Tag Archives: curry

Kas|sen|zet|tel 003

30 Dez

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Aldi Süd, Köln 2015

Aldi Süd, Köln 2015

Eine Aldi-Filiale im Kölner Norden. Zwei Tage vor Weihnachten im Industriegebiet. Noch ist von der jahreszeitüblichen Einkaufspanik nichts zu spüren. Weiterlesen

miniportion 332: kokosmilch

30 Dez
Kokosmilch an gelbem Sack, Köln 2013

Kokosmilch an gelbem Sack, Köln 2013

Im August 1989 kaufte ich mir in der Stadt meine erste „Männer Vogue“. An den Zeitpunkt erinnere ich so genau, weil auf dem Cover ein Model mit einem Batman-T-Shirt zu sehen war und Tim Burtons großes Oeuvre mir eine Menge bedeutet. Auch mit dieser Zeitschrift nahm ich es sehr genau und war daher ungehalten, als Freundin E. einen kleinen Riss am oberen Rand verursachte. Denn zum einen kostete die Ausgabe damals 8 Mark und zum anderen verkündete sie mir einen Zugang in eine andere, höhere Welt. Im Inneren fanden sich allerdings eher Kleidungsstücke, deren Kauf mir aufgrund der Preise auf längere Sicht nicht möglich sein würde. So realistisch war ich immerhin.

Die Beziehung „Männer und Kochen“ befand sich damals, genau wie die Beziehung „Männer und Mode“, endlich auch für die breite Masse im Umbruch. Und während im vorderen Teil des Heftes über Anzüge im Stil der 1960er berichtet wurde, fand sich auf den hinteren Seiten ein Artikel über die Vielfalt der asiatischen Küchen. Selbstredend nicht mit Rezepten (wir sprechen ja schließlich nicht von der „Brigitte“) sondern in Form einer eher technischen Synopse. Die asiatische Küche, so las ich, sei nicht zu beschränken auf chinesische Gerichte, die hierzulande ohnehin nicht besonders authentisch seien. Es wurden koreanische und vietnamesische Spezialitäten beschrieben, die man vielleicht nicht direkt probieren musste, über die sich aber vortrefflich fachsimpeln ließ. Indische Kochkunst, so das Blatt, zeichne sich nämlich dadurch aus, dass die Speise lange gekocht seien, während die thailändische, mit ihrer Kokosmilch und den diversen Currys, die frischeste und leichteste der asiatischen Küchen sei. Von Kokosmilch hatte ich damals auch in meiner ländlichen Heimat schon mal gehört, was allerdings das Currypulver mit der Frische und Leichtigkeit des thailändischen Essens zu tun hatte, wollte sich mir nicht erschließen.

miniportion 330: fenchel

28 Dez
Warmer Fenchel im kalten Kühlschrank, Köln 2013

Warmer Fenchel im kalten Kühlschrank, Köln 2013

Ein italienischer Bekannter sagte mir einmal, dass das italienische Wort „finocchio“, also Fenchel, einem nicht besonders freundlichen Ausdruck für einen homosexuellen Mann entspreche. Es handelte sich dabei – regelmäßige Leser und Leserinnen werden sich erinnern, die anderen müssen suchen – um denselben Architekturstudenten, der mir einst beibrachte, dass man vor der Verwendung von Knoblauch den inneren Trieb entfernen müsse. Den der Pflanze wohlgemerkt. Verglichen mit den hiesigen im Umlauf befindlichen Begriffen fand ich damals die Tatsache, als Gemüse beschimpft zu werden, nahezu elegant und entwendete bei einem türkischen Gemüsehändler die Beschriftung einer wohl aus Italien stammenden Kiste Fenchels.

