La France en Pâtisserie – Gastbeitrag von Monika Koch

Kommunikationsdesignerin Monika Koch (rechts) und Madeleines de Commercy (links)
(Fotos: Jennifer Braun & Stefan G. Louis)

Ich bin ja erst nach dem Backen und Fotografieren dazu gestoßen. Aber ich mag es, so in ein Projekt rein zu stürzen. Ich muss nicht immer von Anfang an mitarbeiten und finde es gut, wenn andere sich Gedanken gemacht haben. Da kann ich mir dann was rauspicken und damit weiterarbeiten.

Die Texte von Johannes kenne ich ja schon lange. Die Geschichte der Ersatzreise ist schön und Jennys Fotos geben unheimlich viel her. Da hatte ich direkt eine Farbwelt im Kopf und eine bestimmte Art von Typografie. Ich habe mich für eine serifenbetonte Schrift entschieden, mit einem leicht französischen Touch. Die darf schon Drama haben.

Ich habe die geometrische Konzeption der Fotos wieder aufgegriffen und in ein Muster gepackt, das im Hintergrund liegt. Zusammen mit der Schrift und dem leicht gebrochenen Aufbau – auch in den Bildern ist ja immer ein gewisser Bruch drin, ein Stückchen Vergänglichkeit – ist ein nicht ganz braves Layout entstanden.

Viele Auftraggeber haben Angst, so etwas mal auszuprobieren. Es ist ja immer noch eine klassische Gestaltung, aber man befürchtet, damit anzuecken. Am liebsten muss alles so sein wie immer und man reizt gar nicht aus, was an Ausdruck eigentlich möglich ist. Das ist natürlich anders, wenn ich kein regulärer Dienstleister bin.

Ich mag ganz besonders diese erste Brutphase, in der man nach Stilelementen sucht und überlegt, was passen könnte. Ich habe mir viel französische Werbung aus den 1970ern angeguckt. Am Anfang ist das nicht immer direkt zielführend, man verliert sich und sieht vielleicht auch viel Unnützes und Schräges, aber man nimmt die Dinge anders wahr.Eigentlich esse ich aber gar nicht so gerne Gebäck, ich mag viel lieber den Teig. Der Teig der Vanillekipferl meiner Oma, das ist mein Lieblingsgebäck.

Monika Koch studierte Kommunikationsdesignerin in Trier und Aachen. Obwohl Selbstständigkeit nie auf dem Zettel stand, betreibt sie seit 20 Jahren mit ihrem Kollegen Stefan Louis das büro G29, das sich auf die Entwicklung von Corporate Design spezialisiert hat und vor allem im Printbereich tätig ist.

Hier gehts zum Projekt: https://www.startnext.com/la-france-en-patisserie

La France en Pâtisserie – Gastbeitrag von Jennifer Braun

Foodfotografin Jennifer Braun (links) und Canéles de Bordeaux (rechts)
(Fotos: Johannes J. Arens & Jennifer Braun)

Die größte Herausforderung war eigentlich die Hitze. Wir haben in den beiden Wochen fotografiert, in denen es knapp 35 Grad hatte. Mein Studio ist dann wie ein kleines Gewächshaus, dass sich noch zusätzlich aufheizt. An manchen Tagen haben wir ja auch mit Maske gearbeitet, da bin ich schon ein bisschen ins Schwitzen gekommen.

Ansonsten war das Projekt eigentlich ein großes Vergnügen. Herausforderung klingt direkt so negativ. Die ganze Freiheit, die wir hatten, ist etwas sehr Positives. Ich unterteile das Fotografieren in „richtige Arbeit“ und „Vergnügen“. Die Pâtisserie fällt definitiv in die letzte Kategorie.

Ich bin jetzt seit fast 20 Jahren Fotografin und habe mit sehr vielen Auftraggebern zu tun. Da hat man immer schon im Hinterkopf, was der Kunde denkt, was er braucht oder was ihm gefallen könnte. Das ist normalerweise auch gut, weil man dann zumeist nicht direkt daneben liegt. Aber manchmal bleiben die eigenen Vorstellungen vom Bild dadurch auf der Strecke. 

Das war hier so gar nicht der Fall, ich konnte ganz frei in alle Richtungen denken, auch wenn ich mich manchmal dabei ertappt habe, wie ich mit diesem Filter im Kopf angefangen habe.

