#isswas 005 – schlachtplatte

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

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Esst Ihr eigentlich Fleisch?

Schweinsfüße, Aachen 2011

Schweinsfüße, Aachen 2011

Ja, ich esse Fleisch und ich esse auch gerne Fleisch. Ein Tier zu töten, um es anschließend aufzuessen, halte ich für keine unbedingt schöne, aber unter bestimmten Voraussetzungen dennoch ethisch vertretbare Angelegenheit. Nachdem ich aber vor ein paar Jahren Jonathan Safran Foers „Eating Animals“ gelesen hatte, nahm ich mir vor, einmal herauszufinden, wie mein Verhältnis zu Fleisch abseits des Tellers denn so beschaffen ist. Es ist bekanntermaßen ja relativ einfach die Verbindung zwischen lebendigem Tier auf der einen und Lammkotelett, Entrecôte oder Currywurst auf der anderen Seite auszublenden. Was aber geht in mir vor, wenn ich das Tier noch als solches erkennen kann.

Weil ich Schweine nicht nur als Lebensmittel sondern auch als Lebewesen sehr faszinierend finde und weil ich gerade ein spanisches Kochbuch mit einem Rezept für frittierte Tapas aus Schweinsfüssen geschenkt bekommen hatte, bestellte ich selbige beim Biometzger meines Vertrauens. „Füße“, dachte ich, „sind ein guter Anfang, weil sie mich zumindest nicht mit ihren kleinen traurigen Augen anschauen können.“

Mit einem seltsamen Gefühl im Bauch trug ich eine schwere Papiertüte nach hause. Nachdem ich eine Weile um die Küchenzeile herumgeschlichen war, traute ich mich dann doch ans Auspacken, um erstaunt feststellen zu müssen, dass Schweinehaut (ohne Borsten) so weich und zart ist, dass ich fast gar nicht mehr mit dem Anfassen aufhören mochte. Die Erkenntnis nach dem Kochen bestand darin, dass so ein Schweinsfuß unglaublich viele kleine Knochen und ebensoviel Collagen enthält, welches beim Auskühlen, mit frischer Petersilie vermischt, zu einem nicht unappetitlichen Gelee erstarrte. Etwas abstoßendes oder ekelerregendes konnte ich persönlich nicht entdecken. Ganz im Gegenteil, dem frittierten Endprodukt fühlte ich mich auf seltsame Weise verbunden. Trotzdem verschleierte ich den Gästen am Abend die genaue Zutatenliste. Die wunderbare Beschaffenheit eines Schweinefußes soll mal jeder schön für sich selber entdecken.

#isswas 004 – schulkochbuch

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

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Habt Ihr deutsches Essen mal als „fremdes Essen“ erlebt?

Pancake-Fundraising, Las Vegas 1993

Als Austauschschüler beim Pancake-Fundraising, Las Vegas 1993 (hinten links)

Als ich 1992 als 17-jähriger Austauschschüler in den USA landete, hatte ich eines der deutschesten Bücher im Gepäck, das man hierzulande legal erwerben kann. Das Dr. Oetker Schulkochbuch in der englischsprachigen Ausgabe, so hatten wir vorher in den Aufklärungsschreiben der Austauschorganisation gelesen, käme bei den Gasteltern im Normalfall ziemlich gut an. Das hatte ich mir vor der Ankunft zwar nur schwer vorstellen können, nach dem ersten Besuch in einem „German Restaurant“ vor Ort komplett mit Kellnerinnen in Dirndln und in Lüfteltechnik an die Wände gepinselten Trinksprüchen verstand ich ansatzweise, worum es ging – um Dirndl, Knödel und Bier. Und auch meine Gasteltern, die mütterlicherseits ein paar deutsche Vorfahren aufzuweisen hatten, bedankten sich begeistert für das Mitbringsel. Zum Einsatz kam das Buch aber erst einmal nicht, auch wenn ich mir das an dem Tag, als die gut 90-jährige Gast-Urgroßmutter mir zu Ehre ihre berühmten German dumplings fertigte, heimlich gewünscht hätte. Die waren nämlich eher grau und so fest, dass die NASA sie vermutlich für die Außenhaut von Raketen hätte verwenden können. Und auch die US-amerikanische Esskultur war ganz anders, als ich mir das vorgestellt hatte. Mehr Mexiko als Burger und innerhalb der Familie gar nicht mal so anders als zuhause. Das gemeinsame Abendessen am Küchentisch zu verpassen, erforderte auch hier eine triftige Begründung. Darüber hinaus wurde, mit Ausnahme des Sonntagabends an dem Pizza bestellt wurde, immer selbst gekocht. Es dauerte übrigens eine Weile, bis ich mich traute, einmal etwas deutsches zu kochen. Vielleicht waren es aber auch Mom und Dad, die sich nicht trauten, mir die Küche zu überlassen, das kann ich im Nachhinein nicht mehr so genau sagen. Es gab typisch deutsches Cordon Bleu, das Ergebnis war ziemlich passabel, würde ich sagen, und wurde mit ziemlich passabler Begeisterung aufgenommen. Dabei blieb es denn aber auch.

