Tag Archives: champagner

ethnografische notizen 123: feste feiern

31 Dez
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen ... Köln, Dezember 2015

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen … Köln, Dezember 2015

Am 21. August 2015 tranken Freund D. und ich ein Bier auf einem Jahrmarkt, den man anlässlich der Reit-EM auf dem Aachener Katschhof installiert hatte. Das ist an und für sich ja nichts besonderes. Bemerkenswert ist hingegen die Tatsache, dass wir uns a) im Umfeld der Reiterspiele befanden (wo ich mich nicht im allergeringsten für Pferdesport erwärmen kann) und wir b) Bitburger tranken (was ich im wahren Leben für gewöhnlich erfolgreich zu vermeiden weiß). Weiterlesen

miniportion 352: champagner

4 Feb
Champagner für alle, Reims 2012

Champagner für alle, Reims 2012

Einmal übernachteten wir auf einer Tour durch die Champagne bei den Besitzern eines ehemaligen Steinbruchs. An jenem lauen Sommerabend saßen wir unter einem Nussbaum an der Seite des ehemaligen Gutshauses, welches dem Namen nach wohl einmal einem Bischof gehört hatte. Ein kleiner dicker Dackel schwarwenzelte uns um die Beine und wir tranken eine Flasche hervorragenden Champagners, den es zum sensationellen Preis von Euro 13,- bei der Hausherrin zu bestellen gab. Das gefiel uns allen gut und da Madame erwähnt hatte, dass es sich um einen befreundeten Winzer handeln würde, befragte ich am nächsten Morgen im Frühstücksraum auch ihren Mann nach der Herkunft des Getränks. Das war eher höflich gemeint, wurde aber folgendermaßen erwidert. Monsieur entschuldigte sich nämlich für einen Moment und kam kurz darauf zurück, um uns mitzuteilen, dass sein Freund, jener Winzer, auf unsere Ankunft warten würde.

Die nun folgende Geschichte hat sich im Laufe der Jahre zu einer gerne erzählten Anekdote entwickelt, ich muss an dieser Stelle aber darauf hinweisen, dass mir zu zunächst von allen drei Reisebegleitungen die Hölle heiß gemacht wurde. Nachdem wir nämlich erkannten, dass wir uns des Besuches wohl nicht entziehen würden können, landeten wir im Wohnzimmer des im Nebenerwerb tätigen Winzers auf dem bereits mehrere Flaschen Champagner auf die Verkostung warteten, seine Frau stellte das Bügeleisen im Hauswirtschaftsraum beiseite und beide nahmen erwartungsvoll in der Sitzgruppe aus cremefarbenen Leder Platz. Es folgte eine etwas beklemmte halbe Stunde, die ich – als einziger des Französischen mächtig – mit höflicher Konversation zu füllen versuchte, während die anderen den Wildschweinkopf an der Wand betrachteten oder zum Rauchen vor die Tür gingen. Schließlich war es Zeit zu gehen und aus lauter Verlegenheit erstanden wir schließlich einige Kartons Champagner. Zumindest das haben wir aber nie bereut.

miniportion 108: sektschale

9 Mai
Bulles in rosé, Reims 2012

Bulles in rosé, Reims 2012

Das Smartphone schlägt mir den Begriff „deutschsprachig“ vor, als ich „Sektschale“ tippen möchte. Das ist lustig, aber auch nicht ganz verkehrt, weil ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass man auch außerhalb Deutschlands eine spezielle Glasform entwickelt hat, um die lästige Kohlensäure beim Konsum von Sekt-, Schaum- und Perlwein zu eliminieren.

Einmal besuchte ich einen Vortrag des Comité Champagne im örtlichen Deutsch-Französischen Kulturinstitut. Man hatte einen Physiker eingeladen, der über die Bedeutung der „bulles“, also derjenigen Bläschen, die die Raffinesse des Getränks der Getränke ausmachen, referierte. Der junge Naturwissenschaftler kannte sich dabei nicht nur mit den physikalisch-mechanischen Voraussetzungen der Bullesbildung aus, sondern berichtete auch sehr versiert über die Beschaffenheit idealer Champagnergläser. Selbige dürfen nämlich nicht klinisch sauber sein, weil die Bläschen sich sonst nirgendwo sammeln können. Die aus diesem Grunde – bei besseren und somit teureren Gläsern – am Boden angebrachte Gravierung sollte aber nur dezent sein, weil sonst ein zu starker senkrechter Bläschenstrom das Getränk schneckenförmig in Wallung bringt, so dass sich die Blume nicht entfalten kann. Basiskenntnisse eben, wissen wir ja.

Die Sektschalen meiner Eltern hätte dieser Franzose vermutlich nicht einmal als Getränkebehälter erkannt, geschweige denn als Serviergefäß für Champagner. Es handelt sich dabei um flache Schalen mit schwerem Fuß, mit denen seit Jahr und Tag bei Geburts- und Feiertagen angestoßen wird. Selbstredend mit Sekt, Champagner war und ist bei aller Liebe zum guten Leben in meinem Elternhaus unbekannt. Außerdem wird in ihnen an Weihnachten die Rotweincreme von Dr. Oetker serviert. Jedes Mal überkommt mich dann das unheimliche Bedürfnis, in den flachen Rand beißen zu müssen. Aber das ist im Gegensatz zur Bläschenentwicklung eine ganz persönliche Empfindung.