Ich ordne gerne die Dinge auf meinen Fotos. Ich mag das, wenn sich da plötzlich eine Linie ergibt, die an anderer Stelle wieder durchbrochen wird – Bilder, die ich so konzeptionieren und bauen kann, wie das meinem ästhetischen Empfinden entspricht.

Mein Lieblingsmotiv sind die Canéles, da habe ich diese Reihung und Ordnung auf die Spitze getrieben. Die sind gleichzeitig auch mein liebstes Gebäck, weil sie das Beste aus der Oberpfalz und Frankreich zusammenbringen. Sie erinnern mich zu gleichen Teilen an zuhause, an Fettgebäck aus der Oberpfalz, aber auch an Fernweh und Reisen.

Jennifer Braun ist gelernte Werbefotografin und studierte Kommunikationsdesignerin. Sie entschied sich für das Metier, weil sie nicht zeichnen konnte, wohl aber die Bilder gestalten wollte. Sie fotografiert mehrheitlich digital, auch wenn sie gelegentlich mit der Hasselblad die Grenzen und Möglichkeiten analoger Foodfotografie austestet.

Hier gehts zum Projekt: https://www.startnext.com/la-france-en-patisserie

La France en Pâtisserie – Fragen & Antworten zum Crowdfunding

Gleichmäßige Verteilung, August 2020 (Foto: Jennifer Braun)

Weil vielleicht nicht alle wissen, was ein Crowdfunding-Projekt ist, haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten zusammengefasst:

Was ist eigentlich Crowdfunding?

„Crowdfunding“ ist Neudeutsch für die Finanzierung eines Projekts durch viele Menschen, die als Gruppe – gemeinsam, aber ggf. ohne sich zu kennen – ein Ziel verfolgen.

In unserem Fall ist das Ziel, ein schönes Buch zu drucken.

Vorab legt man ein sogenanntes „Fundingziel“ fest, also die Summe, die man braucht, um das Projekt zu realisieren.

In unserem Fall liegt diese Summe bei 9.630,- Euro. Sie beinhaltet die Kosten für den Druck, die Verpackung und die Verschickung. Außerdem Honorare für das Crowdfunding-Video und das Lektorat. Wir, also Jennifer Braun, Monika Koch und Johannes Arens, verdienen kein Geld mit diesem Projekt. Wir machen das für Ruhm und Ehre und für das schöne Buch!

Wir nutzen das Crowdfunding, weil es im letzten halben Jahr nicht unbedingt einfacher geworden ist, ein Buchprojekt bei einem Verlag unterzubringen.

Was passiert mit dem Geld, wenn das Projekt Erfolg hat?

Wenn wir die Summe erreichen, produzieren wir das Buch in einer regionalen, echten Druckerei und schicken es euch zu. Die Auflage liegt derzeit bei 500 Stück und ist damit sehr exlusiv. Denn das Produkt geht (zumindest in dieser Runde) NICHT in die Buchläden, weil wir dafür zu klein sind. Ihr bekommt also ein einzigartiges, hochwertiges Buch, dass man ansonsten nicht kaufen kann.

Was passiert mit meinem Geld, wenn die Summe nicht erreicht wird?

Wenn wir unser finanzielles Ziel nicht erreichen, geht das Geld zurück an euch. Mit der Summe, die ihr jetzt in die Finanzierung von „La France en Pâtisserie“ steckt, geht ihr also kein finanzielles Risiko ein. Das Budget kommt nur bei uns an, wenn wir die 9.630,- Euro schaffen. Wenn nicht, werden eure Beiträge automatisch zurückgebucht.

Gebrauchsanleitung in zehn Schritten

  1. Die Projektseite im Internetbrowser öffnen: https://www.startnext.com/la-france-en-patisserie
  2. Auf den grünen Schriftzug Unterstützung klicken.
  3. Das Dankeschön (so heißen hier die Unterstützungsmöglichkeiten) an der Seite auswählen. Beispielsweise: 30,00 € Buch.
  4. Auf den grüne Schriftzug Auswählen klicken.
  5. Die Stückzahl/Menge auswählen. Sollte die Anzahl beschränkt sein, ihr aber mehrere Bücher bestellen wollt, müsst ihr dies leider in mehreren Schritten tun. Wenn ihr mögt, könnt ihr auch noch um eine freie Unterstützung aufstocken. (Startnext berechnet pro Buch noch einen Betrag von 3,50 € für die Mission von Startnext. Das ist keine Abzocke, sondern hilft, die Plattform zu ermöglichen.)
  6. Auf Zahlung klicken und entweder Kreditkarte oder Lastschrift auswählen.
  7. Adresse ausfüllen und Nutzungs- und Datenschutzbedingungen ankreuzen.
  8. Kreditkarten- oder Kontodaten ausfüllen.
  9. Grünen Schriftzug Jetzt unterstützen anklicken.
  10. Wenn ihr Profile auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. habt, könnt ihr uns außerdem noch durch das Teilen in den Netzwerken helfen.

