Tag Archives: netto

Kas|sen|zet|tel 020

7 Apr

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Netto im Westend, Berlin 2016

Netto im Westend, Berlin 2016

Netto war früher Plus. Wir erinnern uns – der mit den lustigen kleinen Preisen. Der Nachfolger hier im Westen verzichtete ja leider auf die Maskottchen. Im Nordosten der Republik hingegen gibt es noch einen anderen Netto: die Discounter-Linie einer dänischen Handelskette. Weiterlesen

Kas|sen|zet|tel 015

2 Mrz

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Netto Bilderstöckchen, Köln 2016

Netto Bilderstöckchen, Köln 2016

Ich verlasse die A57 an der Ausfahrt Köln-Bilderstöckchen und biege rechts in die Escher Straße. Am ersten Kreisverkehr geht es nach links zum Penny, am zweiten zum Netto. Hier hört die Stadt auf. Links und rechts der Straße eher unattraktiver sozialer Wohnungsbau, eine Vielzahl von Müllcontainern vor den Häusern und noch mehr Müllansammlung vor den Containern. Weiterlesen

Kas|sen|zet|tel 001

15 Dez

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Kassenzettel 001, Düren 2015

Kassenzettel 001, Düren 2015

Der Discounter unweit des Dürener Bahnhofs ist um diese Tageszeit kaum besucht. Lediglich ein, zwei Personen laufen mit Einkäufen für die Mittagspause über den Parkplatz. Eine Netto- und eine Aldi-Süd-Filiale in unmittelbarer Nachbarschaft. Weiterlesen

ethnografische notizen 092: ein netz orangen

13 Feb
Blutorangen – zum Verzehr geeignet, Aachen 2013

Blutorangen – zum Verzehr geeignet, Aachen 2013

An der Bushaltestelle, vor dem Ladenlokal das seit der Schlecker-Pleite vor sich hin gammelt, steht ein Obdachloser. Langer Bart, Sommersprossen, Parka, verfilzte Wollmütze. Alter schwer zu schätzen, wie das bei Menschen mit prekärem Leben oft der Fall ist. Mitte 20, würde ich sagen. Ob ich ein bisschen Kleingeld für ihn hätte, will er wissen. Fast schüchtern. Um etwas zu essen zu kaufen. „Nein“, sage ich und gehe weiter. „Obwohl“, denke ich und drehe mich wieder um. „Ich bin auf dem Weg in den Supermarkt“, sage ich, „was willst Du haben?“. Er schaut mich entgeistert an und überlegt. Ich warte. „Da bin ich jetzt nicht drauf vorbereitet“, sagt er und ich überlege mir, wie ich die Bierbestellung abwehren kann. „Wenn es vielleicht ein bisschen mehr sein darf“, fragt er zögerlich. Ich überlege, ob ich einfach weitergehen soll. „So ein Netz Orangen wäre toll. Aber nur, wenn das nicht zu teuer ist.“ Darauf war ich nicht vorbereitet.

miniportion 325: maultaschen

21 Dez
Maultaschen chinesische Art, Vaals 2013

Maultaschen chinesische Art, Vaals 2013

Schwäbische Küche gab’s zuhause nur gelegentlich, weil, bis auf eine freundliche, aus Stuttgart stammende Nachbarin ein paar Häuser die Straße hinunter, keine Verbindungen ins Ländle bestanden. Manchmal aber gab es Spätzle (zumeist fertig gekauft, seltener aus der Spätzlepresse) und manchmal auch Maultaschen (immer fertig gekauft). Wenn letztere auf den Tisch kamen (was meistens abends der Fall war, wenn keiner mehr Lust hatte, etwas richtiges zu kochen) und wir Kinder uns über den lustigen Namen amüsierten, verwies meine Mutter immer auf eine sogenannte Margarethe Maultasch, nach der die mit Brät und/oder Spinat gefüllten und gekochten Teigtaschen benannt seien.

Gut 30 Jahre später weiß ich nun, dass es sich dabei um eine adelige Dame handelt, mit bürgerlichem Namen Margarethe von Tirol, die im 14. Jahrhundert lebte und im Alter von 12 Jahren mit Johann Heinrich von Luxemburg vermählt wurde. Die Verbindung war jedoch nicht von Dauer und nachdem Margarethe die Ehe für nicht vollzogen erklärte, heiratete sie ein zweites Mal. Ein Umstand, der bei der böhmischen Verwandtschaft ihres ersten Gemahls nicht besonders gut ankam und der ihr den Beinamen Maultasch einbrachte. Nicht etwa weil sie, wie meine Mutter vermutete, mit einer Gesichtsdeformation geschlagen gewesen wäre, sondern als deftiges Synonym für liederliche Frau oder Hure. Ein Umstand, der meiner guten Mama sicherlich nicht bekannt war, ansonsten hätte sie sicherlich auf die Nennung der historischen Figur beim Abendbrot, unter Umständen sogar auf die Maultaschen im Ganzen, verzichtet.

Heutzutage greife ich bekannterweise höchst selten auf fertig gekauftes Essen zurück. Lediglich bei den BioBio-Maultaschen im Netto mache ich manchmal eine Ausnahme. Abends, wenn ich mal keine Lust zum Kochen habe. Die Geschichte von Margarethe Maultasch, dem liederlichen Frauenzimmer, muss ich mir dann allerdings immer selber erzählen.