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ethnografische notizen 221: schwarzmarkt

26 Sep

6. Schwarzmarkt | 25.09.2016 | Marieneck | Köln-Ehrenfeld 

Marieneck, September 2016

Marieneck, September 2016

Vom halbjährlichen Schwarzmarkt gibt’s diesmal keinen Erfahrungsbericht und auch kein Video, sondern eine schlichte Auflistung aller Produkte, die getauscht wurden – weil man viel zu schnell vergisst, was die anderen (und manchmal auch was man selbst) mitgebracht hat. Weiterlesen

#isswas 001 – bäckerei

15 Jun

Das Haus der Geschichte in Bonn beschäftigt sich in einer Wechselausstellung mit dem Titel „Is(s) was?!“ mit der Geschichte von Essen und Trinken in Deutschland. Im Rahmen der sogenannten IssWas-Woche (15. bis 21. Juni)  sind Hobby-Köch/innen und Profis, Foodies und Gelegenheits-Gourmets eingeladen, ihre Bilder, Anekdoten und Rezepte auf den Social-Media-Portalen des Museums zu teilen. Im Rahmen eines Tweetups am 22. Juni um 12.00 werde ich vor Ort in der Ausstellung die schönsten, lustigsten und skurrilsten Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

Jeden Tag stellen wir auf Facebook & Twitter eine andere Frage – heute:

Was gab es bei Euch heute Morgen?

 

Traurige Kinderbriefe, Köln 2014

Traurige Kinderbriefe, Köln 2014

Seit dem ersten April sind meine Wochenenden nicht mehr das, was sie mal waren! Seit 2006, besteht unsere Wochenendroutine darin, dass ich am Samstagmorgen aufstehe, um bei Bäcker Binz auf der Subbelrather Straße in Köln Ehrendfeld Brötchen und Zeitung zu holen. Fünf Brötchen (auch schon für Sonntag), ein Laugencroissant (für meinen Mann), eine Rosinenbrötchen (für mich) und den Stadtanzeiger.

Für Menschen mit einer Wochenendbeziehung sind präzise Abläufe und Rituale nun mal wichtig. Weil man sich am Freitagabend erst einmal wieder annähern muss, damit die hohen Erwartungshaltungen nicht wie am Heilig Abend in Stress und Frust enden. Wer kennt das nicht? Das Frühstück am Samstag ist dahingegen der erste Moment, an dem beide einigermaßen entspannt sind. Da darf es keine Abweichungen geben.

Und dann kam der April und damit der Tag, an dem ich vor des Bäckers Türe stand und noch leicht verschlafen lesen musste: „Auf diesem Weg möchten wir Ihnen für die langjährige Treue danken!“ Im Inneren des Ladens keine Backwaren, lediglich noch ein paar welke Primeln. Ein Witz, dachte ich, ein Aprilscherz und in meiner Not kaufte ich meine Brötchen bei der Bäckereikette gegenüber.

So ein regelmäßiger Brötchenkauf ist ja nicht nur eine persönliche Angelegenheit sondern hat auch eine soziale Dimension. Was, so fragte ich mich ratlos, was wird aus den beiden Verkäuferinnen, die eine blond und ein paar Jahre jünger, die andere dunkelhaarig und mit stets makellos tiefrotem Lippenstift? Was wird aus der älteren Dame mit der auftoupierten Frisur, deren unmöglich geparkte uralte S-Klasse schon von weitem erkennen ließ, dass sie in der Sitzecke aus orangefarbenem Kunstleder Kaffee und Kuchen zu sich nahm? Eine Bäckerei ist ja nicht nur ein Geschäft, sondern auch Arbeitsplatz, Wohnzimmer und Kontaktbörse.

Was mich selbst betrifft, gewöhne ich mich nur langsam an die neuen Zustände. Anderthalb Straßen weiter gibt es eine andere, selbstständige Bäckerei mit qualitativ sehr überzeugendem Angebot. Aber nach wie vor muss ich jeden Samstagsmorgen überlegen, wie ich da am besten hinkomme.