soulfood düren – #001

Düren. Bis zum Herbst mache ich mich auf die Suche nach den kulinarischen Vorlieben, Erinnerungen und Gewohnheiten dieser Stadt mit deutschem Durchschnitt. Zwischen Köln und Aachen, zwischen hier und da. Ungeliebte Stadt, weggebombt und Annakirmes, Underdog, Papier. Reden wir drüber, denn sprechen über Essen und Trinken heißt sprechen über das Leben, die Liebe und die Stadt …

Soulfood Düren

Düren, Juni 2016

 

Filiale Bäckerei Moss

In der Filiale einer Aachener Bäckerei-Kette erklärt eine junge Verkäuferin einer offensichtlich neuen Kollegin, wie bestimmte Gebäcksorten in der Theke abzulegen sind. Lang – kurz – lang – kurz. Die dritte Servicekraft platziert meine Mohntatze mit einer Zange auf einen Teller und bittet mich zur Kasse. Weiterlesen

miniportion 085: krokantbecher

Krokantbecher ohne Nuss und ohne Krokant, Bonn 2005

Krokantbecher ohne Nuss und ohne Krokant, Bonn 2005

Es gibt eine Person, die ich in diesen Texten nicht mehr namentlich oder in ihrer Funktion nennen darf. Für den Fall dass doch, wurden mir effiziente, ausgeklügelte Strafen angedroht. Ich würde sie unausgewogen darstellen, sagt diese Person, immer nur nörgelnd und negativ. Das sei ab nun verboten!

Mit dieser Person jedenfalls unternahm ich im vergangenen Jahr einen Ausflug ins Bergische Land. Das liegt rechtsrheinisch, heißt so, weil es dort einmal ein Herzogtum Berg gab und ist bekannt für die Bergische Kaffeetafel. Wir besuchten an einem sehr sonnigen Sonntag ein örtliches Freilichtmuseum, in dem gerade ein Brezelbacktag begangen wurde. Aber das ist ein anderes Thema. Anschließend fuhren wir in den Herkunftsort der Großmutter dieser unerkannt zu bleiben wünschenden Person, um dort ein Eis zu essen. Nun muss man wissen, dass sich das Bergische Land vor allem durch die bereits genannte Kaffeetafel (bestehend aus Kaffee, Waffeln, Milchreis, Brot, Wurst und Käse) auszeichnet und auch durch eine gewisse Lieblichkeit in Landschaft und kleinstädtischem Erscheinungsbild. Viel Schiefer und Fachwerk und solche Sachen. Pittoresk, könnte man fast sagen. Bei gutem Wetter. Ansonsten … Um so begeisterter waren die Person und ich, als wir vor der Kirche des Dorfes ein Eiscafé entdeckten, dass nicht nur geöffnet, sondern auch noch gut besucht war. Das Auge isst ja mit. Wir nahmen also in der Sonne Platz und alsbald nahm eine freundliche Kellnerin in einer weißen Schürze unsere Bestellung entgegen. Die Person bestellte einen Krokantbecher und als die Bedienung wiederkam, fühlte ich mich in einen Loriot-Sketch hineinversetzt. Das sei kein Krokantbecher, so meine Begleitung (selten um Worte verlegen), das sei Nusseis mit Schokoladensoße. Das, so die Kellnerin ebenfalls ein wenig schnippisch, sei bei ihnen eben ein Krokantbecher. Wo denn dann der Krokant sei, fragte die Person … Und so weiter und so fort.

miniportion 048: eisdiele

Eistheke Stromkasten, Aachen 2013

Eistheke Stromkasten, Aachen 2013

Nach der Vorspeise stelle ich mich zu Freund S., der vor der Tür des Lokals eine Zigarette raucht. Es herrschen nahezu frühlingshafte Temperaturen und wir betrachten durch die große Glasfront die späten Kunden vor der barock gestalteten Eistheke des Etablissements. Wie im Restaurantteil ist auch hier alles französisch angehaucht und die Eissorten heißen Chocolat, Yaourt und Pavot. Die Überschaubarkeit der Portionen in den rechteckigen Edelstahlbehältern lässt – anders als die mit riesigen Mengen Obst dekorierten megalomanen Eisberge der meisten anderen innerstädtischen Eisdielen – vermuten, dass sie sächlich in absehbarer Zeit abverkauft werden könnten. Eine Frau in einem knielangen, beigefarbenen Mantel betrachtet minutenlang unentschlossen das Angebot. Der junge Mann hinter der Theke wartet geduldig und rückt sich seine schwarze, auf halbem Weg in seinem tadellos gebügelten weißen Hemd steckende Krawatte zurecht. Die Kundin lässt sich verschiedene Sorten auf kleinen bunten Plastiklöffeln über die Theke reichen und wir mutmaßen, dass sie jeden Abend auf diese Weise von Eisdiele zu Eisdiele ziehen könnte.

Eisessen ist – bei entsprechenden Temperaturen – für viele Menschen eine regelmäßig ausgeübte Tätigkeit. Als Jugendlicher verbrachte ich viele Nachmittage mit dem Verzehr zweier Kugeln Maracujaeises in der örtlichen Eisdiele unseres Dorfes. Dies führte, sowohl beim Personal als auch in meinem unmittelbaren sozialen Umfeld, zu der Vermutung, ich sei mehr oder weniger heimlich verliebt. Meine plötzliche Vorliebe für Fruchteis, so mutmaßte man, sein nur ein Vorwand, um einer jungen Aushilfe namens Sabrina nahe sein zu können, die ihre Osterferien in Deutschland verbrachte. Ein Missverständnis, das ich billigend in Kauf nahm, um (wie meine Klassenkameradinnen auch) ihren Kollegen/Bruder/Cousin Marco angucken zu können, den ich weitaus interessanter fand als Sabrina und Maracujaeis zusammen. Frühling bleibt eben Frühling.