Tag Archives: finnland

ethnografische notizen 32: turku/finnland 02

4 Aug

Gemüse auf dem Markt

Zimt-Muffin bei Wayne's Coffee

Beeren auf dem Markt

Gemälde im Kunstmuseum

Gästebuch im Kulturzentrum Logomo

ethnografische notizen 31: turku/finnland 01

3 Aug
Restaurant Pinella, Turku/Finnland

Restaurant Pinella, Turku/Finnland

„Entschuldigung“, sagt der mittelschwer alkoholisierter und leicht verwahrloste Mann auf der Parkbank, „darf ich Sie etwas fragen?“  Ich gehe direkt in den Sicherheitsmodus und mache einen Schritt zurück. Er reicht mir eine ungeöffnete Bierdose. „Tysk Øl“ – deutsches Bier – steht in goldenen Lettern auf schwarzem Grund zu lesen. Offensichtlich hat er uns zugehört und uns unschwer als Deutsche identifiziert. „Hier“, sagt er und zeigt auf den Namen des Bieres, „Neuenburg? Was bedeutet das?“ Ich erkläre ihm, dass es sich um einen, in Deutschland unbekannten Markennahmen handelt. „Danke“, sagt er, „hier um die Ecke gibt es übrigens einen Laden, da können Sie deutsche Produkte kaufen. Lidl heißt der.“ „Danke“, sage auch ich, „wir haben eigentlich mehr Interesse an finnischen Produkten“. Das scheint ihn zu freuen und wir bekommen – im besten Englisch – eine kurze Abhandlung über finnisches Bier, welches aber nicht zu vergleichen sei mit dem einer wahren Biernation wie Deutschland. „Lapin kulta“ sei ganz in Ordnung, erzählt er und das es eine Brauerei hier in der Innenstadt gebe, die ganz passables eigenes Bier braue. „Aber fangen Sie nicht mit dem stärksten an …“

Wir lehnen am Geländer am Flussufer und beobachten die Leute beim Abendessen in der Hoffnung auf einen freien Platz. Die Restaurants sind gut besucht an diesem lauen Sommerabend. Die Tische auf der Terrasse des  direkt am Fluss gelegenen „Mami“ sind voll belegt. „Drinnen können Sie leider auch nicht warten“, sagt die freundliche aber bestimmte Bedienung, die mit ihren blonden Zöpfen ein bisschen so aussieht, als würde sie im nächsten Jahr für Suomi beim Grand Prix antreten, „wir sind heute Abend leider komplett ausgebucht.“ Gegenüber im „Pinella“, auf der anderen Seite des Wassers, finden wir noch einen freien Platz auf der langgestreckten Außenterrasse entlang der in den Hang gebauten, gedrungen-klassizistischen Säulenhalle.

Das Servicepersonal hat viel zu tun an diesem Dienstagabend in der finnischen Provinz. Gerade mal rund 177.000 Einwohner hat Turku, die Minimetropole im Südwesten Finnlands, rund 160 Kilometer von Helsinki entfernt. Gerade mal so viele Menschen wie den Landkreis Lüneburg ihr zuhause nennen und trotzdem sind die Restaurants und Kneipen an diesem Abend mehr als nur belebt. Junge Eltern spazieren mit ihren Kindern am Wasser entlang und Jugendliche sitzen auf der Kaimauer und rauchen. Auf dem Fluss schwimmt ein Schwarm überdimensionierter Eiderenten,  unter der Brücke hängt ein Vorhang aus blauen Glasstücken, der sich im Wasser spiegelt und große runde rote Schilder entlang der Promenade erläutern die Projekte. Turku ist Kulturhauptstadt Europas 2011 und scheint sich der Chancen einer 365-Tage langen medialen Aufmerksamkeit in der ganzen Union bewusst zu sein.

„Sorry“, sagt die Kellnerin und stellt eine Karaffe mit Leitungswasser auf den Tisch, „das Menü ist leider aus, das haben heute Abend einfach zu viele Leute bestellt.“ Schade, denn Rotforelle mit Trüffelmayonaise, Flussbarsch mit Jakobsmuscheln in Weißweinbutter und Schokoladenganache mit Erdbeersorbet klingen irgendwie gut und liegen mit 39 Euro weit unter dem, was man im teuren Norden erwarten würde. Aber ausgegangene Tagesgerichte haben für mich immer auch etwas beruhigendes. „Op is op“, wie der Niederländer sagt, bedeutet eben auch, dass nicht schon drei Monate im Voraus auf Vorrat gekocht wird.

Wir entscheiden uns für Kroepoek mit Fisch, für New York Tenderloin und den hauseigenen Pinella-Burger mit Pommes. Und weil der Chablis La Croix Saint-Joseph 2009 mit 35 Euro bei sagenhaften 23 Prozent Steuer auch noch irgendwie zu verantworten ist und weil die Aussicht auf die Aura so schön ist, bestellen wir auch die.

Das Krabbenbrot kommt, klassisch mit Lachs und Gurken respektive mit Thunfisch-Ceviche und Ananas, auf einem hübschen Brettchen und auch der perfekte Burger sitzt auf einem kleinen Holztablett. Das passt zum Rest des Ambientes, modern aber nicht zu kühl, elegant aber ohne Schnörkel. Der Hauptgang folgt, und von diesem Zeitmanagement kann der Rest Europas sich eine Scheibe abschneiden, im gebührenden Abstand. So, dass man genug Zeit zum Erzählen, zum Gucken und zum Nichtstun hat, ohne dass einem die Pausen auffallen – auch wenn man die Tische bei einer höheren Frequenz sicher häufiger hätte belegen können.

„How did it taste“, fragt die Bedienung und schaltet, obwohl es ja nicht wirklich richtig dunkel wird, die in die Speichen des dunkelgrauen Sonnenschirm integrierten Lampen an, „would you like some desert?.“ Und weil der bereits mehrfach an uns vorbeigetragene Chocolate Brownie mit Vanilleeis so gut aussieht und weil die Aussicht auf die Aura immer noch so schön ist, sagen wir auch hier nicht Nein.

Restaurant Pinella, Turku/Finnland

Restaurant Pinella, Turku/Finnland