Tag Archives: Wurst

Supermarkt-Challenge 04/07

23 Okt
Metzger Giuseppe Iaia mit Salsiccia, Kalk, Oktober 2018

Metzger Giuseppe Iaia mit Salsiccia, Kalk, Oktober 2018

 

Am Montagmittag mache ich mich wieder auf in die Rolshover Straße. Ab Ecke Hauptstraße versuche ich die Lage zu erkunden. Von hier sieht es immer so aus, als habe der Laden geschlossen. Ein paar junge Männer stehen vor der italienischen Bar auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Vor mir betritt ein Mann die Metzgerei. Weiterlesen

danmark #005 – røde pølser

21 Jul
Hotdog, Århus 2016

Hotdog, Århus 2016

Die Bude in der Fußgängerzone von Århus verfügt über eine große Auswahl an Wurstsorten. Frankfurter, Pølser (rote dänische Wurst) und Medister (grobe skandinavische Bratwurst). Außerdem noch einmal alles im Speckmantel, „i svøb“ auf dänisch, was laut Übersetzungsapp „im Grabtuch“ bedeutet. Weiterlesen

ethnografische notizen 108: käsekrainer

21 Okt
Gestupfte Käsekrainer auf der ANUGA in Köln, Oktober 2015

Gestupfte Käsekrainer auf der ANUGA in Köln, Oktober 2015

Die ANUGA mit ihren 7.000 Anbietern und 160.000 Besuchern ist ja eine etwas größere Angelegenheit. Da kann man, wenn man wie ich ohne bedeutende Geschäftstermine unterwegs ist, schon mal ein bisschen verloren gehen. Alleine für Fleisch- und Wurstwaren gibt es drei Hallen mit gigantischen Schinkenpyramiden, megalomanen Mortadellawürsten und überdimensionierten Fleischkühlschränken. Da sucht sich der Mensch schon mal etwas kleineres, heimeliges. In Halle 7 zum Beispiel, wo die Messestände nicht gleich so groß sind wie ganze Warenhäuser.

An einem österreichischen Stand probiere ich ein Stückerl Cabanossi. So ein bisschen aus Verlegenheit, aber auch weil ich da meiste österreichische irgendwie heimelig finde. Die Wurst schmeckt gut und ich gerate ins Gespräch mit den beiden Herren der Firmen Stastnik und Radatz. „Ob ich denn den Käsekrainer kennen würde“, fragt mich der eine. Ich bejahe, bin aber trotzdem nicht abgeneigt, noch einmal zu probieren. „Erika“, sagt der Mann, „hast Du einen Käsekrainer für den Herrn hier?“ Die Dame nickt. „Kommt sofort“.

Wir sprechen über das Angebot an österreichischen und das an deutschen Würstelständen. „Bei uns hier im Westen gibt es im Wesentlichen zwei Sorten Wurst“, sage ich, „die unterscheiden sich im wesentlichen durch ihre Salzigkeit und ihre Farbe.“ Das sei in Österreich dann doch etwas anders, bemerken die beiden Herren diplomatisch und erklären mir wann und wie etwa der Wiener seinen Würstelstand besuchen tut. Beispielsweise nach einer durchgefeierten Nacht. Die Dame sagt, dass meine Wurst noch einen Moment dauern würde. Mit ihrem Kollegen spreche ich darüber, ob man mit einem breiten, österreichischen Angebot auch in Deutschland Erfolg haben könnte.

Original Radatz-Stupfer auf der ANUGA in Köln, Oktober 2015

Original Radatz-Stupfer auf der ANUGA in Köln, Oktober 2015

Meine Wurst kommt. Aufgeschnitten, mit Holzspießchen und Senf in einem Porzellanschälchen. „Sehr lecker“, sage ich begeistert und erzähle, dass meine wenigen Käsekrainer-Versuche nicht besonders erfolgreich, weil zumeist geplatzt waren. „Dann haben Sie bestimmt gebrüht“, sagt die Dame, „und wahrscheinlich auch nicht gestupft.“ „Wie bitte?“, frage ich. Die Dame kramt in einem roten, mit einem Zitat von Oscar Wilde bedruckten Einkaufsbeutel und reicht mir ein in Plastik verpacktes Gerät. Es besteht aus einem roten Griff und drei dünne, spitzen Metallzinken. „Das ist der Original Radatz-Stupfer“, sagt Erika Löwenstein, die laut ebenfalls überreichter Karte für Marketing & PR zuständig ist, mit einem gewissen Stolz in der Stimme. „Aha“, sage ich, „und wie geht das so, das Stupfen?“ „Kommen’s“, sagt Frau Löwenstein, „wir zeigen’s Ihnen.“ Ich folge ihr nach hinten, wo eine Servicekraft den Auftrag bekommt, für mich zu stupfen. Mit einer Zange hält sie die Wurst fest, mit dem Stupfer stupft sie viele kleine Löcher in die Pelle. Frau Löwenstein erläutert mir das fachgerechte Braten – zunächst auf großer Flamme, dann noch einmal stupfen und dann auf kleiner Flamme bis der ausgelaufene Käse eine Kruste gebildet hat.

