Tag Archives: österreich

ethnografische notizen 240: wien 4/5

2 Jan

Wien zeichnet sich durch ein beharrliches Festhalten an Traditionen aus, durch eine Lust an komplizierten Ritualen und eine gewisse Skepsis gegenüber kulinarischer Innovation. Kurz: Eine ganze Stadt tut so, als wären die letzten 100 Jahre nicht passiert. Das zeigt sich ganz besonders in den kulinarischen Konventionen und Gepflogenheiten …

Punschkrapfen im Cafe Prousek/Aida, Wien – 12/2017

Punschkrapfen im Cafe Prousek/Aida, Wien – 12/2017

Punschkrapfen stehen auf dem digitalen Zettel, auf dem ich im Smartphone vor der Reise Empfehlungen aus allen Richtungen gesammelt habe. Aber auch die Tische in den Kaffeehäusern sind nicht wesentlich einfacher zu ergattern als die für das Abendessen. Im Prückel ist alles voll. Im Prousek, einem kleinen zweckmäßigen Café – augenscheinlich aus den späten 1950er Jahren und ohne jegliche Grandezza – finden sich zwei kleine Tische, die wir zusammenschieben nachdem die dort pausierende Schulklasse sich mit entsprechendem Getöse verabschiedet hat. Weiterlesen

ethnografische notizen 240: wien 3/5

29 Dez

Wien zeichnet sich durch ein beharrliches Festhalten an Traditionen aus, durch eine Lust an komplizierten Ritualen und eine gewisse Skepsis gegenüber kulinarischer Innovation. Kurz: Eine ganze Stadt tut so, als wären die letzten 100 Jahre nicht passiert. Das zeigt sich ganz besonders in den kulinarischen Konventionen und Gepflogenheiten …

Kalbsbeuscherl mit Serviettenknödel, Gasthaus Wild - 12/2017

Kalbsbeuscherl mit Serviettenknödel, Gasthaus Wild – 12/2017

Nach diversen erfolglosen Telefonaten bekommen wir einen Tisch in einem Gasthaus am Radetzkyplatz, unweit unserer Wohnung. Eine Empfehlung unseres Vermieters. Weiterlesen

ethnografische notizen 240: wien 1/5

27 Dez

Es ist überall voll. Das Café Prückel betreten wir von der falschen Seite und stellen – bereits halbwegs in der Mitte des riesigen Etablissements befindlich – fest, dass sich auf der anderen Seite schon diverse Herrschaften in dicken Wintermänteln aufgereiht haben, um platziert zu werden. Zurück auf der Straße schlage ich den Mitreisenden vor, schnell schon einen Tisch für das Abendessen im gegenüberliegenden Traditionsrestaurant Plachutta zu reservieren. Während die anderen draußen warten, betrete ich das Lokal. Ein vorbeieilender Kellner hält freundlicherweise kurz inne und geht mit mir mögliche Zeitfenster durch. Heute und morgen erst nach 21.30 Uhr, Dienstagabend ginge auch etwas früher. Unter der Woche könnte es mittags auch mal ohne Reservierung klappen, sagt er. „Dann versuchen wir das doch mal“, sage ich unbestimmt. „Das würde uns sehr freuen“, sagt der Mann und fügt nochmals entschuldigend hinzu: „Es ist halt Weihnachtszeit!“ Weiterlesen