Vielen lieben Dank!

La France en Pâtisserie – schlampig aber charmant

Bilder, nicht für die Öffentlichkeit bestimmt – Macarons mit dem Geschmack von Demut (Köln, August 2020), Foto: Jennifer Braun

Während meiner Ausbildung auf der Kunstakademie erkannte ich, dass ich nur bedingt für präzise Angelegenheiten geeignet bin. Eigentlich war das schon vorher klar, als ich als Jugendlicher einmal versuchte, den Aachener Dom aus vorgedruckten Papierbögen nachzubauen. Schon das Ausschneiden war eine Herausforderung, das Zusammenkleben der gotischen Spitzbögen, Strebefeiler und kleinen Fialen dann zeitigte eine ganz andere, neue Art von Architektur, die wenig mit dem historischen Vorbild zu tun hatte.

Eine Technik, die ich im Laufe des Designstudiums perfektionierte: einen Plan machen, loslegen und letztendlich etwas ganz anderes produzieren als geplant. „Schlampig“, sagte einst mein Dozent für 3-dimensionales Gestalten während eines Beurteilungsgesprächs an jener Akademie zu mir, „aber es hat einen gewissen Charme.“ Schlampig, aber charmant war fortan mein unausgesprochenes Motto. Mein Hauptfach war allerdings Mode- und Textildesign und nicht unbedingt bekannt für sein entspanntes Verhältnis zur Präzision. Aber wenn mir das Einsetzen von Reißverschlüssen eben zu fummelig war, klebte ich sie eben ein. Wenn man aus der Not nicht unbedingt eine Tugend, aber ein Konzept macht, kommt man mit so Einigem davon.

Heute aber geht es mir ums Backen, dass man, was Genauigkeit angeht, durchaus als das Schneiderhandwerk unter den Küchengewerken bezeichnen kann. Da wo Saucier und Gardemangère mit energischen Pinselstrichen eine Landschaft skizzieren oder mit forscher Hand einen Gesichtsausdruck ins Tonprofil kneten, sind Konditor und Patissière eher dabei, wieder einmal einen besonders komplizierten Hosenschlitz zu konstruieren.

Darum lag mir bislang das Kochen deutlich näher als das Backen, oben auf dem Herd kann man (zumindest als Hobbykoch) deutlich schlampig-charmanter arbeiten als untenrum im Ofen der Liebe.

Mit Corona geriet aber auch dieses oben und unten durcheinander und in einem gewissen Moment des ennui fragte ich mich, ob mir die strenge Hand des Backens einen Weg durch die Pandemie zeigen könnte. Also nicht für immer, aber eventuell mal für zwei Wochen …

Zu den Ergebnissen gehört die bereits im Video erwähnte Erkenntnis, dass bestimmte französische Gebäcksorten ausschließlich erfunden worden sein müssen, um Auszubildende Demut zu lehren. Und trotz aller Demut und trotz aller fatigue nach Abschluss des Projekts habe ich, neben den großartigen Rezepten unserer Korrespondent*innen aus Frankreich, eine wichtige Erkenntnis mit nach Hause genommen: Auch untenrum hat schlampig-charmant seine Qualitäten, dann nämlich, wenn das mögliche Scheitern zum Textkonzept gehört. Vor allem aber dann, wenn Fotografin und Kommunikationsdesignerin mühelos die kompliziertesten Reißverschlüsse einsetzen können.

https://www.startnext.com/la-france-en-patisserie

La France en Pâtisserie – Epilog

La France en Pâtisserie (Foto Jennifer Braun)

Der Abschluss hat dann doch ein paar Tage gedauert, weil ich mich erst einmal erholen musste. Ganz easy hatte ich mir das vorab so vorgestellt. Morgens ein bisschen backen, dann ein wenig schreiben und abends ein schnelles Foto machen. Dazwischen viel Freizeit, es sollte ja schließlich so eine Art Urlaub sein. Vielleicht jeden Tag mit dem Fahrrad in ein anderes Veedel fahren, wie ich das im Monocle Magazin von einem dänischen Städteplaner gelesen hatte.