Wir kehren zurück zum Stehtisch. „Essen’s nicht auf?“, fragt mich der Kollege. Offensichtlich war die ganze Portion für mich bestimmt und ich esse folgsam auf, bevor wir uns gemeinsam im Kühlregal die Produktpalette ansehen. Reguläre Käsekrainer, die seit 1962 hergestellt werden, mit und ohne Haut – für Hot Dogs. Käsekrainer mit Feta, mit Chili und mit Kren. „Meerrettich“, erklärt der Kollege. Er zeigt auf die XXL-Version. „Die war eigentlich nur als Gag gedacht, verkauft sich aber gut.“ „Bestimmt auch in Deutschland“, sage ich, „da kommen große Portionen ja immer ganz gut an.“ Frau Löwenstein reicht mir eine Packung Klassiker. „Versprechen’s mir, die heute noch aufzuessen“, sagt sie, „auch wenn die pasteurisiert sind.“ Ich bedanke mich höflich und nehme auch gerne noch ein Glas Original Käsekrainer-Senf. „Nach dem Öffnen zum ehebaldigen Verzehr bestimmt“, lese ich auf der Wurst-Packung. Heimeliger geht’s nimmer!

miniportion 053: kalbsleber

15 Mrz
Kalbsleber Berliner Art, Berlin 2010

Kalbsleber Berliner Art, Berlin 2010

Mit der Kundenfreundlichkeit ist es so eine Sache. Vor einiger Zeit versuchte ich in einer Aachener Metzgerei – die man wohl eher als Wurstboutique bezeichnen könnte denn als Handwerksbetrieb – ein wenig Schweineleber zu kaufen. Gut gekleidete Damen parkten ihren SUV vor der Tür, kauften schnell ein paar Scheiben Pata negra fürs Wochenende und zückten gleichgültig ihre Vuitton-Portemonnaies, um zweistellige Eurobeträge für ihre flachen Wurstpakete zu bezahlen.

Verkäuferin: Bitteschön?

Ich: Ich hätte gerne Schweineleber.

Verkäuferin: So etwas [guckt angeekelt] verkaufen wir nicht. Wir [lässt den Blick zufrieden durch den Laden und über die Kundschaft schweifen] führen NUR Kalbsleber!

Das muss nicht sein – an dieser Stelle daher die Top 3 der schönsten Erlebnisse beim Wurstwarenkauf:

 

Platz 3

Mission: „Rinderknochen für ein Demi-glace“

Ort: ebenfalls Aachen Innenstadt, etwa 300 Meter Luftlinie von der Kalbsleber entfernt.

Verkäuferin: Wer ist dran?

Ich: Ich bin dran, ich hätte gerne Rinderknochen.

Verkäuferin: Ja. Darf es sonst noch etwas sein?

Ich: Nein danke.

Verkäuferin: Das tut mir sehr leid. [lächelt gekünstelt] Rinderknochen haben wir leider nicht.

Ein paar Straßen weiter bekam ich die gewünschten Knochen übrigens von einem freundlichen Metzgermeister geschenkt.

 

Platz 2

Mission: gepökeltes Schweinefleisch für ein Petit Salé

Ort: Kölner Filialen eines überregionalen Biosupermarktes

Ich: Ich hätte gerne gepökelte Rippe.

Verkäufer: Die führen wir leider nicht.

Ich: [gehe prophylaktisch in Deckung] Schade!

Verkäufer: Ich kann Ihnen aber auch sagen warum und erkläre Ihnen auch gerne wie sie’s selber machen können.

 

Platz 1

Mission: Spontaner Wurstwarenkauf

Ort: Familienbetrieb in der Fußgängerzone in Stolberg/Rheinland.

Ich [betrachte das Aufschnittsortiment]: Was können Sie mir denn empfehlen?

Verkäuferin [überlegt]: Hmmm….

