miniportion 356: pistazien

Schokoladen-Marzipan-Pistazien-Torte, Köln 2014

Schokoladen-Marzipan-Pistazien-Torte, Köln 2014

An einem Sonntagmittag im Februar betretenen zwei ältere Damen, noch dick verpackt gegen das Winterwetter, das Café und laufen im Slalom zwischen den Tischen hindurch, um einen geeigneten Platz zu finden. Das Separée mit den golden gerahmten Zeichnungen von Blumen und Papageien ist ihnen zu laut. Zwei Stufen führen zwischen zwei weißen Säulchen an einem Schild mit der Aufschrift „Vorsicht Stufe“ hinauf zu einer langen Tafel an der eine Geburtstagsgesellschaft feiert, die dem Lärmpegel nach zu urteilen nicht erst einen Piccolo getrunken hat. Die Herren tragen dicke Hornbrillen, die an Heinz Erhardt erinnern. Einer von ihnen telefoniert mitten in der ausgelassenen Gesellschaft mit seinem Handy und hält sich angestrengt das freie Ohr zu, um überhaupt etwas verstehen zu können. Zwei weitere binden sich ihre bunten Karnevalsschals um und machen Anstalten, den Tisch zu verlassen. Im Gehen erzählen sie noch einen unanständigen Witz, der einen schrillen Ausbruch von Gelächter verursacht. Ein benachbartes Ehepaar nippt in Zeitlupe am Milchcafé im Glas und schaut etwas konsterniert. Eine Frau mit einem mausgrauen Topfhut betrachtet interessiert die Karnevalsdekoration aus stilisierten Karnevalsmützen und Trommeln aus Plastik, während ihr Mann das Tortenangebot in der Theke inspiziert. Ansonsten ist es gerade ruhig am Kuchenbüffet. „Über den Apfelkuchen würde ich mich mal beschweren“, sagt die Bedienung mit der weißen Schürze zu ihrer Kollegin. Kurz darauf hört man sie mit einem elektrischen Messer einen Kuchen schneiden. „Vermutlich ist der sonst zu matschig“, vermutet mein Mann. Die Kellnerin nimmt die beiden Bons von der Kuchentheke und kommt umgehend mit meinem Kännchen Kaffee zurück, dessen Deckel von vielen Touren in der Spülmaschine angeschlagen ist. Wir sitzen auf niedrigen Polstermöbeln, deren Samtbezug dieselbe Farbe hat wie die Pistaziencreme meines Kuchens.