Tag Archives: restaurant

ethnografische notizen 247: europa

26 Mai
Dessert im maiBeck Köln , April 2019

Dessert im maiBeck Köln , April 2019

Jede Woche treffe ich mich mit einem großen Europäer. Donnerstags zum Mittagessen, um genau zu sein.

Herr K. kommt immer mit dem Taxi zum Restaurant und weil er ein freundlicher Kunde ist, gilt es als Privileg, ihn fahren zu dürfen. Die Fahrerinnen und Fahrer sind darum auch immer wieder Thema bei unseren Tischgesprächen. Er erzählt von ihren Besuchen im Krankenhaus oder, dass sie einen Sender mit klassischer Musik einschalten, um ihm eine Freude zu machen. Vor einer Weile war Herr K. beim ersten Gang noch ganz beseelt von der Begegnung mit einem neuen Fahrer. Weiterlesen

GELÄNDEGANG 2019 Oberbergisches Wagyu/001

23 Apr

Wagyu, Wipperfürth, April 2019

Jan erwähnt beiläufig, dass das Restaurant bei einem Hof im Bergischen ein Wagyu-Kalb reserviert habe und man mit zwei Azubis der Schlachtung beiwohnen werde. „Wenn noch ein Platz frei ist, komme ich gerne mit“, versuche ich mein Glück als Nicht-Auszubildender. „Ganz entspannt um 8:30 Uhr, haben die gesagt“, meint Jan und wirkt nur bedingt glücklich mit der Gestaltung des frühen Dienstagmorgens. „Für mich kein Problem, feixe ich, „aber für euch Köche?“ Weiterlesen

ethnografische notizen 228: france 2017/01

11 Jun
Mapo Tofu im Chez Nou, Rouen Juni 2017

Mapo Tofu im Chez Nou, Rouen Juni 2017

Auf dem Weg in die Bretagne übernachten wir in Rouen. Zum zweiten Mal sind wir hier. Noch auf der Autobahn erinnern wir uns an den letzten Besuch. Das funktioniert am besten über Unterkünfte und Restaurants. Beides ist in diesem Fall schnell ermittelt, obwohl die Tour durch die Normandie schon sieben Jahre her ist.

Wir übernachteten im Haus einer Galeristin hinter dem Bahnhof, die ihre mit afrikanischen Masken und zeitgenössischer Kunst bestückte Villa mit ein paar „chambres d’hôtes“ aufgestockt hatte. Zum Frühstück gab es neben Croissant und Baguette frische Kirschen in einer kleinen Schale aus schwarzer Keramik. So etwas kann ich mir merken, nicht aber meine Telefonnummer.

Gegessen wurde im zu einem hochpreisigen Restaurant zugehörigen Bistro am Place Jeanne d’Arc. P., der zu diesem Zeitpunkt niemals auch nur in Erwägung gezogen hätte, Schweinebauch zu bestellen, aß „poitrine de porc“ in einer Soße mit hellen Rosinen. Die Dame am Nachbartisch lachte über die überdimensionierte Portion bis sie ihren Nachtisch bekam – das Äquivalent einer Puddingschüssel. Danach lachte sie nicht mehr, sondern aß.

Das Bistro ist immer noch da, aber da es noch zu früh ist, spazieren wir eine Runde durch die Innenstadt und bleiben vor einem sehr kleinen chinesischen Restaurant stehen. „Chez Nou“, helles Holz, weiß gestrichenes Gebälk und alle zwei Minuten neue Lieferdienst-Fahrer, die mit ihren Bestellungen über das Kopfsteinpflaster davon radeln.

Weil wir am Tag zuvor mehr als genug und darüber hinaus sehr raffiniert gegessen haben, ist uns heute nach etwas Rustikalem. Neben uns isst ein chinesisches Paar. Der junge Mann wedelt mit der Hand, weil sein Essen offensichtlich ziemlich scharf ist. Nach den ersten Löffeln meines Mapo Tofu verstehe ich, was er meint. Das Leitungswasser schmeckt nach dem ganzen Szechuan-Pfeffer aber angenehm zitronig.

CHEZ NOU | 10 Rue Perciere | Rouen

soulfood düren – #010

31 Dez

Mit den Fingern zu essen hat mir so gut gefallen, dass ich zurück ins „Amma“ bin, um es mir vor der Kamera nochmal erklären zu lassen …

Im Projekt „Soulfood Düren“ mache ich mich auf die Suche nach der kulinarische Seele der Stadt. Mit interessanten Gästen spreche ich in der zweiten Runde über Lieblingsessen und -orte und das Thema „heute“.

Hier das Erklärvideo zur Veranstaltung.

Soulfood Düren II

8.02.2017, 19.00 Uhr Betriebsrestaurant der Sparkasse, Wilhelmstr. 38

Karten (15 Euro, inkl. Verköstigung) beim iPunkt, Markt 6

soulfood düren – #009

22 Dez

Essen und Trinken sind eine ziemlich persönliche Angelegenheit. Aber unsere Ernährung hat immer auch ethisch-moralische, ökologische und ökonomische Auswirkungen. Darüber will ich mit Expert*innen sprechen.

