Tag Archives: düren

soulfood düren – #017

19 Jul
Falafel-Sandwich, Düren 2017

Falafel-Sandwich, Düren 2017

Falafel

Uns ist nach etwas leichtem, vegetarischem. „Wo gibt es denn hier Falafel?“, fragen wir den Kollegen S. „Ganz weit weg“, sagt der. Aber das sagt er immer. Für die Dürener ist alles immer weit weg. „Richtung Bahnhof, da gibt es mehrere. Da kommt erst dieses Waffengeschäft, dann noch weiter …“ Weiterlesen

soulfood düren – #016

14 Jul
Co_Lunch im Il Piacere, Düren 2017

Co_Lunch im Il Piacere, Düren 2017

Co_Lunch

Belegte Brötchen und Kuchen gibt’s im CO_SPACE Düren, Obst, Studentenfutter und Popcorn, Müsli-Kekse und Schoko-Kekse. Kaffee und Wasser sind gratis, Kaltgetränke zum Selbstkostenpreis. Aufkleber mit „I love Düren“ auf den Kühlschränken beweisen, dass wir uns wirklich in Düren befinden und nicht irgendwo in Ehrenfeld oder Neukölln. Am ersten Tag trinken wir alle unseren Kaffee aus kleinen braunen Einwegbechern, am zweiten Tag schon haben sich die meisten eigene Tassen mitgebracht. Weiterlesen

soulfood düren – #015

10 Jul

Mit dem Projekt „Soulfood Düren“ bin ich seit 2016 auf die Suche nach der kulinarischen Seele der Stadt. Weil die Zukunft in den kommenden beiden Wochen in Düren liegt, verlege ich meinen Schreibtisch kurzerhand in die dortige Fußgängerzone. Ins Co_Space Düren in der ehemaligen Kämpgen-Filiale, um genau zu sein. Von dort, wo früher Herrenschuhe Größe 42-46 standen werde ich in den nächsten beiden Wochen berichten, denn auch CoWorker müssen essen …

Currywurst Pommes, Düren, Juli 2017

Currywurst Pommes, Düren, Juli 2017

Currywurst Pommes

„Ich muss gleich ne Currywurst essen“, sagt der etwas verkaterte Kollege D. Er zeigt Richtung Kaufhof auf der anderen Seite. „Das ist praktischerweise ja direkt gegenüber.“ Ich überrede ihn, 200 Meter weiter zu laufen, zum „curry 05“, dass ich schon länger im Blick habe. Zum einen, weil ich Currywurst mag, zum anderen, weil ich Currywurstbuden Knotenpunkte des urbanen öffentlichen Raums sind. Aber das habe ich ja alles schon mal geschrieben …

Offensichtlich sind wir genau zur richtigen Zeit gekommen, wir sind direkt dran, aber hinter uns bildet sich eine lange Schlange. Neben uns positioniert sich eine Frau in einer blauweiß gepunkteten Hose mit einer blassblauen Badematte in einem Baumwollbeutel.

„Currypulver drauf?“, fragt der Currywurstbudenchef. „Klar“, sagt Kollege D., „es ist ja eine Currywurst.“ „Sagen Sie das nicht mir“, sagt der Mann hinter der Theke, „sagen Sie das den Kunden, die keins drauf wollen.“ Er erklärt der Kollegin, dass die Mayomaschine gerade eine Luftblase überbrücken müsse, weil der Container gerade gewechselt wurde. Mehr Mayo?“, fragt er in meine Richtung. Ich zögere. „Kannst du dir noch überlegen“, sagt er, „ich bin noch bis halb sieben hier.“

Ich studiere das Angebot der Frittieranstalt. Es gibt die unvermeidlichen ausgebackenen Schokoriegel, ein paar weitere Snacks und diverse Soßen mit Scoville-Angaben. Allerdings bestellen alle Kunden „Currywurst Pommes“.

