Tag Archives: rosé

ethnografische notizen 121: bordeauxlicious

8 Dez
Rosé und Rote Bete, Marieneck, Köln 2015 #bordeauxlicious

Rosé und Rote Bete-Birne, Marieneck, Köln 2015 #bordeauxlicious

In diesem Text geht es um Wein. Soviel vorab. Um Bordeauxwein. Über den werde ich noch ernsthaft berichten. Gleich. Aber bevor ich dahin komme, muss ich erst mal eine Weile über Essen reden. Weiterlesen

miniportion 357: dorade

13 Feb
Dorade Rosé auf Eis, Frankfurt am Main 2013

Dorade Rosé auf Eis, Frankfurt am Main 2013

Neulich beobachtete ich in der Degustationsabteilung im Obergeschoss der Kleinmarkthalle zu Frankfurt am Main eine nicht mehr ganz junge und nicht mehr ganz nüchterne Dame, die in ebensolcher Gesellschaft mehrere Gläser Weißwein trank. Aus Gründen der Zielsicherheit legte sie bei dieser Tätigkeit zunächst das Glas auf die ausgestreckte Zunge, bevor sie den nächsten Schluck tat. Das fanden wir alle ziemlich lustig, da sie aber in Zeitlupe agierte, mussten wir ziemlich lange Wartezeiten zwischen den einzelnen Performances in Kauf nehmen, in denen wir eindeutig-auffällig in eine Richtung glotzten. Aber das alles wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. In der Hand nämlich hielten wir Plastiktüten mit zwei handgeangelten Wolfsbarschen für das Abendessen. Soweit nicht ungewöhnliches. Kurz zuvor aber, beim Einkauf an der Fischtheke, hatte ich erstmalig Bekanntschaft mit roséfarbenen Doraden gemacht, um die es hier eigentlich gehen soll.

Die Dorade (Sparus aurata), auch Goldbrasse genannt, ist ein seit der Antike bekannter Speisefisch. Als barschverwandter Stachelflosser ist er gewissermaßen die Cousine der Wolfsbarsche und sein Name rührt von dem sichelförmigen Goldband zwischen den Augen auf der Stirn des Fisches und den beiden güldenen Flecken auf seinen Wangen. Das klingt eigentlich eher nach Elizabeth Taylor denn nach Grillfisch, aber das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Zumal die Dorade grundsätzlich ein proterogyner Zwitter, also zweigeschlechtlich ist. Auch irgendwo dazwischen liegt die Dorade Rosé, zumindest farblich. Nämlich zwischen der regulären Dorade und der ordinären Rotbrasse, die zwar ziemlich viele Gräten aber vergleichsweise wenig Schmuck im Gesicht aufzuweisen hat. Sie ist damit der eleganteste der mir bekannten Speisefische. Würde sie sich nicht ausschließlich von Krebsen und Muscheltieren ernähren – sie würde vermutlich vor dem Trinken von Schaumwein ihre kleine schuppige Zunge herausstrecken.

miniportion 162: rosé

2 Jul
Lieblicher Rosé auf dem Bahnhof Ehrenfeld, Köln 2013

Lieblicher Rosé auf dem Bahnhof Ehrenfeld, Köln 2013

„Goodbye Yellow Brick Road“ von Elton John aus dem Jahr 1973 ist nicht nur ein Meilenstein der Popgeschichte sondern enthält auch das einzige mir bekannte englischsprachige Lied, in dem Rosé vorkommt. „For I just get ugly and older“, heißt es im Text, „I get juiced on Mateus and just hang loose.” Das ist auch für den geübten Englisch-Hörer eine kleine Herausforderung, zumal mir vorher nicht bekannt war, das Mateus als Synonym für industriell produzierten Wein auch in den Vereinigten Staaten ein Begriff ist. Dass es in dem Lied um einen mittelalten Herren geht, der dem Alkohol zugetan ist und mit seiner Vermieterin – die in einem Wohnwagen wohnt – ein Verhältnis hat, macht  die Sache nicht besser. Eine white trash-Geschichte, könnte man sagen.

Nun hat Rosé auch hierzulande ja nicht den besten Ruf und die Marke Mateus steht in ihrer bocksbeutelähnlichen Flasche auch in Deutschland für Weingenuss von eher zweifelhafter Qualität. Aus meiner Heimatgegend wurde mir unlängst berichtet, ein (mittlerweile geschlossenes) Restaurant habe mangels echten Rosés kurzerhand eine Mischung aus Rot und Weiß serviert. Ob es sich dabei um eine urban legend oder eine Tatsache handelt, lässt sich nicht mehr überprüfen. Es geht aber auch anders. Ich erinnere mich nämlich, dass bei früheren kulturbürgerlichen Familienfeiern väterlicherseits gerne auch eine Flasche Rosé zum Essen getrunken wurde, der bestimmt nicht der schlechtesten Qualität war, weil zumeist von Patenonkel H. mitgebracht.

Mein Mann hingegen behauptete nach einem ziemlich langwierigen Grillgelage am Aachener Weiher jahrelang, er bekäme von Rosé automatisch einen dicken Kopf. Mein Hinweis auf den Zusammenhang von Quantität des Getränks und Qualität der Kopfschmerzen verhallten ungehört, bis er vor gut zwei Jahren in Frankreich mittels eines hervorragenden Glases eines besseren belehrt wurde. Ugly und older werden wir sowieso, da wird man sich ja wohl noch einen Rosé genehmigen dürfen.