Den Anfang macht Thomas Hissel, Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Stadt Düren und verantwortlich für die Wirtschaftsförderung.

Thomas Hissel, Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Stadt Düren, Dezember 2016

Thomas Hissel, Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Stadt Düren, Dezember 2016

 

Herr Hissel, Sie arbeiten jetzt ein gutes Dreivierteljahr in und für Düren. Wie sieht es aus mit ihrem Gefühl für die Stadt und die kulinarische Identität?

Das Gefühl für die Stadt entwickelt sich so langsam, eine kulinarische Identität kann ich aber noch nicht erkennen. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich ja nicht jeden Tag essen gehe.

Was essen Sie denn mittags so?

Ich habe eigentlich nie was mit, dazu komme ich morgens nicht. Wenn wir unseren drei Kindern die Butterbrote gemacht haben, muss es schnell losgehen. Mittags kaufe ich mir entweder ein Brötchen oder ich gehe mit Arbeitskollegen essen. Das kommt so ein oder zwei Mal in der Woche vor und ist eine gute Gelegenheit sich mal eine Dreiviertelstunde auszutauschen. Jetzt tobt allerdings gerade der Jahresendwahnsinn, deshalb hat es in den letzten Wochen eigentlich gar keine Mittagspause gegeben.

Wie findet man denn am besten Restaurants in Düren?

Es gibt in der Innenstadt ja schon ein halbes Dutzend guter Restaurants, aber die muss man sich erst mal erschließen, auch online. Wenn ich mir zum Beispiel die App von YELP anschaue, dann hat das Restaurant mit den meisten Punkten gerade mal elf Bewertungen. In anderen Städten vergleichbarer Größe sieht das anders aus.

Das ist eine interessante Beobachtung, weil die Restaurants hier – zumindest jetzt in der Vorweihnachtszeit – ja durchaus voll sind.

In meiner Heimatstadt brauche ich auch keine App, die brauchen die Dürener in ihrer Stadt auch nicht. Aber was ist mit den Leuten, die nicht von hier sind, etwa Geschäftsreisende, Touristen oder Besucher die zu einem Shopping-Event wie etwa „Düren leuchtet“ kommen? Wenn die ihren Aufenthalt hier mit einem Restaurantbesuch verbinden wollen, müssten die jemand in der Fußgängerzone fragen.

Es gibt also Informationsbedarf?

Es gibt ein verschüttetes Nachfragepotenzial, das man freilegen muss. Düren muss in den einschlägigen Apps oder Guides vorkommen. Dazu muss sicher einige Aufbauarbeit geleistet werden, etwa gastronomische Beratung, ein Restaurantführer oder ein Hotelverzeichnis. Für Nicht-Dürener, und das ist ja noch meine Perspektive, liegt das eben nicht auf der Straße.

Und Sie haben als Wirtschaftsförderer ja auch ein professionelles Interesse.

Durchaus. Ansiedlungswilligen Unternehmen müssen wir Düren zeigen, wenn die vor Ort sind. Wo geht man mit denen hin? Ich gebe mich nicht zufrieden mit der Ansage, dass es hier nichts gebe und man lieber nach Köln oder Aachen fahre. Das wäre Anti-Marketing. Mag sein, dass das Angebot noch verbesserungsfähig ist, aber das gilt vermutlich für jede Stadt. Ich bin davon überzeugt, dass es hier gute Restaurants gibt, die aber nicht ausreichend vermarktet und darum nicht wahrgenommen werden.

Was muss sich ändern?

Das fängt bei den Einwohnern an, geht über die Verwaltung und endet bei den Unternehmen. Wir alle sind Botschafter dieser Stadt, müssen das Angebot kennen und nach außen tragen. Die Aachener und die Kölner fühlen sich ganz klar als Botschafter ihrer Stadt – der Dürener unterschätzt, was er hat. Wir müssen die Stadt mit mehr Selbstbewusstsein wahrnehmen und nach außen transportieren. Das gilt für das kulinarische Angebot, aber auch für die Wirtschaftsstruktur und eigentlich alle Angebote von Kultur bis Kinderbetreuung. Da hat Düren mehr zu bieten, als man von außen erkennen kann.

 

Im Projekt „Soulfood Düren“ mache ich mich auf die Suche nach der kulinarische Seele der Stadt. Mit interessanten Gästen spreche ich in der zweiten Runde über Lieblingsessen und -orte und das Thema „heute“.

Hier das Erklärvideo zur Veranstaltung.

Soulfood Düren II

8.02.2017, 19.00 Uhr Betriebsrestaurant der Sparkasse, Wilhelmstr. 38

Karten (15 Euro, inkl. Verköstigung) beim iPunkt, Markt 6