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miniportion 357: dorade

13 Feb
Dorade Rosé auf Eis, Frankfurt am Main 2013

Dorade Rosé auf Eis, Frankfurt am Main 2013

Neulich beobachtete ich in der Degustationsabteilung im Obergeschoss der Kleinmarkthalle zu Frankfurt am Main eine nicht mehr ganz junge und nicht mehr ganz nüchterne Dame, die in ebensolcher Gesellschaft mehrere Gläser Weißwein trank. Aus Gründen der Zielsicherheit legte sie bei dieser Tätigkeit zunächst das Glas auf die ausgestreckte Zunge, bevor sie den nächsten Schluck tat. Das fanden wir alle ziemlich lustig, da sie aber in Zeitlupe agierte, mussten wir ziemlich lange Wartezeiten zwischen den einzelnen Performances in Kauf nehmen, in denen wir eindeutig-auffällig in eine Richtung glotzten. Aber das alles wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. In der Hand nämlich hielten wir Plastiktüten mit zwei handgeangelten Wolfsbarschen für das Abendessen. Soweit nicht ungewöhnliches. Kurz zuvor aber, beim Einkauf an der Fischtheke, hatte ich erstmalig Bekanntschaft mit roséfarbenen Doraden gemacht, um die es hier eigentlich gehen soll.

Die Dorade (Sparus aurata), auch Goldbrasse genannt, ist ein seit der Antike bekannter Speisefisch. Als barschverwandter Stachelflosser ist er gewissermaßen die Cousine der Wolfsbarsche und sein Name rührt von dem sichelförmigen Goldband zwischen den Augen auf der Stirn des Fisches und den beiden güldenen Flecken auf seinen Wangen. Das klingt eigentlich eher nach Elizabeth Taylor denn nach Grillfisch, aber das eine muss das andere ja nicht ausschließen. Zumal die Dorade grundsätzlich ein proterogyner Zwitter, also zweigeschlechtlich ist. Auch irgendwo dazwischen liegt die Dorade Rosé, zumindest farblich. Nämlich zwischen der regulären Dorade und der ordinären Rotbrasse, die zwar ziemlich viele Gräten aber vergleichsweise wenig Schmuck im Gesicht aufzuweisen hat. Sie ist damit der eleganteste der mir bekannten Speisefische. Würde sie sich nicht ausschließlich von Krebsen und Muscheltieren ernähren – sie würde vermutlich vor dem Trinken von Schaumwein ihre kleine schuppige Zunge herausstrecken.