Tag Archives: mettbrötchen

miniportion 371: rosado

11 Apr
Französisch, deutsch oder spanisch?, Köln 2014

Französisch, deutsch oder spanisch?, Köln 2014

Auf meinem Weg nach Dänemark steigen in Dortmund zwei ältere Herren in den Zug und finden nach einigem Hin und Her ihre reservierten Plätze bei mir am Tisch. Beide tragen bunt gestreifte Hemden, einen elegant um den Hals geschlungenen Schal, eine Steppweste in einer bunten Farbe und eine Daunenjacke in einer anderen bunten Farbe. Dazu ebenso bunte Hosen. Alles in allem changiert das Ensemble zwischen stahlblau über ein sattes gelb und orange bis hinzu einem leuchtenden Rot. Nachdem das Gepäck und die Jacken sicher verstaut sind, wird aus einem eher unscheinbaren Stoffbeutel der Proviant für die Fahrt bis Hamburg – so verrät es die elektronische Reservierung über den Sitzen – auf dem Tisch ausgebreitet. Papiertüten einer Bäckereikette mit Brötchen mit Fleischwurstbelag und solchen mit Mett und Zwiebeln. Außerdem der „Generalanzeiger – Zeitung für Dortmund“ und die aktuelle Ausgabe der „Bild“, unter anderem mit der Schlagzeile: „Macht die Mikrowelle unsere Vitaminen kaputt?“. Etwas umständlich hantiert der Herr neben mir in der Ritze zwischen Sitz und Fenster, während sein Gegenüber mit einer Bekannten telefoniert und ihr mitteilt, dass mit der Hüfte nun doch alles in Ordnung sei. Aus dem Augenwinkel erkenne ich, dass neben mir gerade heimlich eine Flasche Freixenet Rosado geöffnet wird. Aus dem Beutel werden zwei Sektflöten und ein Sektflaschenverschluss aus rotem Plastik hervorgeholt. Wiederum aus den Augenwinkeln erkenne ich, dass die beiden eigentlich nur an der Farbe ihrer Augenbrauen zu unterscheiden sind. Es sei denn, man würde versuchen, sich das komplizierte Farbschema zu merken. Kurz hinter Osnabrück ist die Flasche schon so gut wie leer und die Finger ordentlich mit einem Erfrischungstuch von den Metteresten gereinigt. Bei der Fahrkartenkontrolle sagt der Schaffner: „Das sieht ja schon mal gut!“ und ich bin mir nicht sicher, ob er nun die farbliche Vielfalt, das Sektfrühstück oder doch bloß die Fahrkarte meint.

miniportion 365: mettbrötchen

21 Mrz
Zwiebel auf Mett, auf Brötchen auf Serviette, Köln 2014

Zwiebel auf Mett, auf Brötchen auf Serviette, Köln 2014

Neulich, so erzählt mein Mann mir, habe man in der Firma ein gemeinsames Frühstück anberaumt. Zur Vorbereitung hätten er und seine Kollegen überlegt – nachdem man sich mehrheitlich für die Anschaffung von Mettbrötchen entschieden habe – wie viel man denn so pro Person berechnen müsse. Letztendlich entschied man sich für beeindruckende 200 Gramm, deren Gesamtmenge vom Metzger als hübscher Marienkäfer mit Punkten aus Zwiebelringen in Form gebracht wurde. Nach wie vor kann ich mich nicht entscheiden, was ich bemerkenswerter finde – die 1,2 Kilogramm für die insgesamt sechs Mitarbeiter oder die Tatsache, dass man so mir nichts dir nichts zum Mettkonsum umschwenken kann. Die Portionsgröße wurde übrigens noch im Laufe des Vormittags mit Hilfe einer Briefwaage nach unten korrigiert. Mettbrötchen sind, so höre ich, zu einem festen Bestandteil der Firmenkultur geworden.

Meine frühesten eigenen Erinnerungen an Mettbrötchen sind mit der Filiale einer Aachener Bäckerei verbunden, in der sich meine Mutter unweit des Doms einmal ein ebensolches auf die Hand kaufte. Vielleicht irre ich mich da aber auch, weil meine Mutter eigentlich nur sehr selten, sehr ungern etwas aus der Hand isst. Dafür würde allerdings sprechen, dass sie lange Zeit das einzige Mitglied der Familie war, für das ein Mettbrötchen überhaupt in Frage gekommen wäre. Aber manche Dinge bleiben wie sie sind und manche ändern sich. Während meine Mutter vermutlich auch wie vor gelegentlich ein heimliches Mettbrötchen zu sich nimmt, ist mein Mann, denn ich in früheren Zeiten mit rohem Hack und Zwiebeln auf einem Weißbrötchen sehr einfach in die Flucht hätte schlagen können, ein erklärter Fan von Mett-Witzen in den sozialen Medien geworden ist. Letztens bekam ich die Fotografie einer aus Hackfleisch geformten Muppet-Figur auf mein Handy geschickt – ein Kermett gewissermaßen. So ist das in deutschen Büros.