ethnografische notizen 114: foodcamp oberpfalz (6/9) – hopfen

Obergäriges in der Versuchsbrauerei St. Johann, November 2015

Obergäriges in der Versuchsbrauerei St. Johann, November 2015

Besichtigung Schneider Weisse in Kelheim. Die Gruppe ist übernächtigt und ein wenig verkatert. „Wir schau’n uns die Produktion an“, sagt der junge Mann, der uns herumführen wird. Wir reagieren verhalten enthusiastisch. „Heute bin ich froh, dass ich nur probieren und nicht trinken muss“, sagt ein Kollege Weiterlesen

miniportion 300: hopfen

Hopfen auf dem Tag des guten Lebens, Köln 2013

Hopfen auf dem Tag des guten Lebens, Köln 2013

Es gibt nur wenige europäische Gemüsesorten, die ich noch nie gegessen habe. Dazu gehört, neben Teltower Rübchen auch der Hopfen, dessen bitteres Aroma ich zwar zuweilen in flüssiger Form zu mir nehme, dessen Schösslinge, die in Teilen Belgiens, der Niederlande und Frankreichs als Spezialität bekannt sind, ich aber noch nie gekaut habe. Sie sollen, so habe ich einmal gelesen in Konsistenz und Geschmack an Spargel erinnern. Was Sinn machen würde, das es sich ja bei beiden Gemüsen gewissermaßen um unterirdische Ausläufer handelt.

Einmal, auf dem Weg nach Straßburg, passierten wir auf der winterlich grauen Autobahn ein ziemlich großes und kahles Feld mit einer seltsamen Konstruktion aus Stangen und Netzen. Es dauerte damals eine ganze Weile bis ich darauf kam, dass es sich um eine Hopfenanbauanlage handeln musste. Aber da waren wir auch schon vorbei. Ein anderes Mal war ich im Dreiländereck Deutschland-Niederlande-Belgien unterwegs, um eine Porträtserie zu von regionalen, handwerklichen Nahrungsmittelproduzenten zu begleiten. Auf dem Zettel stand neben einem belgischen Apfelkrautkocher und einem deutschen Senfmüller auch eine junge niederländische Marketing-Expertin, die für einen Bierbrauer im limburgischen Gulpen den eigenen Anbau von Hopfen begleitet. Auf diese Begegnung hatte ich mich sehr gefreut, da es sich bei diesem Projekt um ein für die Region ziemlich ungewöhnliches Experiment handelte. Endlich, dachte ich, komme ich mal in den Genuss, ein Hopfenfeld aus der Nähe untersuchen zu können und ich sah mich bereits an einem schönen Sommertag zwischen hohen, grünen Wänden durch die Nachmittagssonne des Heuvellands spazieren. Daraus wurde aber leider nichts, weil die besagte Dame kurz vor unserem Termin im sprichwörtlichen Sinn das Feld räumte und Hals über Kopf in ihre friesische Heimat zurückkehrte. Das mit dem Hopfen ist und bleibt eine ziemlich flüchtige Sache.