Tag Archives: falafel

soulfood düren – #017

19 Jul
Falafel-Sandwich, Düren 2017

Falafel-Sandwich, Düren 2017

Falafel

Uns ist nach etwas leichtem, vegetarischem. „Wo gibt es denn hier Falafel?“, fragen wir den Kollegen S. „Ganz weit weg“, sagt der. Aber das sagt er immer. Für die Dürener ist alles immer weit weg. „Richtung Bahnhof, da gibt es mehrere. Da kommt erst dieses Waffengeschäft, dann noch weiter …“ Weiterlesen

miniportion 322: sesam

18 Dez
Sesam im Falafel, Aachen 2013

Sesam im Falafel, Aachen 2013

Neulich aß ich mit Freundin M. und Freund B. – ich hatte mich nach langer Zeit selbst eingeladen – eine sehr überzeugende Sesam-Möhren-Feta-Quiche. Während der Mahlzeit unterhielten wir uns bei Quiche, Brot und Salat über dieses und jenes. Schließlich ging es auch um das „Lexikon der ganz persönlichen Esskultur“ und mir wurde die Frage gestellt, ob es nicht schwierig sei, 365 Begriffe aus der Welt des Essens und Trinkens zu finden, zu denen sich dann auch noch eine einigermaßen sinnvolle Geschichte erzählen lasse. Dass die Wörter mich finden, erläuterte ich, während wir zum Nachtisch die von der Tante einer in Athen wohnhaften Freundin der Gastgeber eingemachten Kirschen aßen, deren mir leider entfallene griechische Bezeichnung zu Deutsch etwa „etwas Süßes auf dem Löffel“ bedeutet. Aber ich schweife ab. „Wenn ich mich für ein Wort entscheide“, fuhr ich fort, „lasse ich es mir erst einmal eine Zeit lang durch den Kopf gehen. Die Geschichten erzählen sich dann irgendwann von selbst.“

Wuchs man in den 1980er Jahren in der westdeutschen Provinz auf, so war das Leben mit einer Ausnahme eine eher sesamfreie Zone. Da Körnergebäcke damals noch nicht en vogue waren, beschränkte sich die Variationen der regulären Brötchen auf solche mit Mohn- und solche mit Sesambelag. Was die hellen Samen auf dem Gebäck aber mit dem rätselhaften Ausspruch „Sesam öffne Dich“ aus der Geschichte von Ali Baba zu tun hatte, die mein Vater uns vorlas und die übrigens im Original-Konvolut von „1001 Nacht“ nicht enthalten ist, wollte sich mir nicht gleich erschließen. Erst vergleichsweise spät, als ich in Istanbul meinen allerersten noch warmen, duftenden Simit von einem Straßenhändler neben dem Galataturm kaufte, begriff ich, dass diese vermutlich älteste Ölpflanze der Welt in den Küchensystemen des Nahen und Mittleren Ostens eine Rolle spielt, die weit über die Dekoration eines eher pappigen Brötchens hinausreicht. Da ging das Tor zu einer anderen Welt von ganz alleine auf.

miniportion 238: falafel

18 Sep
Falafel am Tag des guten Lebens, Köln 2013

Falafel am Tag des guten Lebens, Köln 2013

Von ihren Israel-Reisen in den 1980er Jahren brachte meine Mutter stets auch essbare Souvenirs mit. Einmal eine beeindruckend große, grüngelbe und birnenförmige Frucht, die vor allem aus Schale bestand und heute als Pomelo in gut sortierten Supermärkten zum Standardsortiment gehört. Ein anderes Mal brachte sie einen Löffel mit, mit dem man Kichererbsenbrei in Form bringt, bevor er zu Falafel frittiert wird. Dieses einfache Gerät aus Metall, mit dem man mittels einer integrierten Feder ganz unproblematisch gleichförmige Portionen ins heiße Fett geben kann, kam meines Wissens aber nie zum Einsatz. Zum einen, weil der Rest der Familie nicht annähernd so Israel-begeistert war wie meine Mutter, zum anderen, weil frittierte Speisen als sehr arbeitsaufwändig galten. Ohne Zweifel befindet es sich allerdings noch heute irgendwo in der Erbmasse.

Rund 30 Jahre später besuche ich den „Tag des guten Lebens“ in Köln-Ehrenfeld. Alles steht im Zeichen der urbanen Nachhaltigkeit. Schräg gegenüber der Kreuzung, an der ab 17 Uhr Walzer getanzt werden wird, stehe ich am Tisch von zwei jungen Leuten, die auf einem Gaskocher Falafel frittieren. Ob sie Israel-begeistert sind, weiß man nicht so genau, der junge Mann heißt Mahmoud und scheint den erwähnten Arbeitsaufwand nicht zu scheuen. Während seine Geschäftspartnerin die Falafel mit der Hand formt und dann frittiert, rollt er mit stoischer Ruhe dünnes Fladenbrot, klein geschnittenene Essiggurken und Peperoni, mit Sesamsoße und für die, die mögen, auch ein bisschen scharfem Gewürz. Das Ergebnis verteilt er in einer Butterbrottüte an die Anwesenden. Ein älterer Mann, von dem ich bezweifeln würde, dass er je zuvor schon Falafel gekostet hat, fragt die beiden, was eine Portion kosten würde. „Nichts“, antwortet die junge Frau, „das gibt es heute einfach so.“ „Haben Sie denn eine Spendenbox?“, fragt der Mann. „Nein“, antwortet sie, „kostet heute einfach mal nichts.“

So geht das mit dem guten Leben.