Mit unseren Plastiktellern positionieren wir uns an den beiden roten – wie nennt man so etwas – Stehtischen mit integrierten Abfallbehältern. Neben uns ein Geschäftsmann, der gerade Pause macht und unseren Gesprächen über das vergangene Wochenende mit regungsloser Miene zuhört, während er seine Wurst verzehrt. „Also den Ketchup neben die Fritten?“, fragt der Chef hinter der Theke die Frau mit der Badematte.

soulfood düren – #014

9 Jul

Mexican Burger, Düren, Juli 2017

Burger

Es dauert eine ganze Weile, bis die Kellnerin an meinen Tisch kommt. „Ich bin gleich bei ihnen“, sagt sie im Vorbeigehen. Es ist nicht wirklich voll an diesem späteren Mittwochmittag, aber sie nimmt sich Zeit für die Gäste. Auf der Terrasse vor dem Laden sitzen ein mittelaltes Paar in Freizeitkleidung, zwei jüngere Frauen in der Mittagspause, davon eine mit Kopftuch, und ein betagteres Ehepaar. Weiterlesen

soulfood düren – #013

3 Mai

Am 10.05. geht SOULFOOD DÜREN in die letzte Runde!

Diesmal dreht sich alles um „heute“ und die Frage, wie Düren morgen essen wird.

Meine Gesprächspartner*innen sind u.a. Thiviy Arichandran vom Restaurant AMMA und Justin Jansen, der bei DaCapomobil eine Ausbildung zum Koch macht.

Und weil Justin nächste Woche auch für’s Essen zuständig sein wird, erklärt er uns schon heute, was es geben wird …

 

soulfood düren – #012

29 Mrz
Carbonara im Il Piacere, Düren 2017

Carbonara im Il Piacere, Düren 2017

Il Piacere

„Schön habt ihr’s hier“, sage ich und setze mich an einen der Tische mit den rot-weiß-karierten Decken. Ein bisschen Italo-Folklore, aber eher dezent – der Name des Restaurants als Schriftzug aus Weinkorken und ein paar Schilder mit Pizza und Pasta hier und da. „Ja“, sagt Georg Mierau, „man könnte noch so einiges machen, optisch verkleinern oder so, aber ist schon schön.“ Vorher, so erfahre ich, war hier auch ein italienisches Restaurant. „Portofino, bestimmt 30 Jahre lang – sah aus wie in den 70er Jahren.“ Er geht mit meiner Bestellung in die Küche. Im Hintergrund laufen italienische Pop-Klassiker. Dass das 70er-Ambiente definitiv weg ist, denke ich, während ich die schöne Theke aus roh gezimmertem Holz betrachte. Lediglich die Musik lässt noch erahnen, wie das hier mal ausgesehen haben muss.

Georg – wir einigen uns schnell auf’s duzen – kommt eigentlich aus Estland, aus Tartu, um genau zu sein. „Bin aber schon seit über 30 Jahren in Düren“, sagt er und erzählt, wie er durch einen Job in der Systemgastronomie zur italienischen Küche gefunden habe. Erst in Mönchengladbach und dann in Köln. Eigentlich hätte er eines der Lokale übernehmen sollen. „Hat nicht geklappt. Da haben meine Frau und ich beschlossen, dass wir selbst ein Konzept machen.“ Ein Pilotprojekt in Düren., zwischenzeitlich gab es auch mal einen Laden in Zülpich. Der lief zwar gut, weil es kaum Konkurrenz gab, war aber letztlich zu klein, um wirklich Gewinn zu machen. Deshalb konzentrieren sich die beiden jetzt auf Düren. Da haben wir also etwas gemeinsam.

Der Erst-Kontakt war überraschend: „Hallo Herr Arens, danke für den Blog, den Sie machen. Da Düren sehr italienisch-lastig ist – möchten Sie sich nicht mal an italienische Restaurants machen? Originale Rohes Ei-Speck-Parmesan-Lecker-Echt-Carbonara oder handgemachte Ravioli? Mit kulinarischen Grüßen Georg Mierau“

„Hallo Herr Mierau, das Thema „italienisch“ habe ich in der Tat noch nicht angepackt. Ganz spontan: Morgen Mittag bin ich in Düren. Da könnte ich mal vorbeischauen …“

