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ethnografische notizen 238: france 2017/11

22 Jun
Markthalle Quimperlé | Super U Rennes, Juni 2017

Markthalle Quimperlé | Super U Rennes, Juni 2017

Markt in Carnac Downtown – T-Shirts mit Ananas, Putzmaterial auf Teleskopstangen und geflochtene Einkaufskörbe. Auch der Olivenstand ist gut besucht. Ein älterer Herr aus den Niederlanden geht mit einem Zahnstocher in der Hand das gute Dutzend Schüsseln mit diversen Olivenschüsseln ab und probiert sich durch das Assortiment. Seine Frau kauft derweil ein. Eine Plastikschale mit Kalamata, Mexicaine und zum Schluß noch einen großen Löffel mit Tapenade. „20 Euro und 20 Cent“, sagt der Händler, der suchaufgrund einer Behinderung geübt aber etwas seltsam hinter seinem Stand hin und her bewegt. Die Frau zögert einen Moment und reicht ihm einen 50-Euro Schein. Der junge Brite neben uns beschränkt sich dann doch lieber auf eine Sorte. Ich kaufe Mix Apero, mit 1,99 Euro pro 100 Gramm die billigste Sorte. Satte, würzige Oliven in drei Farbabstufungen. „Ich habe zu danken“, sagt der Olivenhändler und humpelt zum nächsten Kunden. Am Käsestand zahlen wir elf Euro für ein unglaublich leckeres Stück Secret Bichonne und einen Selles sur Cher. „Eine Rosette de Lyon kostet sechs, zwei gibt’s für zehn“, sagt der freundliche junge Mann am Wurststand. „Ordentlich“, sagt P., „gut 20 Euro für ein Picknick.“

In fast jeder Stadt in Frankreich gibt es eine Markthalle, in den größeren häufig sogar mehrere. Immer häufiger jedoch sind die gar nicht mehr oder nur noch teilweise in Gebrauch. Das liegt – wie bei uns – sicherlich auch an einer Verschiebung des Einkaufsverhaltens in die Randzonen der Städte, in die riesigen Supermärkte in den Industriegebieten. Mit dem Unterschied allerdings, dass das Angebot an Milch- und Fleischprodukten, Fisch und Gemüse in einer Qualität angeboten wird, die in Deutschland niemals in einem Supermarkt zu finden wäre. Aber das ist einen eigenen Text wert. Während die Markthallen also zunehmend verwaisen, weil man doch lieber mit dem Renault Grand Scénic bequem auf einen kostenlosen Parkplatz fährt, bleiben die Wochenmärkte außerhalb der Hallen. Zumindest dort, wo es ausreichend Touristen gibt