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ethnografische notizen 228: france 2017/01

11 Jun
Mapo Tofu im Chez Nou, Rouen Juni 2017

Mapo Tofu im Chez Nou, Rouen Juni 2017

Auf dem Weg in die Bretagne übernachten wir in Rouen. Zum zweiten Mal sind wir hier. Noch auf der Autobahn erinnern wir uns an den letzten Besuch. Das funktioniert am besten über Unterkünfte und Restaurants. Beides ist in diesem Fall schnell ermittelt, obwohl die Tour durch die Normandie schon sieben Jahre her ist.

Wir übernachteten im Haus einer Galeristin hinter dem Bahnhof, die ihre mit afrikanischen Masken und zeitgenössischer Kunst bestückte Villa mit ein paar „chambres d’hôtes“ aufgestockt hatte. Zum Frühstück gab es neben Croissant und Baguette frische Kirschen in einer kleinen Schale aus schwarzer Keramik. So etwas kann ich mir merken, nicht aber meine Telefonnummer.

Gegessen wurde im zu einem hochpreisigen Restaurant zugehörigen Bistro am Place Jeanne d’Arc. P., der zu diesem Zeitpunkt niemals auch nur in Erwägung gezogen hätte, Schweinebauch zu bestellen, aß „poitrine de porc“ in einer Soße mit hellen Rosinen. Die Dame am Nachbartisch lachte über die überdimensionierte Portion bis sie ihren Nachtisch bekam – das Äquivalent einer Puddingschüssel. Danach lachte sie nicht mehr, sondern aß.

Das Bistro ist immer noch da, aber da es noch zu früh ist, spazieren wir eine Runde durch die Innenstadt und bleiben vor einem sehr kleinen chinesischen Restaurant stehen. „Chez Nou“, helles Holz, weiß gestrichenes Gebälk und alle zwei Minuten neue Lieferdienst-Fahrer, die mit ihren Bestellungen über das Kopfsteinpflaster davon radeln.

Weil wir am Tag zuvor mehr als genug und darüber hinaus sehr raffiniert gegessen haben, ist uns heute nach etwas Rustikalem. Neben uns isst ein chinesisches Paar. Der junge Mann wedelt mit der Hand, weil sein Essen offensichtlich ziemlich scharf ist. Nach den ersten Löffeln meines Mapo Tofu verstehe ich, was er meint. Das Leitungswasser schmeckt nach dem ganzen Szechuan-Pfeffer aber angenehm zitronig.

CHEZ NOU | 10 Rue Perciere | Rouen