Tag Archives: rote bete

ethnografische notizen 121: bordeauxlicious

8 Dez
Rosé und Rote Bete, Marieneck, Köln 2015 #bordeauxlicious

Rosé und Rote Bete-Birne, Marieneck, Köln 2015 #bordeauxlicious

In diesem Text geht es um Wein. Soviel vorab. Um Bordeauxwein. Über den werde ich noch ernsthaft berichten. Gleich. Aber bevor ich dahin komme, muss ich erst mal eine Weile über Essen reden. Weiterlesen

food haul #004 – danzig

2 Mai

Einkaufen in Polen

miniportion 369: rote bete

3 Apr
Rote Bete auf dem Markt, Berlin 2008

Rote Bete auf dem Markt, Berlin 2008

Manchmal liegen das ganz gewöhnliche und das sehr besondere irgendwie dicht beieinander. Früher zum Beispiel im Vorratskeller meines Elternhauses. Da gab es nämlich ein Regal, neben der hölzernen Kartoffelmiete, in dem ein paar Flaschen Wein gelagert wurden. Unter anderem die beiden Flaschen Mersault, die meine Eltern während eines Urlaubs in Burgund für ihre Kinder gekauft hatten. Damals hatte man nämlich ein bisschen was angelegt und jeweils eine Flasche aus dem jeweiligen Geburtsjahrgang angeschafft, die, so wollte es die dazugehörige Gebrauchsanweisung, getrunken werden sollte, wenn wir dereinst einmal heiraten würden. Davor aber stand immer ein kleines Fässchen aus Steingut, in dem meine Mutter die im Garten angebaute Rote Bete süßsauer einlegte.

Diese Konservierungsmethode war lange Jahre die einzige Form, in der ich mir das Gemüse überhaupt vorstellen konnte. Damals gab es nämlich noch keine vorgekochten, Bio-Bete im Supermarktregal und auch unglaublich delikate Rote-Bete-Macarons als Krönung von Amuse-gueule-Portionen waren – zumindest mir – noch vollständig unbekannt.

Jahre später buk ich einmal einen Rote-Bete-Kuchen mit Schokolade, dessen Rezept ich aus einem sehr modernen Buch über Food-Trends entnommen hatte. Eigentlich fand ich das Ergebnis passabel, hätte ich nicht in einem anderen sehr modernen Buch über Food-Trends gelesen, dass rote Bete in Kombination mit süßen Zutaten, vor allem in Schokoladen-Rote-Bete-Kuchen ja nun überhaupt nicht ginge. Seither versuche ich immer abzuwägen, zu welcher Fraktion meine Gesprächspartner gehören könnten, bevor ich mit der einen oder der anderen Überzeugung aufwarte.

Zu einer Hochzeit, zumindest im klassischen Sinn, ist es übrigens aus diversen Gründen bislang noch nicht gekommen, die Flaschen lagern meines Wissens noch immer bei meinen Eltern (auch wenn diese nun keinen Keller mehr haben) und die Rote Bete werden nach wie vor eingelegt. Manche Dinge brauchen eben eine Weile.

miniportion 125: rote bete

26 Mai
Eingewecktes Obst und Gemüse im Ruhrmuseum, Essen 2010

Eingewecktes Obst und Gemüse im Ruhrmuseum, Essen 2010

Ich kenne kaum ein Gemüse, das schon nach dem einfachen Kochen – ohne großartige Weiterverarbeitung – so intensiv schmeckt und so nachhaltige Spuren hinterlässt wie Rote Bete. Angenehm erdig im Geschmack und spektakulär in der Färbung. Letzteres liegt übrigens an der hohen Konzentration des Glykosids Betanin. Am Besten schmecken Rote Bete daher meiner Meinung nach stehend am Herd, frisch aus dem Topf und mit noch roten Händen. Nur ein bisschen Butter und Meersalz. Aber das ist Geschmackssache.

Erstaunlicherweise gibt es ja viele Gerichte, in denen Obst die Fronten wechselt und als geschmacksgebender Bestandteil in herzhaften Speisen auftaucht – man denke an Toast Hawaii, an Preiselbeeren zum Truthahn oder an Hähnchenschnitzel Indische Art mit Dosenpfirsich, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Andersherum ist dieser Wechsel sehr viel seltener der Fall. Allenfalls in ein paar Rührkuchen tauchen Möhren, Zucchini oder eben auch Rote Bete auf, ohne allerdings einen wesentlichen geschmacklichen Beitrag zu leisten. Einmal fand ich in einem Buch einer niederländischen Food-Trend-Expertin ein Rezept für einen dunklen Schokoladenkuchen mit Rote Bete-Anteil. Das fertige Ergebnis war zwar durchaus ansehnlich, profitierte aber lediglich durch eine subtile Saftigkeit von der Gemüsezugabe, deren spektakuläre Farbe und erdige Note vollkommen von Zartbitterschokolade überwalzt worden waren.

Dann doch lieber ein Gericht aus Jugendjahren, das mein Mann und ich nach seiner damaligen Mitbewohnerin U., einer sehr pragmatischen jungen Frau von der Mosel, U.-1-2-3 nannten. Es bestand aus gebratenen Fleischwurststücken, die in der Pfanne mit gekochten Eiernudeln und mit geschlagenen Eiern vermischt wurden. Dazu, man frage mich nicht warum, gab es traditionell Rote Bete aus dem Glas. Auf dem Teller erinnerte das eher an Schlachttag, aber hungrigen jungen Menschen soll’s recht sein.