Dann kam die sommerliche Realität und mit ihr Temperaturen von teilweise mehr als 36 Grad und eine Luftfeuchtigkeit, die die kleine Küche in meiner kleinen Wohnung in eine Mischung aus Backofen und Dampfsauna verwandelte. „Im vorgeheizten Backofen bei 220 °C für 30 Minuten backen. Die Ofentüre mit einem Holzlöffel dabei einen Spalt offenhalten.“ Letztendlich gab es dann kaum Zeit für Entdeckungstouren durch die eigene Stadt, allenfalls mal im unauffälligen Stechschritt zum Blumenladen und auf dem Rückweg sicherheitshalber noch schnell ein Kilo Zucker, zwei Päckchen Butter und eine Packung Eier einkaufen.

Aber ich will nicht jammern, ich habe viel gelernt, nicht nur über das Backen, sondern auch beim Backen. Präzision beispielsweise, Geduld und Disziplin. Wenn das Experiment nix geworden ist, fängt man einfach wieder von vorne an. Wer wie ich gerne kocht, hält gerne einen gewissen Abstand zum Backen. Weil man da nicht so spontan sein kann, weil man weniger Raum für Experimente hat und weil man hinterher nicht mehr korrigieren kann. Das, so habe ich gelernt, stimmt nur bedingt. Wenn man als Laie jeden Tag bis 18 Uhr etwas zu Fotografieren haben muss, dann ist einiges an Spontanität, Experiment und abschließender Korrektur notwendig. Wer hätte gedacht, dass man einen unregelmäßig getrockneten Meringue-Überzug mit einer einfachen (unbenutzten!) Nagelfeile wunderbar glatt bekommt? „Es kommt weniger auf die Präzision an“, sagt mein Konditorfreund Matthias, „sondern darauf, dass die Verhältnisse stimmen.“ Er selbst hat eine einfache Regel, mehr als ein Prozent darf man nicht von den Vorgaben abweichen. Dabei handelt es sich um eine Größenordnung, die bisher in meinem handwerklichen Universum nicht vorkam. Umso erstaunter war ich, dass die Dinge funktionierten, wenn man sich an die Angaben hält.

„Bist du wieder zurück?“ werde ich seitdem immer wieder gefragt, „wie war es denn in Frankreich?“ „Die 14 Tage waren eine wundersame Reise“, sage ich dann, „durch ein Land, dem ich mich seit Kindertagen sehr verbunden fühle.“ Die Reiseroute zwischen, sagen wir Tarte Tatin und Rousquilles, hat dabei einmal mehr verdeutlicht, wie vielfältig die kulturellen Muster zwischen Ärmelkanal und Mittelmeer sind.
Apropos Méditerranée – wie im Prolog zu dieser Serie beschrieben, hätten wir in diesem Jahr das letzte Stückchen der Grande Nation erkundet, just zu der Zeit, in der Teile der Provence und der Côte d’Azur zum Risikogebiet erklärt wurden. Einerseits bin ich froh, mit der Absage der Reise schon im Mai die richtige Entscheidung getroffen zu haben, andererseits wird mir das jährlich Abenteuer fehlen, dass am 7. September hätte starten sollen.

Insofern war La France en Pâtisserie eine schöne Ablenkung, für die ich mich bei allen Kooperationspartnerinnen bedanken möchte. Bei meiner Schwester, der Wissenshistorikerin Esther H. Arens für die kontextuelle Einordnung, bei Monika Fritsch vom Tourismusverband Atout France für die engagierte Hilfe bei der Suche nach regionalen Spezialitäten und Rezeptgeber*innen in Frankreich und bei den Profis und Amateuren vor Ort, aber vor allem bei der wunderbaren Fotografin und Freundin Jennifer Braun, die jeden Abend trotz eigener strammen Arbeitstage noch die Zeit und Muße fand, meine Tagesproduktion in Szene zu setzen.

Die Serie ist damit abgeschlossen, aber nicht vorbei! Derzeit feilen wir nicht mehr am Gebäck, sondern an einem Konzept für ein Buch, dass wir per Crowdfunding realisieren werden. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Bis dahin merci et à bientôt!