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miniportion 169: retsina

9 Jul
Retsina am Brüsseler Platz, Köln 2013

Retsina am Brüsseler Platz, Köln 2013

Mit Retsina verbinde ich die gelegentlichen Besuche bei dem „alten Griechen“ auf dem Weg von der Stadt zurück aufs Land. Ein kleiner, irgendwie verwitterter alter Mann, der sich auf einer der Ausfallstraßen in die Eifel irgendwann in den 1980er Jahren mit einem kleinen Imbiss selbstständig gemacht und meine Eltern mit ihren ersten gefüllten Weinblättern und ihrem ersten Glas Retsina beglückt hatte. Mir erschien damals allerdings der Tür an Tür liegende Zoohandel sehr viel interessanter.

Um Retsina werden selten viele Worte gemacht. „Retsina, der traditionelle Weiße, dessen Most geharzt wird (und dadurch oft einem Chardonnay mit Holznote ähnelt) ist fast immer aus Savatiano“, heißt es im ästhetisch fragwürdigen aber durchaus lesenswerten „Wein für Dummies“ aus dem Jahr 2008. Ende der Durchsage, mehr gibt es nicht zu berichten. Den Vergleich mit Chardonnay halte ich allerdings für gewagt – eine Kiefer macht noch keine Eiche. Aber so wie wir den Geschmack von Geräuchertem mögen, weil Rauch zur Konservierung von Lebensmitteln einmal unumgänglich war, so ist auch der Geschmack von Harz im griechischen Retsina eine Reminiszenz an vergangene Zeiten. Dort diente das Kiefernharz allerdings nicht der Haltbarmachung von Wein, sondern zur Abdichtung der Schläuche, in denen er aufbewahrt wurde.

Die bekannteste Marke in Griechenland heißt Malamatina und kommt in Viertel- oder Halbliterflaschen mit Kronkorken. Während Kunststoffkorken und Schraubverschluss sich auch bei besserem Wein hier und da durchsetzen, ist das mit dem Kronkorken immer noch so eine Sache. Da hat man immer noch das Zischen einer Bierflasche im Ohr. Die Tatsache, dass von manchen Internetanbietern nicht nur die Kombination von Retsina mit Feta und Oregano sondern auch mit Cola empfohlen wird, weist in dieselbe Richtung. Nun denn, in Spanien trinkt man selbige auch mit Rotwein und nennt das stilecht Calimocho. Vielleicht braucht es in Griechenland einfach noch den passenden Namen.

miniportion 015: kölsch

5 Feb
Kölsch im Angebot, Kölner Altstadt 2011

Kölsch im Angebot, Kölner Altstadt 2011

Mein erstes Bier trank ich – Kind kulturbürgerlicher Eltern, denen gelegentlich das für Gäste gekaufte Bier im Keller schlecht wurde – erst nach meinem 16. Geburtstag. „Gesetzlich ja so vorgeschrieben“, mag man jetzt denken, ohne zu wissen, dass die Gesetze in meiner Heimat in der Nordeifel in Sachen jungendlichen Bierkonsums, nun, sagen wir „etwas weitläufiger“ ausgelegt werden. Trinken lernte man dort für gewöhnlich nicht erst bei der Bundeswehr.

Mein erstes Mal geschah auf einem Zeltplatz mit dazugehöriger Grillhütte auf halbem Wege zwischen Schule und Zuhause, auf dem wir für zwei Tage kampierten, um den Abschluss der 10. Klasse zu feiern. Die Sonne ging langsam unter, ein batteriebetriebener Kassettenrekorder spielte REMs „Loosing my religion“ in einer gefühlten Endlosschleife und hier und da wurde bereits geknutscht. Irgendwer hatte einen Kasten Pils organisiert und irgendwann hatte ich genug Cola getrunken und ausreichend Mut gesammelt, um mir eine Flasche zu nehmen. Das Bier war lauwarm und schmeckte bitter. Die Kohlensäure schoss mir durch die Nase. Den Rest des Abends verbrachte ich damit, den Inhalt der Flasche diskret in den Brennnesseln zu entsorgen, während um mich herum im wörtlichen wie im übertragenen Sinne die Lampen angingen.

Danach kam lange Zeit nichts und dann der Erstkontakt mit einem gebürtigen Kölner in einer Aachener Micro-Diskotheque. Wieder hatte ich genug von Cola und plötzlich auch ausreichend Mut, um ein gemeinsames Getränk vorzuschlagen. Die Antwort war lauwarm und bitter: „Ach, vielleicht später.“ Diesmal aber, vielleicht in einer Vorahnung der zukünftigen Bedeutung dieses Moments, schlug ich mich nicht seitwärts in die Büsche. Frei nach Loriot dachte ich: „Das muss gehen, die anderen machen das doch auch!“ und blieb stehen. Und siehe da, der Abend endete mit einem gemeinsamen Kölsch, das mir so angenehm kühl und süffig vorkam, wie kein anderes Getränk zuvor in meinem Leben. Beiden bin ich seitdem treu geblieben.