Jetzt bin ich hier und freue mich auf die Carbonara. Ein Mann ein paar Tische weiter bestellt eine Flasche Wein. Offensichtlich ein Stammgast, der dem Padrone erklärt, dass er gerne jedes Mal an einem anderen Platz sitzt. „Dann schmeckt’s irgendwie auch jedes Mal anders“, sagt er und lacht. Ich probiere die hausgemachte Limonade – nicht zu süß, mit einer angenehmen Minz-Note. Der Chef bringt einen Teller mit meiner Carbonara, was übrigens soviel bedeutet wie „nach Art der Köhler“. Diese hier sind die besten, die mir seit langem auf den Teller gekommen sind – fest, aber nicht hart, mit würzigem Speck und Parmesan und zusammengehalten von einem Hauch Ei. „Wie werden die denn bei euch gemacht?“, will ich wissen. „Also die Pasta machen wir auch selber“, beginnt ein Plädoyer, dass in seiner Leidenschaft dem eines Italieners vermutlich in nichts nachsteht. Die hausgemachte Pasta werde al dente gekocht, währenddessen der Speck in nativem Olivenöl angebraten und beides wird dann mit den Eiern vermischt. „Das ist ziemlich original. Die Italiener machen den Parmesan noch ins Ei. Das stockt aber sehr schnell. Darum lege ich den obendrauf.“

Georg Mierau – Il Piacere, Düren 2017

Georg Mierau – Il Piacere, Düren 2017

Dass Georg Mierau eine kulinarische Mission verfolgt, wird nicht nur im Gespräch deutlich. Vor der Theke steht eine Tafel, auf der handschriftlich erklärt wird, warum die Nudeln al dente gekocht gehören (Aufnahme der Soße durch die raue Oberfläche) und was eine gute Pizza ausmacht (u.a. Mozzarella statt Gouda). 70:30 ist hier das Verhältnis zwischen Kochtopf und Ofen. Eigentlich würde er lieber mehr Pasta verkaufen. „Aber die Leute gehen für Pizza zum Italiener“, sagt er und wirkt dabei trotzdem nicht ganz unzufrieden.

Il Piacere | Weiherstraße 16 | Düren | http://www.il-piacere17.de

 

Im Projekt „Soulfood Düren“ mache ich mich auf die Suche nach der kulinarische Seele der Stadt. Mit interessanten Gästen spreche ich in der zweiten Runde über Lieblingsessen und -orte und das Thema „heute“. Am kommenden Freitag sind eine Konditorin, ein Supermarktleiter und eine Mitarbeiterin der VHS dabei.

Hier das Erklärvideo zur Veranstaltung.

Und hier noch eins.

 

Soulfood Düren II

  1. März 2017 | 19.00 Uhr | Bistro im Haus der Stadt

Tickets € 1 5 | iPUNKT Düren | Markt 6 | Tel. 02421 252525

soulfood düren – #011

22 Mrz

Am 31.03. geht’s weiter mit der Suche nach der kulinarischen Seele der Stadt.

Hier erklären der wunderbare Gastronom Richard Bühl und ich noch einmal kurz, was Soulfood eigentlich bedeutet …

Wir sehen uns am 31.03. im Haus der Stadt!

SOULFOOD DÜREN – Thema „heute“

Freitag, 31.03.2017
19.00 | Bistro im Haus der Stadt
Tickets € 15 | iPUNKT Düren | Markt 6

soulfood düren – #010

31 Dez

Mit den Fingern zu essen hat mir so gut gefallen, dass ich zurück ins „Amma“ bin, um es mir vor der Kamera nochmal erklären zu lassen …

Im Projekt „Soulfood Düren“ mache ich mich auf die Suche nach der kulinarische Seele der Stadt. Mit interessanten Gästen spreche ich in der zweiten Runde über Lieblingsessen und -orte und das Thema „heute“.

Hier das Erklärvideo zur Veranstaltung.

Soulfood Düren II

8.02.2017, 19.00 Uhr Betriebsrestaurant der Sparkasse, Wilhelmstr. 38

Karten (15 Euro, inkl. Verköstigung) beim iPunkt, Markt 6

soulfood düren – #009

22 Dez

Essen und Trinken sind eine ziemlich persönliche Angelegenheit. Aber unsere Ernährung hat immer auch ethisch-moralische, ökologische und ökonomische Auswirkungen. Darüber will ich mit Expert*innen sprechen.

