Tag Archives: koch

ethnografische notizen 239: france 2017/12

23 Jun

Das Palais Beaux-Arts in Lille während derTeilsanierung dem Koch Alain Passard zu überlassen zeugt zum einen von Mut, zum anderen von der Tatsache, dass hier in Frankreich Kochen nicht irgendeine Dienstleistung ist, sondern als Teil der kulturellen Identität verstanden wird.

„The Michelin-starred chef invites us into his universe“, wie es im Begleitttext zur Ausstellung heißt, „interacting with the museum’s artwork, you will find on your journey, paintings, videos and installations from modern and contemporary artists, but also creations from the chef himself.“

Alain Passard – A Chef stirs the Palais | bis zum 16. Juli 2017 | PALAIS BEAUX-ARTS, Lille

Soif 1916, Jean-Bernard Métais 2017

Soif 1916, Jean-Bernard Métais 2017

Bretonne et crustacés, Bernard Buffet 1994

Bretonne et crustacés, Bernard Buffet 1994

La Pêche miraculeuse, Gaspard de Crayer um 1630

La Pêche miraculeuse, Gaspard de Crayer um 1630

Combat de dormeurs, Alain Passard 2016

Combat de dormeurs, Alain Passard 2016

#isswas 002 – köchin

16 Jun

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

Jeden Tag stellen wir auf Facebook & Twitter eine andere Frage – heute:

Wer kocht bei Euch zu Hause?

Besondere und Alltagsaufgaben, Mützenich 2014

Besondere und Alltagsaufgaben, Mützenich 2014

Neulich kam mein durchaus küchenfähiger Kollege S. an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit dem gleichen aufgewärmten Gericht zum gemeinsamen Büro-Mittagessen. Seine Frau habe, so erzählte er, habe Maccharoni mit Salami und Tomatensoße nicht noch einmal essen wollen. Das gebe es an Tagen, an denen seine Frau nicht im Hause sei und sein Sohn würde die Kombination (unter anderem weil ohne Gemüse) so sehr lieben, dass er seine Mutter frage, wann sie denn mal wieder weg sei.

Das erinnerte mich plötzlich sehr an meine eigene Kindheit, in der mein eigener (durchaus küchenfähiger) Vater immer dann den Herd übernahm, wenn meine Mutter unterwegs war. Dann gab es zwar auch Gemüse – in den biologisch-dynamischen und gesundheitlichen Prinzipien unterschieden meine Eltern sich nur marginal – aber eben auch mal für unsere Familie eher untypische Dinge, wie beispielsweise ein Steak. Mein Vater war, abseits solchen Event-Cookings für ganz bestimmte Rezepte und Gerichte zuständig. Stollenkneten gehörte in der Weihnachtszeit zu seinen Aufgaben, weil das meiner Mutter im Laufe der Jahre zu anstrengend wurde. Und im Sommer das Marmeladekochen. Während er für Ersteres einen konkreten Arbeitsauftrag meiner Mutter bekam, war Letzteres seine ganz eigene Domäne. Beim Marmeladekochen redete ihm niemand rein, auch nicht, wenn er sämtliche Konfitüren mit einem Schuss Schnaps „verfeinerte“. Im Alltag kochte meine Mutter, gut, experimentierfreudig und, wenn ich das im Nachhinein beurteilen soll, auch mit Leidenschaft. Für Steaks war da aber nicht wirklich Platz, vermutlich, weil sie die Haushaltskasse besser im Blick hatte als ihr Mann. Heute, also ein gutes Vierteljahrhundert später, hat sich im elterlichen Haushalt vieles verschoben. Mein Vater ist seit einiger Zeit für die Salatsoße zuständig, berichtete meine Mutter mir unlängst, die könne keiner so gut wie er. Womit die „verfeinert“ wird bleibt sein Geheimnis.