Tag Archives: Currywurst

soulfood düren – #015

10 Jul

Mit dem Projekt „Soulfood Düren“ bin ich seit 2016 auf die Suche nach der kulinarischen Seele der Stadt. Weil die Zukunft in den kommenden beiden Wochen in Düren liegt, verlege ich meinen Schreibtisch kurzerhand in die dortige Fußgängerzone. Ins Co_Space Düren in der ehemaligen Kämpgen-Filiale, um genau zu sein. Von dort, wo früher Herrenschuhe Größe 42-46 standen werde ich in den nächsten beiden Wochen berichten, denn auch CoWorker müssen essen …

Currywurst Pommes, Düren, Juli 2017

Currywurst Pommes, Düren, Juli 2017

Currywurst Pommes

„Ich muss gleich ne Currywurst essen“, sagt der etwas verkaterte Kollege D. Er zeigt Richtung Kaufhof auf der anderen Seite. „Das ist praktischerweise ja direkt gegenüber.“ Ich überrede ihn, 200 Meter weiter zu laufen, zum „curry 05“, dass ich schon länger im Blick habe. Zum einen, weil ich Currywurst mag, zum anderen, weil ich Currywurstbuden Knotenpunkte des urbanen öffentlichen Raums sind. Aber das habe ich ja alles schon mal geschrieben …

Offensichtlich sind wir genau zur richtigen Zeit gekommen, wir sind direkt dran, aber hinter uns bildet sich eine lange Schlange. Neben uns positioniert sich eine Frau in einer blauweiß gepunkteten Hose mit einer blassblauen Badematte in einem Baumwollbeutel.

„Currypulver drauf?“, fragt der Currywurstbudenchef. „Klar“, sagt Kollege D., „es ist ja eine Currywurst.“ „Sagen Sie das nicht mir“, sagt der Mann hinter der Theke, „sagen Sie das den Kunden, die keins drauf wollen.“ Er erklärt der Kollegin, dass die Mayomaschine gerade eine Luftblase überbrücken müsse, weil der Container gerade gewechselt wurde. Mehr Mayo?“, fragt er in meine Richtung. Ich zögere. „Kannst du dir noch überlegen“, sagt er, „ich bin noch bis halb sieben hier.“

Ich studiere das Angebot der Frittieranstalt. Es gibt die unvermeidlichen ausgebackenen Schokoriegel, ein paar weitere Snacks und diverse Soßen mit Scoville-Angaben. Allerdings bestellen alle Kunden „Currywurst Pommes“.

Mit unseren Plastiktellern positionieren wir uns an den beiden roten – wie nennt man so etwas – Stehtischen mit integrierten Abfallbehältern. Neben uns ein Geschäftsmann, der gerade Pause macht und unseren Gesprächen über das vergangene Wochenende mit regungsloser Miene zuhört, während er seine Wurst verzehrt. „Also den Ketchup neben die Fritten?“, fragt der Chef hinter der Theke die Frau mit der Badematte.

miniportion 022: currywurst

12 Feb
Der Klassiker im Curry-Palast, Aachen 2013

Der Klassiker im Curry-Palast, Aachen 2013

Neulich waren mein Mann und ich nach langer Zeit mal wieder im Curry-Palast (ausgesprochen „Körrie-Palast“), einer Institution meiner Heimatstadt, in der einst schon meine jungen Eltern verkehrten. Denn den Curry-Palast gibt es, wie uns die Rubrik „History“ der firmeneigenen Website informiert, bereits seit 45 Jahren. Anders als man vielleicht vermuten könnte, handelt es sich dabei aber nicht um ein indisches Spezialitätenrestaurant, sondern um eine gediegene Schnellgaststätte mit Gerichten wie Eisbein, Putensteak oder Schweinschnitzel Herrenart. Die indischen Aspekt beschränken sich auf Gerichte mit Curryrahm-Sauce, ½ Pfirsich und Ananasscheibe – wahlweise zum Schweine-, Puten- und Rumpsteak sowie zur hausgemachten Frikadelle.

An diesem Mittag sind so gut wie alle mit kunstledernen Bänken besetzt. Die ältere Dame auf der anderen Seite der Balustrade fragt, ob mich ihr auf meinen Sitz herüberhängender Nerzmantel stören würde, um dann den Herrschaften am Nachbartisch weiter von ihren Karnevalserlebnissen zu berichten. Der korrekt gekleidete Kellner bringt ihr ein Pils-Schuss und einen großen Teller mit Currywurst und Pommes – dem Gericht, das die meisten hier bestellen. Zwei weitere Damen am Nachbartisch teilen sich eine Portion Bratwurst mit Kartoffelsalat. Auch unsere Teller werden umgehend gebracht – Pommes frites, Bratwurst, Currysoße, eine Menge Röstzwiebeln und eine kleine Glasschüssel mit Mayonnaise. Alles sehr ordentlich, die Currysauce ist für meinen Geschmack jedoch eher so eine Mittelding zwischen Curry- und Zigeunersoße – ein bisschen zu wenig Curry und einen Hauch zu viel Paprika. „Hier wurde ein neues, schmackhaftes und einfach einzigartiges Rezept für die „echte“ Currywurst erfunden“, belehrt mich die Speisekarte, „das die alte Kaiserstadt fortan nicht nur für ihren Dom berühmt machte.“ Das hat eine nahezu unwiderlegbare Logik, vor allem wenn man berücksichtigt, dass der Ausdruck „curry“ in diversen indischen Sprachen schlicht „Sauce“ bedeutet.