miniportion 337: sambal

Sambal im China-Imbiss, Essen 2014

Sambal im China-Imbiss, Essen 2014

Beim Einkauf von Lebensmitteln gibt es in Deutschland bestimmte Formeln, die die Kommunikation zwischen Kunde oder Kundin und Verkäufer oder Verkäuferin erleichtern. In großen Teilen der Republik beispielsweise fragt das Personal in einer Bäckerei oder einer Fleischerei: „Darf es sonst noch etwas sein?“. Es gibt allerdings auch Städte (deren Namen ich an dieser Stelle nicht nennen werde, um mich nicht wieder dem Vorwurf des Berlin-Bashings auszusetzen) in denen man sich auf ein schlichtes „Noch?“ beschränkt. Immerhin, man spricht miteinander.

Ebenfalls in Berlin erstand ich unlängst einen Kühlschrankmagneten, auf dem ein stilisiertes Döner Kebab zu sehen ist. Die darunter befindliche Bildunterschrift lautet: „Wolle scharfe Soße?“ und ist ebenfalls ein anschauliches Beispiel für die Verknappung von Kommunikation unter verschärften Bedingungen. Für Einwanderer stellt nämlich die Tätigkeit in der Gastronomie oder sogar die Eröffnung eines eigenen Lokals eine nicht unattraktive Möglichkeit der Integration und des sozialen Aufstiegs dar. Man verkauft seine eigene Expertise und muss, zumindest im Verkauf, nicht perfekt Deutsch sprechen, um Erfolg dabei zu haben. „Wolle scharfe Soße?“ ist da für den Anfang vollkommen ausreichend.

In den Niederlanden entspricht aufgrund der Kolonialgeschichte des Landes die Dichte chinesisch-indonesischer Imbisse in etwa der unserer Dönerbuden. „Sambal bij“ ist eine Frage die man dort mitunter gestellt bekommt – ob man in kleinen Plastikdöschen abgepackte Chili-Gewürzmischung dazu haben möchte. Ein Satz, der sich zu einem flächendeckenden Stereotyp entwickelt hat und der die Universalität der Begegnung in Form von Essen und Trinken deutlich macht. Indonesisches Sambal oder türkische scharfe Soße sind nur zwei von vielen aktuellen Beispielen. „Ein wenig frischer Parmesan?“ beim Italiener wird irgendwann einmal genau so exotisch geklungen haben.

miniportion 045: chinaimbiss

Imbisstheke Stromkasten, Aachen 2013

Imbisstheke Stromkasten, Aachen 2013

Als Oberstufenschüler besuchte ich gerne einen am Markt gelegenen Imbiss namens Nam phat, dessen Name einen vietnamesischen Einschlag vermuten lässt und den wir dem gängigen Oberstufenschülerhumor gemäß gerne als „Mampf wat“ bezeichneten. Was dort verzehrt wurde spielte keine so große Rolle, weil wir zum einem eh immer knapp bei Kasse waren und zum anderen vor allem vor dem Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt dorthin gingen, um eine fettige Grundlage zu schaffen. Frittierter Bambuskuchen mit süß-saurer Soße befriedigte übrigens beide Bedürfnisse. Heute befindet sich an dieser Stelle ein Geschäft für Handtaschen zweifelhafter Ästhetik und Herkunft.

In den USA aß ich zum ersten Mal chinesisches Essen – oder zumindest das, was man je nach Land dafür hält – aus einer dieser weißen Pappboxen mit Henkel. Die sind vor allem sehr beliebt in Filmen, die in New York spielen. Meist sind die Protagonisten dann gerade in eine neue Wohnung eingezogen oder haben ein traumatisches Erlebnis hinter sich gebracht. Sie sitzen dann auf einem bequemen Sofa, tragen legere Kleidung und essen ganz nonchalant aus diesen Pappschachteln. Hierzulande assoziiert man sie eher mit Imbissbuden Asia Style, die ein eher übersichtliches, auf diverse Sorten gebratene Nudeln beschränktes Angebot haben. Aber das ist eine eher rezente Entwicklung.

Früher besuchten meine Eltern nach dem samstäglichen Einkauf in der Stadt gerne den entre nous so genannten „Stehchinesen“. Dort wurde dann an einem der namensgebenden Stehtische ein gemischter Teller verzehrt, der, so meine ich mich zu erinnern, die Nummer 8 auf der Karte hatte. Der Stehchinese stellte vor Jahrzehnten bereits seinen Betrieb ein, vermutlich weil im Verlaufe der städtebaulichen Aufwertung des Straßenzuges die Miete des Ladenlokals unerschwinglich geworden war. Mit der heute dort befindlichen Pasta-Manufaktur wurde die bundesdeutsche kulinarische Migrationsgeschichte dann einfach umgedreht.