miniportion 017: pizza margherita

Straßenverzehr in Ehrenfeld, Köln 2010

Straßenverzehr in Ehrenfeld, Köln 2010

Margarethe Theresa Johanna, Königin von Italien, war Namensgeberin für eine Schutzhütte auf einem der Gipfel der Mont Blanc-Gruppe. Außerdem wurde der höchste Gipfel des Ruwenzori-Gebirges nach ihr benannt, der sowohl als höchster Berg von Uganda als auch des Kongo gilt. Das dürfte aber kaum jemanden interessieren. Internationale Bekanntheit erlangte die Dame aber durch die Patenschaft für eine neapolitanische Pizza, die der Legende nach ein Gastronom namens Raffaele Esposito im Jahr 1889 der Königin und ihrem Gatten Umberto I. serviert haben soll. Eine Anekdote, die mittlerweile gründlich wiederlegt ist, auch wenn die Potentatin tatsächlich Pizza auf ihr Zimmer bestellt haben soll. Der von wem auch immer gelieferte Prototyp der Margherita entsprach aber in jedem Fall in seiner pompösen symbolischen Aufladung – der Belag aus grünem Basilikum, weißem Mozzarella und roten Tomaten repräsentiert die Nationalfarben – dem nationalistischen Zeitgeist.

Die Dänen, die in den Dingen des Alltags weniger pathetisch gegenüber stehen und mitunter sehr praktisch denken, ehrten 1950 ihre gleichnamige Königin mit einem hübschen bunten Rührschüsselset, das seither in keinem staatstreuen Haushalt fehlen darf. Andere Länder, andere Sitten. Aus Österreich hingegen stammen die Sisi-Busserl. Winzige mit Marillenmarmelade gefüllte und mit Schokoladenspritzern verzierte Haselnussplätzchen aus der Hofbäckerei Edegger-Tax in Graz. Bei Wikipedia finde ich übrigens keinen entsprechenden Eintrag, stattdessen wird mir die Suche nach „Minibusse“ vorgeschlagen. Aber ich schweife ab …

Margarethe von Italien geriet nach ihrem Tod 1926 etwas in Vergessenheit, was nicht weiter schlimm ist, denn mit ihrer frühen Unterstützung Mussolinis bewies sie einen eher zweifelhaften Geschmack. Die nach ihr benannte Pizza hingegen entwickelte sich zu einem globalen, gastronomischen Verkaufsschlager. Als kulinarische Reduktion auf das wesentliche für die einen, als kostengünstigste Alternative auf der Speisekarte für die anderen.