalten! Auch in der Selbstvermarktung ist FJA mein Vorbild:

„Das Perlhuhn war ungewöhnlich zart, aber der Geschmack der Pflaumen erschlug den des Huhns. Man sollte es mal mit Mirabellen versuchen. Das Rezept findet man in meiner Autobiografie.“

Mir ist es ein Anliegen, etwas zurückzugeben. Und darum, nur darum, sage ich: „Die Restaurantkritiken von FJA sind zu Unrecht vergessen. Man sollte mehr darüber lesen. Eine ausführliche Würdigung findet sich in „Nachschlag Köln. Vom Essen und Trinken in der Rheinmetropole.“

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