Tag Archives: fenchel

ethnografische notizen 242: palermo

12 Mai
Cedri & Granita, Palermo 04/2018

Cedri & Granita, Palermo 04/2018

„Menù touristico?“ schreibt eine Bekannte leicht pikiert unter mein Foto auf Facebook. Eine Werbetafel mit gleichlautender Aufschrift, ein schnauzbärtiger Koch mit ausladender Kochmütze, rotem Halstuch und einem Holzlöffel in der Hand. „Recherche“, antworte ich, „aber nur von außen.“ Allerdings mache ich mir keine Illusionen, als Nicht-Tourist durchgehen zu können. Auch ohne kurze Hosen, Sandalen, Spiegelreflexkamera auf dem Bauch und Reiseführer in der Hand sind wir gut zu erkennen. Weiterlesen

miniportion 330: fenchel

28 Dez
Warmer Fenchel im kalten Kühlschrank, Köln 2013

Warmer Fenchel im kalten Kühlschrank, Köln 2013

Ein italienischer Bekannter sagte mir einmal, dass das italienische Wort „finocchio“, also Fenchel, einem nicht besonders freundlichen Ausdruck für einen homosexuellen Mann entspreche. Es handelte sich dabei – regelmäßige Leser und Leserinnen werden sich erinnern, die anderen müssen suchen – um denselben Architekturstudenten, der mir einst beibrachte, dass man vor der Verwendung von Knoblauch den inneren Trieb entfernen müsse. Den der Pflanze wohlgemerkt. Verglichen mit den hiesigen im Umlauf befindlichen Begriffen fand ich damals die Tatsache, als Gemüse beschimpft zu werden, nahezu elegant und entwendete bei einem türkischen Gemüsehändler die Beschriftung einer wohl aus Italien stammenden Kiste Fenchels.

Fenchel, sowohl in Form von Gemüse als auch von Herren, war mir in meiner Kindheit und Jugend vollkommen unbekannt. Allenfalls Fenchelhonig gab es, eine in einer schlanken dunkelbraunen Flasche gekaufte Mischung aus Pflanzenextrakt und Zuckersirup, die wir esslöffelweise bei Erkältungen und Husten verabreicht bekamen. Und natürlich Fencheltee (im Allgemeinen Bübchentee genannt), wenn’s im Bauch rumorte und für einen Elstee (siehe dort) aber noch nicht seriös genug war. Dass Sirup und Samen in botanischer Beziehung zur Gemüseknolle stehen, konnte ich ja nicht ahnen. Da brauchte es erst einen experimentierfreudigen Mitbewohner (fürs Gemüse) und ein Jamie-Oliver-Rezept für ein indisches Curry (fürs Gewürz) um meinen Horizont in diese Richtung zu erweitern.

In Indien wird Fenchel im übrigen nicht nur in diversen Gewürzmischungen verwendet, sondern, zusammen mit Kümmel und mit buntem Zucker überzogen, auch zur allgemeinen Erfrischung des Mundes und der Nachbarn nach dem Essen. Einmal erstand ich eine Packung mit der Bezeichnung „Atemfrisch-Konfekt“, die ich hiermit zum kulinarischen Wort des Jahres ausrufen möchte. Ob sich dahinter noch eine weitere, womöglich halbseidene Bedeutung verbirgt, ist mir bislang nicht bekannt.