Pommes & Pâtisserie

Lenny Streit & Pommes, Februar 2021, Köln

Am Ende unserer Reise durch die Welt der französischen Feinbackkunst haben wir die Reste aus der Fotoproduktion im Ehrenfelder Marieneck gegen eine Spende verjubelt. 200 Euro kamen zusammen, die ich nach einem Tipp von Lenny Streit an eine ganz besondere Maßnahme des Beratungszentrums rubicon überwiesen habe. Bei einer Portion Fritten vom Pommes Imperium am Heumarkt hat er mir erklärt, warum gerade dieses Projekt so wichtig ist.

Lenny, was gehört für dich zu guten Pommes?

Die müssen auf jeden Fall gut und lange frittiert sein. Deshalb ist es für mich kein gutes Zeichen, wenn vor der Bude eine lange Schlange steht. Bei zu vielen Kund*innen bleibt weniger Zeit zum Frittieren. Ich gehe gerne ins Maria Eetcafé am Hans-Böckler-Platz. Das ist aber nichts für die Mittagspause, die machen erst um fünf auf.

Was kommt bei dir drauf?

Ich bestelle eigentlich immer Mayo, auch wenn mindestens 17 Soßen ja gerade ein Trend sind. Das überfordert mich. Ich mag Erdnusssoßen und andere Toppings, aber das ist dann eher die Ausnahme.

Was bedeuten Pommes für dich?

Früher gab’s die bei jedem Kindergeburtstag. Ich verbinde sie daher mit etwas Schönem. Das kann ein Geburtstag sein oder der Moment nach dem Ausgehen, wenn man sich am Ende der Nacht noch mit einer Portion Pommes belohnt, ein Tag im Urlaub oder eben der Abschluss nach dem Schwimmen.

Damit sind wir beim eigentlichen Thema: Du hast mich auf der Suche nach der Bestimmung für unsere Spende auf das trans*-und inter* Schwimmen aufmerksam gemacht. Was ist das?

Das sind Termine, an denen das Genovevabad in Mülheim für knapp zwei Stunden für trans*- und inter* Menschen reserviert ist.

Warum muss es dafür ein eigenes Zeitfenster geben?

Weil so ein Schwimmbad ein Ort ist, an dem streng zwischen Männern und Frauen unterschieden wird. Schwimmen hat ja viel mit Körper und mit Nacktsein zu tun. Man muss sich umziehen, man wird angeschaut und bewertet. Das ist für mich als trans*Mann eine stressige Situation. Früher war ich oft im Freibad. Ich bin gerne im Wasser und mag draußen sein, ins Handtuch gewickelt rumsitzen, Pommes essen, Cola trinken, einschlafen, wieder schwimmen gehen … Dieses Gefühl von Unbeschwertheit wird mir aber genommen, wenn unsere Gesellschaft in einem System aus zwei Geschlechtern denkt, in das ich nicht reinpasse.

Wie gehst du damit um? 

Es gab daher mindestens fünf Jahre, in denen ich nicht schwimmen war. Ich hatte eine Zeit lang richtig Angst vor Schwimmbädern und konnte mich auch am Strand nicht mehr entspannen. Die Trennung der Duschkabinen ist auch jetzt noch eine Herausforderung für mich. Weil ich Angst davor habe, wie mein Körper bewertet wird, auch wenn ich glücklicherweise außer Anstarren keine schlechten Erfahrungen gemacht habe.

Reicht das nicht schon?

Das reicht schon, aber ich habe auch Angst vor Übergriffen und Gewalt. Vor meiner Brust-OP von ich mehrere Jahre nicht ins Fitnessstudio gegangen, weil die Mischung aus Angst und Dysphiorie einfach zu groß war.

Wie läuft das denn beim trans* und inter* Schwimmen?

Ich habe irgendwann einen Flyer in die Hand gedrückt bekommen. Am Termin selber war ich ein bisschen spät dran. Ich hatte mit drei oder vier Leuten gerechnet, aber da waren mindestens 15 Menschen vor Ort. Das hat mich ziemlich geflasht. Alle Menschen kommen so, wie sie sind, sie ziehen sich an, wie sie das möchten und es gibt keine Geschlechtertrennung in den Duschkabinen. Das ist eine richtige Befreiung. Ich bin jetzt fast 30 und wurde sofort wieder zu einem Kind. Wir alle wurden wieder zu Kindern, haben im Wasser geplanscht und all die Dinge gemacht, nach denen ich mich ganz lange gesehnt habe. Das war überwältigend.

Reichen diese Termine denn?

Es ist toll, dass es dieses Angebot gibt, aber gleichzeitig macht es mich wütend, dass so viele Menschen auf eine Stunde im Monat hinfiebern, die cis-Menschen in der Theorie jeden Tag zur Verfügung haben. Es geht ja nicht nur ums trans* Sein, für ganz viele Menschen ist es schwierig, ihren Körper zu zeigen. Es müsste einen ganzen Tag geben, ein ganzes Jahr, ein ganzes Schwimmbad … die ganze Welt muss sich da anders aufstellen.

Mehr Infos zum trans* und inter* Schwimmen gibt es auf der Homepage des rubicon.
Derzeit sind die Kölner Schwimmbäder coronabedingt geschlossen.