Den Anfang macht Thomas Hissel, Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Stadt Düren und verantwortlich für die Wirtschaftsförderung.

Thomas Hissel, Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Stadt Düren, Dezember 2016

Thomas Hissel, Erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Stadt Düren, Dezember 2016

 

Herr Hissel, Sie arbeiten jetzt ein gutes Dreivierteljahr in und für Düren. Wie sieht es aus mit ihrem Gefühl für die Stadt und die kulinarische Identität?

Das Gefühl für die Stadt entwickelt sich so langsam, eine kulinarische Identität kann ich aber noch nicht erkennen. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich ja nicht jeden Tag essen gehe.

Was essen Sie denn mittags so?

Ich habe eigentlich nie was mit, dazu komme ich morgens nicht. Wenn wir unseren drei Kindern die Butterbrote gemacht haben, muss es schnell losgehen. Mittags kaufe ich mir entweder ein Brötchen oder ich gehe mit Arbeitskollegen essen. Das kommt so ein oder zwei Mal in der Woche vor und ist eine gute Gelegenheit sich mal eine Dreiviertelstunde auszutauschen. Jetzt tobt allerdings gerade der Jahresendwahnsinn, deshalb hat es in den letzten Wochen eigentlich gar keine Mittagspause gegeben.

Wie findet man denn am besten Restaurants in Düren?

Es gibt in der Innenstadt ja schon ein halbes Dutzend guter Restaurants, aber die muss man sich erst mal erschließen, auch online. Wenn ich mir zum Beispiel die App von YELP anschaue, dann hat das Restaurant mit den meisten Punkten gerade mal elf Bewertungen. In anderen Städten vergleichbarer Größe sieht das anders aus.

Das ist eine interessante Beobachtung, weil die Restaurants hier – zumindest jetzt in der Vorweihnachtszeit – ja durchaus voll sind.

In meiner Heimatstadt brauche ich auch keine App, die brauchen die Dürener in ihrer Stadt auch nicht. Aber was ist mit den Leuten, die nicht von hier sind, etwa Geschäftsreisende, Touristen oder Besucher die zu einem Shopping-Event wie etwa „Düren leuchtet“ kommen? Wenn die ihren Aufenthalt hier mit einem Restaurantbesuch verbinden wollen, müssten die jemand in der Fußgängerzone fragen.

Es gibt also Informationsbedarf?

Es gibt ein verschüttetes Nachfragepotenzial, das man freilegen muss. Düren muss in den einschlägigen Apps oder Guides vorkommen. Dazu muss sicher einige Aufbauarbeit geleistet werden, etwa gastronomische Beratung, ein Restaurantführer oder ein Hotelverzeichnis. Für Nicht-Dürener, und das ist ja noch meine Perspektive, liegt das eben nicht auf der Straße.

Und Sie haben als Wirtschaftsförderer ja auch ein professionelles Interesse.

Durchaus. Ansiedlungswilligen Unternehmen müssen wir Düren zeigen, wenn die vor Ort sind. Wo geht man mit denen hin? Ich gebe mich nicht zufrieden mit der Ansage, dass es hier nichts gebe und man lieber nach Köln oder Aachen fahre. Das wäre Anti-Marketing. Mag sein, dass das Angebot noch verbesserungsfähig ist, aber das gilt vermutlich für jede Stadt. Ich bin davon überzeugt, dass es hier gute Restaurants gibt, die aber nicht ausreichend vermarktet und darum nicht wahrgenommen werden.

Was muss sich ändern?

Das fängt bei den Einwohnern an, geht über die Verwaltung und endet bei den Unternehmen. Wir alle sind Botschafter dieser Stadt, müssen das Angebot kennen und nach außen tragen. Die Aachener und die Kölner fühlen sich ganz klar als Botschafter ihrer Stadt – der Dürener unterschätzt, was er hat. Wir müssen die Stadt mit mehr Selbstbewusstsein wahrnehmen und nach außen transportieren. Das gilt für das kulinarische Angebot, aber auch für die Wirtschaftsstruktur und eigentlich alle Angebote von Kultur bis Kinderbetreuung. Da hat Düren mehr zu bieten, als man von außen erkennen kann.

