miniportion 319: lactose

Steht zwar drauf, ist aber nicht drin, Maastricht 2013

Steht zwar drauf, ist aber nicht drin, Maastricht 2013

Noch nachhaltiger als liebgewonnene Familientraditionen oder romantische Abendessen bei Kerzenschein erinnern wir uns der Mahlzeiten, die wir nicht vertragen haben. Die, von denen uns ein wenig übel geworden ist, die, von denen wir eine Fischvergiftung davon getragen haben oder in deren Verlauf wir sonstige Gastroenteritiden davongetragen haben.

Vor vielen Jahren einmal aß ich, noch zuhause bei meinen Eltern, eine ordentliche Portion Schmorgurke mit Hackfleisch und Reisbeilage. Später am Tag wurde ich krank, was grundsätzlich nichts mit der Qualität der Zutaten oder ihrer Zubereitung zu tun hatte, aber Jahre danach konnte ich die Nähe von Schmorgurken kaum ertragen, obwohl es sich dabei um ein Gericht handelt, was ich zuvor durchaus mochte und auch heute wieder schätze.

Anders hingegen ist das bei mir mit den Lebensmittel, deren Verzehr ich aufgrund meiner Unverträglichkeit von Milchzucker nicht besonders gut überstanden habe. Derer nämlich gibt es aufgrund der jahrelang unerkannt gebliebenen Intoleranz zu viele, als dass ich mich ihrer im Einzelnen erinnern könnte. Ganze Dekaden lang begann ich meine Tage mit einem großen Pott Milchkaffee, der im wesentlichen aus Milch mit etwas Kaffee bestand. Vervollständigt wurde diese Mahlzeit durch einen Teller Müsli mit Joghurt, im Laufe des Tages durch ein oder mehrere Joghurts ergänzt und hin und wieder abends durch das eine oder Pfannengericht mit einer gehaltvollen Sahnesoße abgerundet. Wenn ich solche Speisenfolgen an meinem Inneren Auge vorbeiziehen lasse, fühle ich den spontanen Impuls, mich selbst bei meinem eigenen Körper zu entschuldigen. Bitte, lieber Magen, lieber Dünn- und Dickdarm – vergebt mir, denn ich wusste nicht was ich tat.

Heute bin ich mehrheitlich abstinent und nur wenn ich bei Fremden eingeladen bin, mache ich großzügige Ausnahmen. „Diese Essen“, sage ich dann beim Abschied immer, „werde ich nie vergessen.“

miniportion 047: joghurtmaschine

Türkisches Joghurtgetränk, Berlin 2010

Türkisches Joghurtgetränk, Berlin 2010

Seit einiger Zeit besitze ich eine Joghurtmaschine. Diese wurde von meiner Mutter am örtlichen Glascontainer gefunden – auf dem Land stellt man noch brauchbare Dinge im Sinne der Nachhaltigkeit obenauf – und mir als formschön, sauber und funktionstüchtig angepriesen. Letzteres habe mein Vater sorgfältig geprüft. Aus purer Nostalgie (weil es sich einschließlich der orangegelben Farbgebung um das Modell meiner Kindheit handelte) brachte ich es nicht über’s Herz das Gerät einfach abzulehnen oder der Restmüllverwertung zuzuführen. Und das, obwohl meine Küche schon ziemlich voll ist und ich darüber hinaus keine Kuhmilchprodukte vertrage. Aus Neugier experimentierte ich zunächst ein paar Tage mit Ziegenmilch, deren Konsistenz sich jedoch nie über eine gewisse Schleimigkeit hinaus verfestigte. Da saß ich nun mit einem Apparat, dessen Nützlichkeit sich für mich nur bedingt erschließen wollte.

An dieser Stelle daher die Top 5 der unnützen Küchengerätschaften:

Platz 1: Die elektrische Crêpe-Pfanne meiner Eltern – ein Geschenk von Verwandten – bei der eine erhitzte Teflonoberfläche in den Teig getaucht wurde, von der man ihn anschließend mit viel Mühe wieder abkratzen muss.

Platz 2: Die Eieruhr (in der ehemaligen WG meiner Schwester) in Form eines Pinguins, die einen am Schnabel befestigten Teebeutel nach Ablauf der eingestellten Ziehzeit aus der Tasse zog.

Platz 3: Die vollautomatischen Brotbackmaschinen diverser Freunde und Bekannten, die im Durchschnitt etwa 14 Tage lang begeistert, um danach für immer oben auf dem Küchenschrank auf nicht mehr abzusehende Einsätze zu warten.

Brotbacken erwies sich übrigens als Lösung meines Problems der ungeklärten Nutzung meiner Joghurtmaschine. In ihr lassen sich nämlich hervorragend Sauerteigkulturen züchten, die über mehrere Tage ein gleichmäßig warmes Klima benötigen.