Tag Archives: mcdonald’s

soulfood düren – #001

8 Jun

Düren. Bis zum Herbst mache ich mich auf die Suche nach den kulinarischen Vorlieben, Erinnerungen und Gewohnheiten dieser Stadt mit deutschem Durchschnitt. Zwischen Köln und Aachen, zwischen hier und da. Ungeliebte Stadt, weggebombt und Annakirmes, Underdog, Papier. Reden wir drüber, denn sprechen über Essen und Trinken heißt sprechen über das Leben, die Liebe und die Stadt …

Soulfood Düren

Düren, Juni 2016

 

Filiale Bäckerei Moss

In der Filiale einer Aachener Bäckerei-Kette erklärt eine junge Verkäuferin einer offensichtlich neuen Kollegin, wie bestimmte Gebäcksorten in der Theke abzulegen sind. Lang – kurz – lang – kurz. Die dritte Servicekraft platziert meine Mohntatze mit einer Zange auf einen Teller und bittet mich zur Kasse. Weiterlesen

ethnografische notizen 68: römisch-germanisch

1 Jun
Sog. Trierer Spruchbecher mit der Aufschrift „VITVLA MEA“ (mein Kälbchen), Köln 2014

Sog. Trierer Spruchbecher mit der Aufschrift „VITVLA MEA“ (mein Kälbchen), Köln 2014

Auf der Domplatte isst eine Familie ihre Butterbrote auf einem Mäuerchen vor einem Beet mit verschiedenfarbigen Stiefmütterchen. Ein asiatisches Pärchen knabbert derweil an den Domkeksen, die es um die Ecke zu kaufen gibt und behält ein wenig ängstlich den Obdachlosen im Auge, der mit einer Taschenlampe gründlich die Mülleimer nach Pfandflaschen absucht. Der Mann bittet um ein Foto mit dem Dom und ein weiteres mit dem Römisch-Germanischen Museum im Hintergrund.

Ein Teil des Untergeschosses, im Halbdunkel hinter dem berühmten Dionysosmosaik, auf dem 1999 das spektakuläre G8-Dinner stattfand, ist dem römischen Alltag gewidmet. Eher gelangweilt ausschauende Schülergrüppchen trotten träge hinter ihrem Lehrkörper durch niedrige Räume mit terrakottafarbenem Anstrich. Die in hell beleuchteten zweigeschossigen Glasvitrinen untergebrachten Objekte sollen ihnen das Leben in der Antike näherbringen. Ein amerikanischer Tourist liest seiner Frau die an den Vitrinen angebrachten Kurztexte in englischer Sprache vor.

Drei Einzelvitrinen mit den Titeln „Kostbares Tafelgeschirr“, „Feines Geschirr“ und „Glas- und Tongeschirr“ widmen sich im weitesten Sinne der Esskultur. Beispielsweise in Form eines großen Bronzeeimers mit der Inventarnummer 8956, eine schwarz gefirnisste Dellenschale, Inventarnummer 27, 102, N8055 und ein ovales Glastablett mit der Nummer Glas 869. „Zur Veranschaulichung römischer Speise- und Trinksitten dienen die aufgestellten Tische“, heißt es in einem an einer Glasscheibe befestigten Text, hinter der sich schwarze und rote Keramik, Glasgefäße und zwei aus Stein gehauenene Korbsessel befinden, „nach römischem Brauch lagen in den gallischen und germanischen Provinzen die Männer auf Speisesofas, während die Frauen auf Korbsesseln saßen.“

„Krass“, sagt eine der Schülerinnen zu ihrer Freundin, „gleich gehen wir aber zu Mäckes!“

 

