#isswas 004 – schulkochbuch

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

Jeden Tag stellen wir auf Facebook & Twitter eine andere Frage – heute:

Habt Ihr deutsches Essen mal als „fremdes Essen“ erlebt?

Pancake-Fundraising, Las Vegas 1993

Als Austauschschüler beim Pancake-Fundraising, Las Vegas 1993 (hinten links)

Als ich 1992 als 17-jähriger Austauschschüler in den USA landete, hatte ich eines der deutschesten Bücher im Gepäck, das man hierzulande legal erwerben kann. Das Dr. Oetker Schulkochbuch in der englischsprachigen Ausgabe, so hatten wir vorher in den Aufklärungsschreiben der Austauschorganisation gelesen, käme bei den Gasteltern im Normalfall ziemlich gut an. Das hatte ich mir vor der Ankunft zwar nur schwer vorstellen können, nach dem ersten Besuch in einem „German Restaurant“ vor Ort komplett mit Kellnerinnen in Dirndln und in Lüfteltechnik an die Wände gepinselten Trinksprüchen verstand ich ansatzweise, worum es ging – um Dirndl, Knödel und Bier. Und auch meine Gasteltern, die mütterlicherseits ein paar deutsche Vorfahren aufzuweisen hatten, bedankten sich begeistert für das Mitbringsel. Zum Einsatz kam das Buch aber erst einmal nicht, auch wenn ich mir das an dem Tag, als die gut 90-jährige Gast-Urgroßmutter mir zu Ehre ihre berühmten German dumplings fertigte, heimlich gewünscht hätte. Die waren nämlich eher grau und so fest, dass die NASA sie vermutlich für die Außenhaut von Raketen hätte verwenden können. Und auch die US-amerikanische Esskultur war ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Mehr Mexiko als Burger und innerhalb der Familie gar nicht mal so anders als zuhause. Das gemeinsame Abendessen am Küchentisch zu verpassen, erforderte auch hier eine triftige Begründung. Darüber hinaus wurde, mit Ausnahme des Sonntagabends an dem Pizza bestellt wurde, immer selbst gekocht. Es dauerte übrigens eine Weile, bis ich mich traute, einmal etwas deutsches zu kochen. Vielleicht waren es aber auch Mom und Dad, die sich nicht trauten, mir die Küche zu überlassen, das kann ich im Nachhinein nicht mehr so genau sagen. Es gab typisch deutsches Cordon Bleu, das Ergebnis war ziemlich passabel, würde ich sagen, und wurde mit ziemlich passabler Begeisterung aufgenommen. Dabei blieb es denn aber auch.

miniportion 144: pancakes

Pancake the French way, La Glacerie 2011

Pancake the French way, La Glacerie 2011

The concept of a German pancake very much depends on which part of the country you are currently visiting. In the Rhineland a “Pfannkuchen” is a rather fluid mix of eggs, flour and milk, rather flat and wide, somewhat like a French crêpe. In Berlin this would be called “Eierpfannkuchen”, while a plain “Pfannkuchen” denominates a deep-fried jelly-filled doughnot (without the hole). Something that would be called a Berliner here in the Rhineland. In the United States “Pfannkuchen” are pancakes and, being part of the cultural heritage on breakfast tables between Florida and Oregon, Arizona and Maine, are pretty much the same all over the country. They are thick, soft and round and saturated with butter, maple syrup and honey.

My friend and teacher J. and I spent a lot of time together, some 20 years ago. He as a highschool-teacher and I his student. Since then we haven’t seen each other. There were some letters in the beginning and recently we became friends on facebook. That’s how it goes, about nine hours by plane apart. Over the years our brains reduces our memories to certain pictures and images. Thinking of J., I think of pancakes and a sunny sundaymorning in a café where we did some fundraising action for the next theatre production. I see a picture of him at the stove, happily baking dozens of pancakes, that we, his students waitered in small stacks to the present guests. An image that couldn’t be more vivid, I can almost smell the maple syrup and still feel the hopefull mood we were in.

In preparation for this text, looking through my albums, I discovered that this foto doesn’t exist at all. Not in collections I found nor anywhere else. No concentrated J. flipping pancakes for hours, no thick batter, no butter and no maple syrup. Only in my head.

miniportion 144: pancakes

Pfannkuchen auf normannische Art, La Glacerie 2011

Pfannkuchen auf normannische Art, La Glacerie 2011

Das Konzept eines deutschen Pfannkuchens ist stark davon abhängig, wo man sich gerade befindet. Im Rheinland zum Beispiel ist ein Pfannkuchen ein flüssiger Teig aus Ei, Mehl und Milch, der in einer Pfanne dünn ausgebacken wird. In Berlin hingegen heißt so etwas Eierpfannkuchen, während der gewöhnliche Pfannkuchen aus mit Gelee befülltem Hefeteig besteht, der in heißem Fett ausgebacken wird – das, was man hier im Rheinland eben Berliner nennt. In den USA heißen Pfannkuchen pancakes und sind als Teil des kulturellen Erbes auf dem Frühstückstisch zwischen Florida und Oregon, Arizona und Maine nur geringen Schwankungen unterworfen. Dick, weich und rund sind sie für gewöhnlich, getränkt mit Butter, Ahornsirup oder Honig.

Mein Freund und Lehrer J. und ich verbrachten vor ziemlich genau 20 Jahren sehr viel Zeit miteinander. Er als Highschool-Lehrer und ich als sein Austausch-Schüler. Seitdem haben wir uns nun nicht mehr gesehen, lediglich ein paar Briefe gab es am Anfang und seit einiger Zeit wieder ein bisschen Kontakt auf Facebook. Wie das eben so geht im Lauf der Jahre. Menschen, die man lange Zeit nicht gesehen hat, reduziert man im Kopf auf bestimmte Situationen und Bilder. Wenn ich an J. denke, denke ich an pancakes und an einen sonnigen Sonntagvormittag in einem Cafe in dem wir eine Fundraising-Aktion für das nächste Theaterprojekt veranstalteten. Dann sehe ich ein Foto vor mir, das ihn am Herd zeigt, Dutzende Pfannkuchen backend, die wir Schüler und Schülerinnen in kleinen Stapeln auf Tellern zu den Gästen bringen. Ein Bild, das lebendiger nicht sein könnte – ich kann den maple syrup quasi riechen. Als ich in Vorbereitung für diesen Text jedoch meine Alben herauskramte, musste ich feststellen, dass dieses Foto gar nicht existiert. Kein konzentrierter J. mit dem Küchenfreund beim Wenden von Pfannkuchen, keine durchtränkten pancakes am Sonntagmorgen. Alles nur in meinem Kopf.