#isswas 002 – köchin

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

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Wer kocht bei Euch zu Hause?

Besondere und Alltagsaufgaben, Mützenich 2014

Besondere und Alltagsaufgaben, Mützenich 2014

Neulich kam mein durchaus küchenfähiger Kollege S. an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mit dem gleichen aufgewärmten Gericht zum gemeinsamen Büro-Mittagessen. Seine Frau habe, so erzählte er, habe Maccharoni mit Salami und Tomatensoße nicht noch einmal essen wollen. Das gebe es an Tagen, an denen seine Frau nicht im Hause sei und sein Sohn würde die Kombination (unter anderem weil ohne Gemüse) so sehr lieben, dass er seine Mutter frage, wann sie denn mal wieder weg sei.

Das erinnerte mich plötzlich sehr an meine eigene Kindheit, in der mein eigener (durchaus küchenfähiger) Vater immer dann den Herd übernahm, wenn meine Mutter unterwegs war. Dann gab es zwar auch Gemüse – in den biologisch-dynamischen und gesundheitlichen Prinzipien unterschieden meine Eltern sich nur marginal – aber eben auch mal für unsere Familie eher untypische Dinge, wie beispielsweise ein Steak. Mein Vater war, abseits solchen Event-Cookings für ganz bestimmte Rezepte und Gerichte zuständig. Stollenkneten gehörte in der Weihnachtszeit zu seinen Aufgaben, weil das meiner Mutter im Laufe der Jahre zu anstrengend wurde. Und im Sommer das Marmeladekochen. Während er für Ersteres einen konkreten Arbeitsauftrag meiner Mutter bekam, war Letzteres seine ganz eigene Domäne. Beim Marmeladekochen redete ihm niemand rein, auch nicht, wenn er sämtliche Konfitüren mit einem Schuss Schnaps „verfeinerte“. Im Alltag kochte meine Mutter, gut, experimentierfreudig und, wenn ich das im Nachhinein beurteilen soll, auch mit Leidenschaft. Für Steaks war da aber nicht wirklich Platz, vermutlich, weil sie die Haushaltskasse besser im Blick hatte als ihr Mann. Heute, also ein gutes Vierteljahrhundert später, hat sich im elterlichen Haushalt vieles verschoben. Mein Vater ist seit einiger Zeit für die Salatsoße zuständig, berichtete meine Mutter mir unlängst, die könne keiner so gut wie er. Womit die „verfeinert“ wird bleibt sein Geheimnis.

#isswas 001 – bäckerei

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

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Was gab es bei Euch heute Morgen?

 

Traurige Kinderbriefe, Köln 2014

Traurige Kinderbriefe, Köln 2014

Seit dem ersten April sind meine Wochenenden nicht mehr das, was sie mal waren! Seit 2006, besteht unsere Wochenendroutine darin, dass ich am Samstagmorgen aufstehe, um bei Bäcker Binz auf der Subbelrather Straße in Köln Ehrendfeld Brötchen und Zeitung zu holen. Fünf Brötchen (auch schon für Sonntag), ein Laugencroissant (für meinen Mann), eine Rosinenbrötchen (für mich) und den Stadtanzeiger.

Für Menschen mit einer Wochenendbeziehung sind präzise Abläufe und Rituale nun mal wichtig. Weil man sich am Freitagabend erst einmal wieder annähern muss, damit die hohen Erwartungshaltungen nicht wie am Heilig Abend in Stress und Frust enden. Wer kennt das nicht? Das Frühstück am Samstag ist dahingegen der erste Moment, an dem beide einigermaßen entspannt sind. Da darf es keine Abweichungen geben.

Und dann kam der April und damit der Tag, an dem ich vor des Bäckers Türe stand und noch leicht verschlafen lesen musste: „Auf diesem Weg möchten wir Ihnen für die langjährige Treue danken!“ Im Inneren des Ladens keine Backwaren, lediglich noch ein paar welke Primeln. Ein Witz, dachte ich, ein Aprilscherz und in meiner Not kaufte ich meine Brötchen bei der Bäckereikette gegenüber.

So ein regelmäßiger Brötchenkauf ist ja nicht nur eine persönliche Angelegenheit sondern hat auch eine soziale Dimension. Was, so fragte ich mich ratlos, was wird aus den beiden Verkäuferinnen, die eine blond und ein paar Jahre jünger, die andere dunkelhaarig und mit stets makellos tiefrotem Lippenstift? Was wird aus der älteren Dame mit der auftoupierten Frisur, deren unmöglich geparkte uralte S-Klasse schon von weitem erkennen ließ, dass sie in der Sitzecke aus orangefarbenem Kunstleder Kaffee und Kuchen zu sich nahm? Eine Bäckerei ist ja nicht nur ein Geschäft, sondern auch Arbeitsplatz, Wohnzimmer und Kontaktbörse.

Was mich selbst betrifft, gewöhne ich mich nur langsam an die neuen Zustände. Anderthalb Straßen weiter gibt es eine andere, selbstständige Bäckerei mit qualitativ sehr überzeugendem Angebot. Aber nach wie vor muss ich jeden Samstagsmorgen überlegen, wie ich da am besten hinkomme.