ethnografische notizen 287: frankreich 2021 (7/14)

Merguez & Couscous in Denipaire / French Tacos in Saint-Dié-des-Vosges (09/2021)

Nach der ganzen Frankreichfolklore mit Austern, Paté und Weißwein von der Loire ist mir für abends ausnahmsweise mal nach einem anderen Horizont. In einem der riesigen Supermärkte in den allgegenwärtigen Industriegebieten streife ich durch die Frischeabteilung als mein Blick auf eine schwarze Styroporschale mit Merguez fällt.

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Kas|sen|zet|tel 021

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Rewe im Aquis Plaza, Aachen 2016

Rewe im Aquis Plaza, Aachen 2016

Die kulinarischen Highlights der unteren Adalbertstraße bestanden in der Vergangenheit aus dem einen der beiden Aachener Käsegeschäfte und der örtlichen Filiale des Kochlöffels. Außerdem gab es ein Aldi-Süd, dessen Angebot aber irgendwann auf das Lebensmittelsortiment von Strauss Innovation eingedampft wurde. Ein Stück weiter, am Kaiserplatz, hält sich seit Jahrzehnten nach wie vor das türkische Kaffee Lokma, in schwieriger Lage zwischen heavy traffic, Baustelle und Drogenmilieu. Weiterlesen

miniportion 126: couscous

Couscous mit Lamm und Gemüse, Porz 2005

Couscous mit Lamm und Gemüse, Porz 2005

Als sich in„Im Himmel ist die Hölle los“ von 1984 ein junger Briefbote undefinierter migrantischer Herkunft dem Haus der männertollen Erika Schrillmann (Barbara Valentin) nähert, wird dies von der kittelbeschürzten Nachbarin Marianne Sommer (Wally Bockmayer) folgendermaßen politisch unkorrekt, neidvoll und näselnd kommentiert: „Die alte Pottsau, jetzt zieht sie sich nen Pizzabäcker rein.“ Frau Schrillmann hingegen zeigt sich einerseits vollkommen unbeeindruckt von der nachbarlichen Kontrolle und andererseits mächtig beeindruckt von dem des Deutschen nicht mächtigen Postbeamten. „Couscous?“, sagt sie und zieht ihn ins Haus …

Die langjährige Nachbarin der Großmutter meines Mannes war weder eine klassische deutsche Hausfrau noch besonders schrill. Sie kam aus Tunesien und bewohnte mit ihrem Mann und den beiden Kindern die Wohnungen nebenan. Gelegentlich klingelte es bei unseren Besuchen und ich wurde gebeten, doch eben nach dem Computer oder dem Drucker zu schauen oder dem schon zur Schule gehenden Sohn kurz bei den Hausaufgaben zu helfen. Dafür gab es dann einen großen Becher süßen Tee mit Orangenblütenaroma und einen ebenso großen Teller mit ebenfalls ziemlich süßen Gebäck. Die alltägliche Verständigung zwischen deutscher Seniorin und tunesischer Einwanderin verlief ebenfalls weniger über das gesprochene Wort als vielmehr über den Austausch von Lebensmitteln. Weihnachtsplätzchen mit Mandeln für die muslimischen Nachbarn und in Sirup getränktes Gebäck vom Zuckerfest für die katholische Mitachtzigerin gehörten dabei zum Standard. Beiden gemeinsam war außerdem die Überzeugung, dass der Status „satt“ noch lange kein Anlass sei, den anderen nicht mehr zum Verzehr von großen Mengen von Lebensmitteln zu nötigen. Ein mit Bratwurst, Kartoffelpüree und Bohnensalat bereits ziemlich voller Tisch, ist noch lange kein Grund, keine riesige Schüssel mit Grieß, Lamm und Gemüse hereinzureichen. „Couscous jemand?“