Tag Archives: italien

Supermarkt-Challenge 04/07

23 Okt
Metzger Giuseppe Iaia mit Salsiccia, Kalk, Oktober 2018

Metzger Giuseppe Iaia mit Salsiccia, Kalk, Oktober 2018

 

Am Montagmittag mache ich mich wieder auf in die Rolshover Straße. Ab Ecke Hauptstraße versuche ich die Lage zu erkunden. Von hier sieht es immer so aus, als habe der Laden geschlossen. Ein paar junge Männer stehen vor der italienischen Bar auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Vor mir betritt ein Mann die Metzgerei. Weiterlesen

ethnografische notizen 242: palermo

12 Mai
Cedri & Granita, Palermo 04/2018

Cedri & Granita, Palermo 04/2018

„Menù touristico?“ schreibt eine Bekannte leicht pikiert unter mein Foto auf Facebook. Eine Werbetafel mit gleichlautender Aufschrift, ein schnauzbärtiger Koch mit ausladender Kochmütze, rotem Halstuch und einem Holzlöffel in der Hand. „Recherche“, antworte ich, „aber nur von außen.“ Allerdings mache ich mir keine Illusionen, als Nicht-Tourist durchgehen zu können. Auch ohne kurze Hosen, Sandalen, Spiegelreflexkamera auf dem Bauch und Reiseführer in der Hand sind wir gut zu erkennen. Weiterlesen

ethnografische notizen 241: liège

12 Mrz

Ein Sonntag in Lüttich, oder vom Glück, Freunde in Belgien zu haben

„Wir essen heute Mittag in der Stadt“, sagt J. bei unserer Ankunft, „und später dann noch einmal zuhause.“ Das ist normal, denn schließlich sind wir ja in der Wallonie, wo jede Mahlzeit als sozialer Akt von Bedeutung begriffen wird und außerdem waren wir schon lange nicht mehr zu Besuch. „Dazwischen schauen wir uns eine Ausstellung an.“ Nach dem Kaffee spazieren wir los, die steile Rue pierreuse hinunter, über die Place du Marché bis runter zur La Batte, dem großen Wochenmarkt. „Neu“, denke ich, während wir durch die Neuvice laufen, „auch neu. Ebenfalls neu.“ Es hat sich eine Menge getan seid unserem letzten Besuch. Es gibt einen verpackungsfreier Lebensmittelladen namens l’Entre-Pot, einen anderen für lokal produziertes Obst und Gemüse (Les petits producteurs) und eine Handvoll hipper Cafés und Restaurants. Weiterlesen

miniportion 304: lambrusco

26 Nov
Große Weine aus Italien, Köln 2013

Große Weine aus Italien, Köln 2013

Bei Lambrusco denke ich an zerknitterte Interrailkarte-Tickets, an abgenutzte grün-graue Parkas und an speckige Reiseführer mit herausgerissenen Seiten. Dabei handelt es sich allerdings um Erinnerungen aus zweiter Hand, denn als ich soweit gewesen wäre, war es eigentlich schon mehr oder weniger vorbei mit den studentikosen Eisenbahnreisen. Wäre ich aber ein paar Jahre älter, wäre ich sicherlich auch einmal in einem abgenutzten grün-grauen Parka, mit einem speckigen Reiseführer in der Hand mit den Zug gen Italien gefahren. Dort hätte ich unter freiem Himmel, möglicherweise im Rahmen einer romantischen Übernachtung auf einer Parkbank, sicherlich auch eine Menge Lambrusco aus der Flasche getrunken. So aber schaffte es diese regionale Spezialität aus der Emilia-Romagna nie dauerhaft auf meine ganz persönliche Getränkekarte. Meine Erinnerungen beschränken sich somit auf einen Urlaub, den ich einmal mit einem Großteil der väterlichen Familie in der Nähe von Rom verbrachte. Dort verzehrten meine Tanten und ich neben zwei warmen Hauptmahlzeiten am Tag des abends das eine oder andere Glas vino frizzante. Ein Wort, das ich damals sehr lustig fand. Allerdings übernachtete ich nicht auf einer Bank sondern in einer, von hübschen Parkanlagen umgebenen, klassizistischen Villa.

Auf Wikipedia findet sich folgende Lambrusco-Umschreibung. „Die Weine werden sowohl trocken als auch lieblich ausgebaut und in großen Mengen exportiert.“ Letzteres kann man unüberlegt bestätigen, wenn man einmal die regulären Lambrusco -Vorräte in einem ordentlich sortierten Supermarkt betrachtet. Bei gleicher Analysemethode kommt man jedoch nicht umhin, den ersten Teil des Lexikon-Eintrags zu bezweifeln – eines Wissens wurde ein trockener Lambrusco nördlich der Alpen noch nie gesehen. Weiter heißt es im Internet: „Ein Lambrusco sollte jung getrunken werden.“ Das wiederum ist eine Aufgabe, die einfach zu erledigen ist.

miniportion 172: antipasti

12 Jul
Mezedes, Antipasti auf Griechisch, Köln 2013

Mezedes, Antipasti auf Griechisch, Köln 2013

Neben ihrer Frankophilie verfügten meine Eltern (und eigentlich tun sie das immer noch) über eine ausgeprägte Italienfaszination. Beide Phänomene entstanden durch gemeinsame Interessen, spärliche Reise und die Vorliebe für gutes Essen. Das eine wurde zudem noch befördert durch die grenznahe Heimat meiner Mutter, das andere durch den väterlich-familiären Hang zum Land der Zitronen durch das Auslandsstudium meines ältesten Onkels.

Irgendwann schon in den 1980er Jahren tauchte der Begriff „al dente“ im Kernfamilienrepertoire auf, der nicht nur den Kochgrad der Nudel, sondern ein viel weiter greifendes Lebensgefühl bezeichnete. Al dente, das bedeutete Leben mit Biss, das stand für Gesundheit, bescheidenen Wohlstand und Zufriedenheit.  In der Küche, über dem Küchenfenster hatte mein Vater eine Abwandlung von Dantes Inschrift auf dem Tor zur Hölle aufgemalt – gewissermaßen als bildungsbürgerliche Lüftelmalerei. „Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“ wurde dort zu „Lasciate ogni fame, voi ch’entrate!“ – lasset allen Hunger fahren! Das wurde nur noch übertroffen durch die Bezeichnung des Weins, den es zu den  Erstkommunionen gab. Der hieß „Est! Est! Est!“ und kam aus Montefiascone. Im 12. Jahrhundert, so will es die Legende, habe der Vorkoster eines Klerikers alle guten Wirtschaften mit einem „Vinum bonum est“ versehen sollen. In besagtem Ort knapp 100 Kilometer nordwestlich von Rom sei der Wein so gut gewesen, dass er die dreifache Note vergeben habe. Standard & Poor’s avant la lettre.

Das passende Vorspeisenbüffet – nicht im 12. Jahrhundert sondern beim vermeintlich schönsten Tag in meinem Leben im Jahre 1984 war dementsprechend auch ganz italienisch ausgerichtet und wurde stilecht Antipasti genannt. Obwohl es, wenn ich mich nicht ganz vertue, an diesem Tag keine Pasta gab. Nudeln als zweite Vorspeise – so exotisch musste es ja nun auch wieder nicht sein.