 

Im Projekt „Soulfood Düren“ mache ich mich auf die Suche nach der kulinarische Seele der Stadt. Mit interessanten Gästen spreche ich in der zweiten Runde über Lieblingsessen und -orte und das Thema „heute“.

Hier das Erklärvideo zur Veranstaltung.

Soulfood Düren II

8.02.2017, 19.00 Uhr Betriebsrestaurant der Sparkasse, Wilhelmstr. 38

Karten (15 Euro, inkl. Verköstigung) beim iPunkt, Markt 6

soulfood düren – #006

29 Nov

Düren. Ich mache mich auf die Suche nach den kulinarischen Vorlieben, Erinnerungen und Gewohnheiten dieser Stadt mit deutschem Durchschnitt. Zwischen Köln und Aachen, zwischen hier und da. Ungeliebte Stadt, weggebombt und Annakirmes, Underdog, Papier. Reden wir drüber, denn sprechen über Essen und Trinken heißt sprechen über das Leben, die Liebe und die Stadt …

Dürener Zeitung, 14. Dezember 1946

Dürener Zeitung, 14. Dezember 1946

 

Dürener Tafel

Auf dem Weg zur Ausgabestelle laufe ich einmal im Kreis. Das Smartphone schickt mich schließlich am Posthotel in eine schmale Gasse und dann über einen Parkplatz. „Kommt da noch was?“, frage ich mich. Dann begegnet mir eine ältere Frau, die ihre schwer bepackte Einkaufstasche abstellen muss, um zu verschnaufen. Am Ende des Platzes, vor einem schlichten, eingeschossigen Gebäude, wartet bereits eine lange Schlange. Durch die mattierten Scheiben kann man nicht hineinschauen. Die Türe geht auf, ein paar Leute kommen raus und einige aus der Schlange gehen hinein. Als ich näherkomme, überlege ich, wie ich das jetzt mache, ohne das Regelsystem zu brechen. Optisch unterscheide ich mich nicht unbedingt von den Wartenden, mein Dufflecoat ist Second Hand und schon einige Jahre alt und meine Turnschuhe haben auch schon bessere Zeiten gesehen. „Entschuldigung“, sage ich zu den Leuten direkt am Eingang, „ich möchte nicht einkaufen, ich habe einen Termin.“ Ein älterer Mann lächelt mich an und hält mir die Türe auf.

Hinter hüfthohen Metalltischen stehen Frauen in orangefarbenen Schürzen und geben die Waren an die Kunden aus, die auf der anderen Seite warten, bis sie an der Reihe sind. Eine ältere Dame schaut mich fragend an. „Ich habe einen Termin mit Frau Becker“, sage ich, „wo finde ich die?“ „Oh“, sagt die Dame, „da müssen wir mal fragen.“ Sie wendet sich an ihre Nachbarin. „Weißt du, wo die Edith ist?“. „Hier bin ich“, ruft eine Stimme aus dem mit Jalousien abgeteilten Ende des Raums. Frau Becker kommt um die Ecke und zeigt mir, dass ich einmal um die Ausgabe herumgehen soll. „Das ist die Dürener Tafel“, sagt sie und für einen kurzen Augenblick betrachten wir die Warenausgabe, „wir können uns aber auch hinsetzen.“ Ich folge ihr und wir nehmen an einem großen Tisch Platz. „Das hier räumen wir einfach zur Seite“, sagt sie, schiebt Teller, Tassen und Brötchen ein Stück weiter und schaut mich erwartungsvoll an. Ich nehme Notizbuch und Stift aus meiner Tasche und stelle die ersten Fragen.

