miniportion 075: apfelkorn

Apfelkorn für Kenner (Calvados Domaine Cinq Autels), Köln 2013

Apfelkorn für Kenner (Calvados Domaine Cinq Autels), Köln 2013

Es ist kaum noch vorstellbar, aber es gab einmal eine Zeit, in der Fruchtliköre und -schnäpse nicht in kleinen Fläschchen verkauft wurde, die man sich während der Karnevalstage als Patronengürtel um die Hüfte schnallen kann. Bei uns auf dem Dorf kam Apfelkorn in ordentlichen Portionen. In richtigen Flaschen, wie sie mitunter auch schon mal im Kühlschrank des örtlichen Pfarrheimes zu finden waren. Dort wurde, anders als in vielen Vereinen, die Jugend nicht zum trinken animiert. Das hielt Jugendgruppenfreund E. und mich aber nicht davon ab, eines Tages herausfinden zu wollen, wie Apfelkorn eigentlich schmeckt. Ich muss an dieser Stelle die Leser und Leserinnen fairerweise darauf hinweisen, dass offensichtlich auch damals schon beträchtliche Mengen alkoholischer Getränke nötig waren, um bei mir eine Wirkung zu zeigen. Es folgte also kein erster Rausch mit entsprechend lustigen Anekdoten und einem üblen Erwachen, sondern lediglich ein ungutes Gefühl. Denn schließlich hatte ich etwas genommen, was nicht mein war. Darin – also in der Animation von Schuldgefühlen – sind katholische Einrichtungen ja traditionell ganz gut. Der Apfelkorn und ich wurden übrigens keine Freunde. Mir wollte sich nicht erschließen, wieso man anstatt eines Getränks, das wie Apfelsaft mit einem unangenehmen Beigeschmack schmeckt, nicht gleich ganz gewöhnlichen Apfelsaft wählt.

Wobei die Kombination von Schnaps und Apfel ja, so sehe ich das heute, durchaus ihren Reiz haben kann. Man denke nur an einen guten Calvados. Vor einigen Jahren stand eine Reise in die Normandie ganz unter dem Thema Apfel und erreichte ihren Höhepunkt in zwei Übernachtungen auf der Domaine Cinq Autels, einem der ersten Biohöfe der Region Pays d’Auge. Dort wird neben Cidre und Calvados auch ein sehr trinkbarer Aperitif namens Pommeau produziert, was zu Deutsch etwa Knauf bedeutet. Dieser besteht aus jungem Calvados und Apfelmost. Eine große Flasche s’il vous plaît!

ethnografischen notizen 030a: zwei wochen in der normandie (auswahl)

Aachen, Juni 2011

> zwei Flaschen Apfelsaft „Domaine Cinq Autels“ AB

> zwölf Flaschen Cidre brut „Domaine Cinq Autels“AB

> eine Flasche Calvados Hors d’age “Domaine Cinq Autels” AB

> zwei Flaschen Pommeau “Domaine Cing Autels” AB

> eine Flasche Apfelessig “Domaine Cing Autels” AB

> eine Flasche Poiré aus Domfront

> eine Flasche Calvados Réserve „Domaine Dupont“

> eine Flasche Cidre AOC Pays d’Auge aus Cambremer

> eine Flasche Bénédictine aus Fécamp

> ein Glas caramel de pommes dieppois

> ein Glas crème de caramel à la fleur de sel de Guérande

> ein vinaigrier (Keramiktopf zur Essigherstellung) von Emile Henry

> ein Kochmesser von Opinel

> ein Küchenmesser von Opinel

> eine Kupferform für canelé aus Villedieu-les-Poêles

> ein Nadelset für bigorneau (Strandschnecken)

> Restaurantguide „Saveurs – Le Carnet de Route“, Paris 2011

> Kochbuch “Recettes et paysages – Nord, Normandie, Bretagne et Pays de l’Ouest” von o.A. 1952

> „Camembert de Normandie – un produit, un paysage“, Paris 2006