Ich: Haben Sie eine Spezialität?

Verkäuferin [strahlt]: Alles, ist alles aus eigener Herstellung. [sehr zufrieden] Ich kann Ihnen alles empfehlen!

ethnografische notizen 022: gran canaria 03

11 Jan

Ein letzter Bericht von der Insel, denn es wäre vermessen, nicht wenigstens einmal über die einheimische Küche zu schreiben, die abseits des touristischen Fleischsalats (pun intended!) durchaus auch interessantes zu bieten hat. Auch wenn die Unterschiede zum spanischen Festland bis auf die obligatorischen papas arrugadas con mojo, kleine in Salzwasser gekochten Kartoffeln mit Knoblauchsalsa, und eine gelegentliche Papaya eher gering sind.Doch der Reiseführer empfiehlt den Bauernmarkt von Teror, einer kleinen Stadt im Norden der Insel. Der Ort sei, so heißt es weiter, bislang von den Auswüchsen des Massentourismus verschont geblieben sei. Als wir nach einer langen und kurvenreichen Fahrt durch das Innere der Insel auf einer vollkommen verstopften Zugangstraße umkehren müssen, um uns außerhalb der Kleinstadt einen Parkplatz zu suchen, kommen jedoch die ersten Zweifel.

Chorizo terorero, Gran Canaria (Dezember 2010)

Chorizo terorero, Gran Canaria (Dezember 2010)

Der Markt als solcher ist aber dann doch überwiegend von Spaniern besucht, entspricht aber nur bedingt meinen zugegebenermaßen romantisch verklärten Vorstellungen eines Bauernmarktes auf dem schwarz gekleidete und freundlich lächelnde kanarische Witwen die Früchte ihrer Feldarbeit verkaufen. Die meisten Stände verkaufen Brot und Kuchen aus einer Bäckerei oder Plastikware aus südostasiatischer Produktion und vor dem Rathaus beschallt eine Gruppe Südamerikaner den Platz mit der gleichen Indio-Folklore, die auch in Deutschland seit Jahren die Fußgängerzonen erklingen lässt. Es ist Mittag und bei einer freundlichen Dame mittleren Alters, offensichtlich keine Witwe sondern eine dynamische Ich-AG, erstehe ich ein Butterbrot mit Käse und eins mit Chorizo. Das Brot ist ziemlich luftig-locker, die Chorizo heißt hier teroreo und ist eine Schmierwurst, der Käse aus einer Mischung aus Ziegen-, Schafs- und Kuhmilch und ziemlich kräftig im Geschmack. Die Verkäuferin freut sich sichtlich über meine auf eingeübtem Spanisch vorgetragene Bestellung und zum ersten Mal seit Ankunft bekomme ich keine deutsche Antwort.

Tortilla español in Teror, Gran Canaria (Dezember 2010)

Tortilla español in Teror, Gran Canaria (Dezember 2010)

Wir beschließen in einer Bar am Ortsausgang noch einen Kaffee zu trinken. „Einmal tortilla español“, wiederholt mein Freund Rainer mehrmals und zeigt auf die am Eingang hängende Kreidetafel mit den Tagesgerichten. Die dicke Dame hinter der Theke legt ihre Zigarette weg und lässt sich auch durch die Tatsache, dass keiner von uns ihre Rückfrage versteht nicht aus der Ruhe bringen. Sie verschwindet hinten durch und bringt Besteck und Servietten für sieben Personen. „Wahrscheinlich hast Du gerade für den ganzen Ort bestellt“, sage ich. Die Portion bleibt überschaubar, ist aber großartig lecker, da sind sich alle einig.

Maronenverkauf in Teror, Gran Canaria (Dezember 2010)

Maronenverkauf in Teror, Gran Canaria (Dezember 2010)

Vor der Kirche dann endlich eine kanarische Witwe, die – zwar nicht schwarz gekleidet und auch nicht wirklich freundlich lächelnd –  in zwei großen auf mit heißen Kohlen gefüllten Stahlrohren stehenden Kochtöpfen Maronen röstet. Der Stand daneben verkauft unter dem originellen Namen Buen Rollo den transsilvanischen Baumkuchen, den ich unlängst in Budapest und zu Ostern auf dem Alstädter Ring in Prag probieren konnte. Deutsche Weihnachtsmarktbuden verkaufen schließlich auch lángos, warum sollte man also kurz vor Weihnachten auf den Kanaren also nicht kürtös kalács bekommen? Willkommen in Europa!