Tag Archives: rot

danmark #005 – røde pølser

21 Jul
Hotdog, Århus 2016

Hotdog, Århus 2016

Die Bude in der Fußgängerzone von Århus verfügt über eine große Auswahl an Wurstsorten. Frankfurter, Pølser (rote dänische Wurst) und Medister (grobe skandinavische Bratwurst). Außerdem noch einmal alles im Speckmantel, „i svøb“ auf dänisch, was laut Übersetzungsapp „im Grabtuch“ bedeutet. Weiterlesen

miniportion 347: mojo

28 Jan
Kanarische Salzkartoffeln mit Mojo (hinten links), Playa del Ingles 2010

Kanarische Salzkartoffeln mit Mojo (hinten links), Playa del Ingles 2010

Meine frisch aus dem Urlaub auf Fuerteventura zurückgekehrte Kollegin Z. erzählt mir, dass es dort zwischen 08:30 und 22:00 immer etwas zu essen gegeben habe und dass ihr deshalb die Rückkehr ins Büro – wo allenfalls um 12:30 und keinesfalls im Buffetform gegessen wird – sehr schwer falle. Hinzu komme, dass sie sie sich nun 14 Tage lang daran gewöhnt habe, zu allem und jedem Mojo, eine scharfe, originär kanarische Soße zu essen.

„Mojo“ ist – manche Dinge sind bestechend einfach – das spanische Wort für „Soße“. Die Etymologie des Ausdrucks „mojito“ für einen aus Rum, Limette und Minze bestehenden  kubanischen Longdrinks (um diese Kurve direkt mit zu nehmen) ist nicht vollständig geklärt, hat aber  vermutlich ebenfalls mit dem spanischen „mojar“ zu tun, das als Verb „nassmachen“ bedeutet. An „mojo“ habe ich selber ganz sentimentale Erinnerungen, ging doch unsere erste gemeinsame Urlaubsreise und meine allererste Pauschalreise nach Maspalomas, Gran Canaria, in eine hübsche Gartenanlage unweit des Justus-Frantz-Pflanzprojektes. Und ich verspreche der Kollegin, ihr ein Rezept für ebenjene Soße mitzubringen (die Anleitung zur Herstellung eines Mojito scheint sie mir bestens zu kennen).

So hat meine oft belächelte Angewohnheit an jedem Urlaubsort nach einem lokalen Kochbuch zu suchen nun doch etwas Gutes. In „Canarias – Cocina tradicional“ finden sich denn neben diversen Salsa-Rezepten gleich zehn Rezepte unter dem Stichwort „Mojo“. Die beiden wichtigsten scheinen mir „Mojo bravo, picón o colorado“ und „Mojo verde con cilantro“. Erstere rot und mit Kreuzkümmel, Knoblauch und geräuchertem Paprika, letztere mit Knoblauch, Brühe und vor allem Koriander. Auch die grüne Soße wird zu in Salzwasser gekochten kleinen Kartoffeln gereicht, aber nur für die rote gilt: „Por su antigüedad, popularidad y aceptación, es el rey de los mojos canarios.“ Die Königin der Soßen eben.

miniportion 227: ribisel

5 Sep
Ribiseln auf Flohmarkt, Battice 2013

Ribiseln auf Flohmarkt, Battice 2013

Rote Johannisbeeren in ihrer schönsten Form gehen so: Beeren auf Pudding auf Biskuitboden. Allerdings muss der Rest vom Kuchen ordentlich süß sein, damit man auch das Aroma der Beeren genießen kann, was bei den hiesigen Sonnenverhältnissen ja schon einmal zugunsten einer gewissen Säure zu kurz kommen kann.

Zuhause brachte die Beerenernte selten mehr ein als ein Puddingschälchen voll schwarzer Johannisbeeren und harten Stachelbeeren. Damit war kein Boden zu belegen. Bei meiner Oma väterlicherseits hingegen nahm das Beerenobst kein Ende. Schwarze Johannisbeeren am Kopfende des Gemüsegartens, Stachelbeeren in der Ecke in der die Abwässer aus dem Waschkeller aus einem Rohr in der Erde zutage traten und eine eindrucksvoller Strauch mit roten Johannisbeeren (die übrigens von niemandem Ribiseln genannt wurde, weil wir ja in der Nordeifel und nicht in Österreich waren) neben dem Birnbaum. In besonders guten Erntejahren wurde dieser Strauch mit einem Netz abgedeckt, in dem sich hin und wieder der eine oder andere Singvogel beim Beerenklau verhedderte. Aber damit nahm man es in den 1980ern noch nicht so genau. Manchmal kam ich im Sommer mit meinem Vater zum Pflücken vorbei, da die Ertragsmengen den Mehrfruchtmarmeladenkonsum einer alleinstehenden älteren Dame bei weitem überstiegen.

Vor ein paar Jahren erzählte mir Freund F., dass er einmal im Fernsehen gesehen habe, wie man vor der Verarbeitung roter Johannisbeeren die lästigen Kerne mit einem Federkiel entfernen könne, um eine Konfitüre mit ganzen aber kernlosen Früchten herzustellen. Lange Zeit dachte ich, er habe diese Geschichte erfunden, um mich zu provozieren. Bis ich eines Tages im lothringischen Nancy ein preisreduziertes Buch über regionale Spezialitäten kaufte, in dem unter anderem genau diese Tätigkeit beschrieben steht. Seither finde ich es außerordentlich schade, dass mir diese Kulturtechnik in der Kindheit unbekannt geblieben ist – ich hätte sie geliebt.