miniportion 113: mayonnaise

Frietsaus in Eupen, Belgien 2005

Frietsaus in Eupen, Belgien 2005

Unsere niederländischen Nachbarn sagen mitunter, etwas sei so steif „dat je de lepel rechtop in kunt zetten.“ Ein Ausdruck der mitunter auch im Zusammenhang mit der mehr oder weniger liebevollen Beschreibung von deutschen Verhältnissen gebraucht wird und der im wörtlichen Sinne bedeutet, dass eine Speise so dick geraten ist, dass besagter Löffel steckenbleibt.

Meine Großtante K. die nach dem Krieg hinüber nach Belgien heiratete, sprach im Alltag zwar auch fortan kein Niederländisch sondern Französisch, produzierte aber bis ins hohe Alter eine Mayonnaise, die der oben genannten Redensart alle Ehre gemacht hätte. Ganz ohne Strom, mittels eines Plastikbehälters mit weinroter Kurbel stellte sie aus Eiern, Senf und Speiseöl ein fahlgelbes Kondiment her, das vor allem auf ihren selbstgemachten Fritten Verwendung fand. Tante K. war eine große, schlanke Frau, die nie auf die Idee gekommen wäre, Joghurt in ihrer Mayonnaise zu verwenden, geschweige denn ein Produkt mit dem Zusatz „light“ oder „légère“ zu kaufen. Die richtigen Zutaten zur richtigen Zeit und vor allem in der richtigen Portionierung.

In älteren Kochbüchern finden sich gelegentlich noch Rezepte für Speisen, deren Zusammensetzung von einem unbekümmerten Umgang mit Mayonnaise zeugt. Mayonnaisentorte mit Anchovisverzierung zum Beispiel. Im dänischen Odense kaufte ich einst antiquarisch eine Rezeptesammlung mit dem Titel „Vi laver mad“, was wörtlich übersetzt „Wir machen Essen“ bedeutet. Der eher unfreundliche Buchhändler machte zunächst kaum verkaufsfördernde Anstalten – auf meiner Seite hingegen war der Erwerb eine beschlossene Sache, hatte ich doch beim ersten Aufschlagen bereits die faszinierende Anleitung zur Herstellung eines der Länge nach geteilten und mit Mayonnaise und kleineren Mengen anderer Zutaten gefüllten Kastenbrotes entdeckt. Das Buch steht seither im Regal, das Rezept habe ich nie ausprobiert. Aber es kann nie schaden, eine Drohung parat zu haben.