Tag Archives: Reims

miniportion 352: champagner

4 Feb
Champagner für alle, Reims 2012

Champagner für alle, Reims 2012

Einmal übernachteten wir auf einer Tour durch die Champagne bei den Besitzern eines ehemaligen Steinbruchs. An jenem lauen Sommerabend saßen wir unter einem Nussbaum an der Seite des ehemaligen Gutshauses, welches dem Namen nach wohl einmal einem Bischof gehört hatte. Ein kleiner dicker Dackel schwarwenzelte uns um die Beine und wir tranken eine Flasche hervorragenden Champagners, den es zum sensationellen Preis von Euro 13,- bei der Hausherrin zu bestellen gab. Das gefiel uns allen gut und da Madame erwähnt hatte, dass es sich um einen befreundeten Winzer handeln würde, befragte ich am nächsten Morgen im Frühstücksraum auch ihren Mann nach der Herkunft des Getränks. Das war eher höflich gemeint, wurde aber folgendermaßen erwidert. Monsieur entschuldigte sich nämlich für einen Moment und kam kurz darauf zurück, um uns mitzuteilen, dass sein Freund, jener Winzer, auf unsere Ankunft warten würde.

Die nun folgende Geschichte hat sich im Laufe der Jahre zu einer gerne erzählten Anekdote entwickelt, ich muss an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass mir zu zunächst von allen drei Reisebegleitungen die Hölle heiß gemacht wurde. Nachdem wir nämlich erkannten, dass wir uns des Besuches wohl nicht entziehen würden können, landeten wir im Wohnzimmer des im Nebenerwerb tätigen Winzers auf dem bereits mehrere Flaschen Champagner auf die Verkostung warteten, seine Frau stellte das Bügeleisen im Hauswirtschaftsraum beiseite und beide nahmen erwartungsvoll in der Sitzgruppe aus cremefarbenen Leder Platz. Es folgte eine etwas beklemmte halbe Stunde, die ich – als einziger des Französischen mächtig – mit höflicher Konversation zu füllen versuchte, während die anderen den Wildschweinkopf an der Wand betrachteten oder zum Rauchen vor die Tür gingen. Schließlich war es Zeit zu gehen und aus lauter Verlegenheit erstanden wir schließlich einige Kartons Champagner. Zumindest das haben wir aber nie bereut.

miniportion 171: macaron

11 Jul
Himbeer oder Schokolade, Saint-Malo 2011

Himbeer oder Schokolade, Saint-Malo 2011

Immer, wenn im Büro das Gespräch auf Macarons kommt – und geringfügig häufig wird bei uns über Essen gesprochen – dann gibt es zwei Kollegen, die betonen, diese seien ja sehr einfach herzustellen und sie würden mir bei Gelegenheit mal das richtige, das echte, das einzig wahre Backbuch mitbringen. Beiden übrigens traue ich perfekte, wunderschöne und schmackhafte Macarons zu, und dennoch habe ich weder Rezept noch Original je zu Gesicht bekommen. Aber vielleicht darf man unter Kollegen ja auch bestimmte Dinge nur anfeaturen, wie das auf neudeutsch heißt. Gewissermaßen um die Spannung hoch zu halten. Aber ich komme noch dahinter, das verspreche ich Euch!

Als Bewohner eines ehemaligen Zollgrenzbezirks habe ich es bei der Beschaffung dieses hübschen pastellfarbigen Trendgebäcks aus Mandelmehl, Zucker und Eiweiß ja ohnehin vergleichsweise einfach. Seit einigen Jahren nämlich gibt es nicht nur deutsche Hard-Discount-Supermärkte im benachbarten Belgien, sondern auch diverse Filialen gewiefter belgischer Konditoren oder Pâtissiers auf der Grenze oder sogar in Deutschland. Und die Besonderheit belgischer Koch- und Backkunst liegt ja bekanntlich in der frankophilen Raffinesse bei gleichzeitiger Vorliebe für Handfestes und Deftiges. Ein Befund, der sich übrigens auch durch die meisten kulturellen Produktionen unserer Nachbarn zieht.

Obwohl ich dem größten Macaron ever vor einem Jahr in Frankreich begegnete. Denn obwohl es den Doppelkeks de luxe schon seit dem Mittelalter gibt, erfreut er sich auch dort einer zunehmenden Beliebtheit und rezent auch diversen exotischen Variationen in Form, Geschmack und Temperatur. Und so begab es sich, dass mein Mann sich an einem verschlafenen Sonntagmittag in der Fußgängerzone von Reims einen Macaron Magnum kaufte, der ungefähr die Größe eines Handtellers hatte. Wenn da der Pâtissier nicht mal einen Ausflug nach Belgien gemacht hat.