miniportion 076: cheeseburger

7 Apr
Schnell mal sparen, Köln 2011

Schnell mal sparen, Köln 2011

Als Kind konsumkritischer Eltern kam für mich ein Besuch eines Schnellrestaurants, wie man McDonalds damals in kulturbürgerlichen Kreisen noch nannte, nicht in Frage. Interessant war Fastfood natürlich schon und manchmal eröffneten sich auch mir Möglichkeiten, meine Neugierde zu befriedigen. Zum Beispiel 1985, als Schulfreund T. anlässlich seines Geburtstags eine Auswahl von Mitschülern und -schülerinnen zum gemeinsamen Kinobesuch („Otto – Der Film“) und zur anschließenden Geburtstagsfeier in die benachbarte McDonalds-Filiale einlud. Das fand ich beides sehr aufregend. Der Film führte dazu, dass ich mehrere Wochen Otto Waalkes imitierte, der Besuch bei McDonalds hingegen die exotische Bekanntschaft mit Cheeseburger, Chicken McNuggets und süßsauerer Soße. Erstere blieb mir jedoch weiterhin fremd. Vor allem wohl, weil ich schon früh fürchtete, davon nicht satt zu werden. Das änderte sich erst, als ich in die USA ging. Vorher las ich noch einen Bericht im Magazin der FAZ über den korrekten Verzehr eines Hamburgers, bei dem beschrieben wurde, wie dem Journalisten Fleischsaft und Ketchup den Arm herunterlief. Das konnte ich mir kaum vorstellen, waren die mir bekannten Standardprodukte doch eher eine trockene Angelegenheit. Einmal im Wilden Westen angekommen wurde ich schnell eines besseren belehrt – von meinem Gastvater am Grill auf der Terrasse oder bei In-NOut Burger auf Wochenendtrips Richtung Kalifornien. Das war nicht nur in der Qualität ein ganz anderes Kaliber und meine Befürchtungen, nicht satt zu werden, verflüchtigten sich unverzüglich.

Knapp 30 Jahre nach Otto und den Chicken McNuggets hat mit den Burgerbuden ein Stück amerikanisches Küchenhandwerk Einzug in deutsche Großstädte gehalten. Ein Cheeseburger ist aber nach wie vor etwas Besonderes für mich, das besonderen Momenten vorbehalten ist. Beispielsweise auf dem Weg nach Hause am Ende langer Nächte. Dann freue ich mich wie damals, allerdings ohne ostfriesischen Akzent.

miniportion 063: frühstücksei

25 Mrz
Werbung für McDonald’s, Köln 2013

Werbung für McDonald’s, Köln 2013

Ich bin ein Brötchenmörder! Beim Frühstück schneide ich – ganz unbewusst – mein Brötchen nicht vorsichtig von einer der schmaleren Seite auf, sondern steche das Messer mit Lust einmal mittig in die Längsseite und säge mich dann nach außen vor. Und das obwohl ich, so erzählt mein Vater, als Kind immer mit aller Vehemenz gegen seine rituelle Köpfung des Frühstückseis protestiert haben soll.

Frühstückseier gab es sonntags. Wenn wir Kinder dann an den Tisch kamen, saßen meine frühaufstehenden Eltern schon auf ihren Plätzen und die Frühstückseier auf hellgelben Eierbechern in Form von Hühnern mit dunkelgrünen Eierwärmern auf dem Kopf. Gekocht wurden die Eier in einem hohen Alubehälter mit Deckel in der Spüle und zwar mittels eines Tauchsieders, der ansonsten an einem Fleischerhaken im Vorratsspind hing und nach längerem Gebrauch kalkig-braune Ablagerung anlegte. Noch so ein verlorengegangenes Gerät, das zumindest bei uns nur diesem einen Zweck diente. Es existierte aber darüber hinaus eine kleinere Version in einem Plastiketui, die für die Teezubereitung auf Reisen – beispielsweise beim Camping – gedacht war, an deren Nutzung ich mich aber nicht erinnern kann. Überhaupt die Gerätschaften rund um das Kochen eines Frühstückseis. Einen Eierpick brauchte man und eine Eieruhr. Einen Esslöffel zum Abschrecken und später dann einen Salzstreuer und orangefarbene Eierlöffel aus rundlichem Plastik.

Als ich meinen Mann kennenlernte, begegnete ich erstmals einem Eierkocher. Ein Gerät, dass auf wundersame Weise nahezu alle oben genannten Einzelelemente vereint, mit dem sich über die zugegebene Wassermenge drei Härtegrade von bis zu drei Eiern anwählen lassen und das bei Fertigstellen ziemlich ohrenbetäubenden Lärm macht.

Ich esse mein Ei übrigens aber am liebsten im Glas, mit Pfeffer und Salz und – wenn vorhanden – etwas Schnittlauch. Das hatte so etwas vornehmes, ein bisschen wie in einem Hotel. Und vor allem ist es dann schon geköpft.