Wie sie zur Arbeit bei der Tafel gekommen ist, möchte ich wissen. „Wie?“, Frau Becker lacht, „eine Bekannte hat mich gefragt, ob ich nicht mal mitkommen möchte. Und dann bin ich halt dabei geblieben.“ Das war vor fünfzehn Jahren. Mittlerweile ist sie Vorstandsvorsitzende und verantwortlich für die Koordination von insgesamt rund 90 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, von denen die Älteste stolze 81 Jahre alt ist. „Und die jungen Leute?“, frage ich. „Die jungen Leute sind wir“, witzelt ein älterer Herr, der am Tisch mit einer Kollegin ein Brötchen isst. Wir lachen und mir wird erklärt, dass es manchmal zwar Praktikant*innen gebe, aber kaum langfristiges Engagement von jüngeren Menschen. „Die haben da kaum noch Zeit für“, sagt Frau Becker und schaut auf die Bilder auf dem Einsatzplan. „Hier, die Nadine, die ist 35. Das ist unsere Jüngste.“

Im Hintergrund hört man das Klappern von Kisten. Durch die Sichtblenden sehe ich einzelne Kunden bei der Abrechnung. Das Handy klingelt und Frau Becke geht ran. Sie trägt eine elegante graue Strickjacke, einen Rock und kniehohe Stiefel. Tatkräftig wirkt sie. Mittwochs ist sie hier vor Ort, um die Neuanmeldungen entgegen zu nehmen, ansonsten telefoniert sie jeden Morgen mit den jeweiligen Einsatzleitern. Sie beendet das Gespräch. „Heinz“, sagt sie zu einem Mitarbeiter, der sich gerade verabschiedet, „ich wollte noch was fragen.“

Ich betrachte die Stellwand mit der Wochenplanung. Nichts scheint hier dem Zufall überlassen. Geht vermutlich auch nicht anders bei 2.000 registrierten Kunden und rund 100 Familien am Tag. „Am Monatsende werden das auch mal ein paar mehr“, erklärt Frau Becker. Eine Kollegin drückt ihr einen 20-Euro-Schein in die Hand. „Von einer unbekannten Frau auf dem Markt.“ „Was gibt es denn heute so?“, frage ich. „Rewe-Tüten“, sagt Frau Becker, „die konnte man im November im Laden kaufen. Für fünf Euro das Stück.“ Über 1.000 davon stehen jetzt im Keller der Dürener Tafel und werden nach und nach ausgegeben. Pfefferminztee, Reis, Spaghetti, Tomatenketchup und Kekse. Neben der Zusammenarbeit mit Rewe gibt es auch Kooperationen mit Aldi, Lidl, Penny, Netto und Edeka. „Habe ich jetzt alle?“, fragt sich Frau Becker und zählt noch einmal durch. „Real“, ergänzt der Mann am Tisch und die Bäckereien.“ „Genau, zehn Bäckereien und zwei Metzger.“ In gut einem Monat steht die nächste großer Aktion an – die Weihnachtspakete, die in der Arena Düren ausgegeben werden. „In guten Jahren hatten wir schon 1.400 Pakete. Es wäre schön, wenn wir diesmal 600 Pakete gespendet bekommen. Dann könnten alle unsere Kunden ein Paket erhalten.“

Nach einer knappen halben Stunde will ich den Geschäftsgang nicht weiter stören und mache mich wieder auf. Als ich auf die Straße trete schaut mich die ältere Dame an der Spitze der Schlange prüfend an. Bin ich Kunde oder Besucher? „Hallo, bittescheen“, wird sie von einer Frau ein paar Plätze dahinter ermahnt, „gehen sie mal rein, bittescheen.“


 

Dürener Tafel e.V.

300 Quadratmeter stehen der Dürener Tafel zur Verfügung. Geöffnet ist jeweils montags und dienstags, sowie donnerstags und freitags von 14.00 bis 16.00 Uhr. Mittwochs wird an Kunden geliefert, die nicht mehr mobil sind und samstags können diejenigen kommen, die unter der Woche arbeiten müssen. Die regulären Kund*innen kommen wöchentlich nach einem ausgeklügelten System, zugeteilt nach Anfangsbuchstabe des Nachnamens mit rotierendem Zeitfenster. Für Haushalte von einer oder zwei Personen kostet der Einkauf pauschal € 1,50, drei bis vier Personen zahlen € 2,- und ab fünf Personen sind € 2,50 fällig. Neben der direkten Ausgabe von Lebensmitteln beliefert die Dürener Tafel 13 Kindergärten und acht Jugendtreffs mit Obst und Gemüse. In Deutschland gibt es rund 920 Tafeln.

www.duerener-tafel.de