Fenchel, sowohl in Form von Gemüse als auch von Herren, war mir in meiner Kindheit und Jugend vollkommen unbekannt. Allenfalls Fenchelhonig gab es, eine in einer schlanken dunkelbraunen Flasche gekaufte Mischung aus Pflanzenextrakt und Zuckersirup, die wir esslöffelweise bei Erkältungen und Husten verabreicht bekamen. Und natürlich Fencheltee (im Allgemeinen Bübchentee genannt), wenn’s im Bauch rumorte und für einen Elstee (siehe dort) aber noch nicht seriös genug war. Dass Sirup und Samen in botanischer Beziehung zur Gemüseknolle stehen, konnte ich ja nicht ahnen. Da brauchte es erst einen experimentierfreudigen Mitbewohner (fürs Gemüse) und ein Jamie-Oliver-Rezept für ein indisches Curry (fürs Gewürz) um meinen Horizont in diese Richtung zu erweitern.

In Indien wird Fenchel im übrigen nicht nur in diversen Gewürzmischungen verwendet, sondern, zusammen mit Kümmel und mit buntem Zucker überzogen, auch zur allgemeinen Erfrischung des Mundes und der Nachbarn nach dem Essen. Einmal erstand ich eine Packung mit der Bezeichnung „Atemfrisch-Konfekt“, die ich hiermit zum kulinarischen Wort des Jahres ausrufen möchte. Ob sich dahinter noch eine weitere, womöglich halbseidene Bedeutung verbirgt, ist mir bislang nicht bekannt.

miniportion 022: currywurst

12 Feb
Der Klassiker im Curry-Palast, Aachen 2013

Der Klassiker im Curry-Palast, Aachen 2013

Neulich waren mein Mann und ich nach langer Zeit mal wieder im Curry-Palast (ausgesprochen „Körrie-Palast“), einer Institution meiner Heimatstadt, in der einst schon meine jungen Eltern verkehrten. Denn den Curry-Palast gibt es, wie uns die Rubrik „History“ der firmeneigenen Website informiert, bereits seit 45 Jahren. Anders als man vielleicht vermuten könnte, handelt es sich dabei aber nicht um ein indisches Spezialitätenrestaurant, sondern um eine gediegene Schnellgaststätte mit Gerichten wie Eisbein, Putensteak oder Schweinschnitzel Herrenart. Die indischen Aspekt beschränken sich auf Gerichte mit Curryrahm-Sauce, ½ Pfirsich und Ananasscheibe – wahlweise zum Schweine-, Puten- und Rumpsteak sowie zur hausgemachten Frikadelle.

An diesem Mittag sind so gut wie alle mit kunstledernen Bänken besetzt. Die ältere Dame auf der anderen Seite der Balustrade fragt, ob mich ihr auf meinen Sitz herüberhängender Nerzmantel stören würde, um dann den Herrschaften am Nachbartisch weiter von ihren Karnevalserlebnissen zu berichten. Der korrekt gekleidete Kellner bringt ihr ein Pils-Schuss und einen großen Teller mit Currywurst und Pommes – dem Gericht, das die meisten hier bestellen. Zwei weitere Damen am Nachbartisch teilen sich eine Portion Bratwurst mit Kartoffelsalat. Auch unsere Teller werden umgehend gebracht – Pommes frites, Bratwurst, Currysoße, eine Menge Röstzwiebeln und eine kleine Glasschüssel mit Mayonnaise. Alles sehr ordentlich, die Currysauce ist für meinen Geschmack jedoch eher so eine Mittelding zwischen Curry- und Zigeunersoße – ein bisschen zu wenig Curry und einen Hauch zu viel Paprika. „Hier wurde ein neues, schmackhaftes und einfach einzigartiges Rezept für die „echte“ Currywurst erfunden“, belehrt mich die Speisekarte, „das die alte Kaiserstadt fortan nicht nur für ihren Dom berühmt machte.“ Das hat eine nahezu unwiderlegbare Logik, vor allem wenn man berücksichtigt, dass der Ausdruck „curry“ in diversen indischen Sprachen schlicht „Sauce“ bedeutet.