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miniportion 363: nahrungsergänzungsmittel

5 Mrz
Nahrungsergänzungsmittel bei aufziehender Bronchitis, Köln 2014

Nahrungsergänzungsmittel bei aufziehender Bronchitis, Köln 2014

Vor mindestens 20 Jahren saß ich einmal nach dem Haarschnitt mit meiner damaligen Friseurin C. an der Theke ihres Salons und unterhielt mich mit ihr über Vitamine. C. kannte ich bereits aus (ihren) Jugendtagen, in denen sie nämlich bei uns im Dorf gemeinsam mit ihrer Mutter die Kirchenzeitung ausgetragen hatte. Und deshalb hielt ich ihr, auch nachdem sie das „Haarstübchen“ im Nachbarort verlassen und sich selbstständig gemacht hatte, die Treue. Selbige mag auch ein wenig durch die ausliegenden Illustrierten des Lesezirkels bedingt gewesen sein, aber das möchte ich hier lieber nicht vertiefen.

Wir saßen also an der Theke, die vermutlich irgendwie in schwarz-weiß, vielleicht mit ein bisschen Mint oder Flamingopink gestaltet gewesen sein wird. „Vitamine sind sehr wichtig“, sagte C. in einem eher mütterlichen Ton. Eine Aussage, die ich ihr umgehend bestätigte und darauf hinwies, dass auch ich mindestens einmal am Tag eine Multivitamin-Brausetablette zu mir nehmen würde. Das sei aber nicht dasselbe, wurde ich belehrt, worauf ich nicht rechtes zu entgegnen wusste. Denn Brausetabletten waren damals ja eine sehr modische Sache. Nach anfänglicher Monokultur in Zitrone oder Multivitamin, wuchsen sie plötzlich auch in Mango, Pfirsich-Maracuja oder Blutorange. Für uns junge Menschen war der Vitamingehalt oder gar der tatsächliche Nutzen dieser Produkte eher nebensächlich. Das Geschmackserlebnis stand im Vordergrund, wobei ich mich nie so wirklich für die Kulturtechnik meiner Mitschüler erwärmen konnte, Brausetabletten einfach vollständig in den Mund zu stecken und zu lutschen.

Den täglichen Konsum von derartigen Nahrungsergänzungsmitteln hielt ich bis weit in mein Studium hinein konstant. Irgendwie, so dachte ich, muss man ja auch an seine Gesundheit denken. Wie ich es schaffte, davon wegzukommen, kann ich nicht mehr so genau sagen. Vermutlich war es die Erkenntnis, das es einfach keinen Unterscheid macht.

miniportion 283: multivitamin

4 Nov
Apfel-Apfelsine-Möhre-Zitrone-Ingwer, Aachen 2013

Apfel-Apfelsine-Möhre-Zitrone-Ingwer, Aachen 2013

Zum Geschmack von Möhren habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Roh als Salat finde ich sie toll, ebenso im Eintopf und nach der Zubereitung einer Hühner- oder Rinderkraftbrühe freue ich mich darauf, das noch heiße, weich gekochte Gemüse im Stehen aus dem Topf zu essen. Möhrensaft hingegen finde ich untrinkbar. Und damit meine ich nicht nur „nicht lecker“, sondern nur mit größtem Widerwillen zu schlucken. Lediglich in frisch gepressten Säften kann ich den Geschmack ertragen und auch dann nur, wenn genügend andere Früchte – Apfelsinen, Äpfel und Zitronen – sich Mühe geben, den Eigengeschmack der gewöhnlichen Gartenmöhre zu unterdrücken.

In der Wohnung unter unserer WG wohnten während meines Studiums diverse Konstellationen von Menschen, die es trotz des dazugehörigen kleinen Hinterhofs im Parterre meist nicht allzu lange aushielten, was vermutlich am permanenten Tageslichtmangel gelegen haben wird. Einmal zog dort für eine Weile ein Punkpärchen ein. Morgens wurden wir fortan pünktlich gegen sieben Uhr von einem höllischen Lärm geweckt, denn wir wochenlang nicht zuordnen konnten, da die naheliegendste Assoziation – ein Presslufthammer – ausgeschlossen werden musste. Im Laufe der Zeit kam ich jedoch dahinter, dass es sich um eine Saftzentrifuge handeln musste, mit der der alternative Morgen begrüßt wurde.

Als mich, Jahre später, im Berliner Winter, auch einmal permanenter Tageslichtmangel bedrohte, beschloss ich, mir ein ebensolches Gerät zuzulegen. Eine technische Generation weiter macht es nicht mehr ganz so viel Lärm – in etwa noch so viel wie ein Schlagbohrer. Jetzt im Winter kommt es morgens wieder zum Einsatz um meine Abwehr gegen die diversen Bakterien- und Bazillenstämme im Büro zu stärken. Und weil ich ein Mensch bin, der an Traditionen, den eigenen und auch den der anderen hängt,  warte immer höflich bis um punkt sieben, um die Höllenmaschine in Gang zu setzen.