Tag Archives: Butter

Kas|sen|zet|tel 006

20 Jan

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Kassenzettel 006, Aachen 2016

Kassenzettel 006, Aachen 2016

Eine viel befahrene Ausfallstraße in den Aachener Norden. Aachens letztes Schirmgeschäft und ein paar hundert Meter weiter ein Museum für zeitgenössische Kunst in Aachens letzter Schirmfabrik. Eine KIK-Filiale, ein Kaisers mit Parkplatz, eine Videothek und eine hübsche altmodische Apotheke. Weiterlesen

miniportion 317: ontbijtkoek

10 Dez
Honigkuchen deutscher Art, Aachen 2013

Honigkuchen deutscher Art, Aachen 2013

Ich erinnere mich, dass in meiner späten Jugend einmal in den Medien eine Diskussion ausgetragen wurde, in der es darum ging, ob der Ausdruck „Altweibersommer“ noch zeitgemäß wäre, oder ob es sich dabei nicht vielmehr um eine diskriminatorische Bezeichnung eines eigentlich ansprechenden Jahreszeitenabschnitts handele. Zu einem abschließenden Ergebnis ist man damals vermutlich nicht gekommen.

Der Ausdruck rührt aber, wenn ich mich nicht irre, von den großen und kleinen Spinnentieren, die sich im Spätsommer an seidenen Fäden vom Wind treiben lassen und damit an die grau-weißen Haare von Seniorinnen erinnern. Das finde ich persönlich nun nicht besonders despektierlich. Da ist man beispielsweise in den Niederlanden weniger zimperlich, beispielsweise in der Benennung eines sehr weichen, hellen und weichen Honigkuchens, die auf die nachlassende Beißkraft älterer Damen verweist. „Oudewijvenkoek“, zu Deutsch „Altweiberkuchen“, gibt es nach wie vor in jedem gut sortierten Supermarkt. Vielleicht ist die Zielgruppe dieses Backwerks ja auch froh um eine derart eindeutige Kennzeichnung. Die Auswahl an „Ontbijtkoek“, zu Deutsch „Frühstückskuchen“ ist bei den Nachbarn nämlich ungleich größer. Mit und ohne Nüsse, Ingwer, Apfel oder Perlzucker gibt es ihn – da können unsere schlichten, eher trockenen Schnitten wahrlich nicht mithalten. Trotzdem ist Honigkuchen ja auch bei uns präsent, wie eine kurze und nicht repräsentative Umfrage in den Sozialen Medien deutlich macht. Auf die Frage nach dem drauf und drunter wurden mit Schwarzbrot (eine eher rheinische Komponente), dünner oder dicker, zimmerwarmer oder kühlschrankkalter Butter und sogar cholesterinreduzierter Margarine vergleichsweise dogmatische Antworten gegeben. Für mich sind momentan aber weder Honigkuchen noch Ontbijtkoek besonders wichtig. Vielleicht, wenn ich einmal in den Frühherbst des Lebens gelange, wird sich das ändern. Irgendwann sind wir ja alle froh, nicht mehr kauen zu müssen.

miniportion 310: plätzchen

2 Dez
Springerle ohne Butter und ohne Mandel, Aachen 2010

Springerle ohne Butter und ohne Mandel, Aachen 2010

Heute ist die hier erzählte Geschichte dem Adventskalender-Projekt meiner Blogger-Kollegin „giftigeblonde“ gewidmet, deren tägliches Treiben ich jeden Tag mit viel Interesse verfolge!

Ab Ende November ungefähr, wenn der Himmel bei kaltem Wetter morgens oder abends besonders schön rosarot gefärbt war, sagten meine Eltern uns, das Christkind backe gerade Plätzchen. Das kam mir als Kind sehr logisch vor, weil ab diesem Zeitpunkt auch meine Mutter damit beschäftigt war, diverse mit einer Papierserviette ausgelegte Metalldosen zu füllen, die dann im ungeheizten und dunklen Gästezimmer auf der alten Nähmaschine aufbewahrt wurden. Dieser Raum befand aus Kindersicht strategisch ziemlich günstig in einer Ecke des Hauses, so dass man ihn mit etwas Geschick auch unbemerkt besuchen konnte. Visiten, die gelegentlich zu Protesten der Plätzchenproduzentin führten, die die von ihr zusammengebackenen Vorräte für die Weihnachtstage schwinden sah. Heute denke ich, dass sie die Verluste schon einkalkuliert hatte. Aber damals wurde – zumindest offiziell – das Weihnachtsgebäck erst ab Heilig Abend gegessen. Der Advent war ja schließlich einmal so etwas wie eine Fastenzeit.

Auch die Großmutter meines Mannes war eine ziemlich produktive Hausfrau, die jährlich für meine Schwiegereltern und für jedes der beiden Enkelkinder jeweils ein Kilogramm Mehl zu Butterplätzchen verarbeitete, welche ausdrücklich schon vor den Feiertagen zu essen waren. Diese Angewohnheit behielt sie bei, bis sie sich schließlich mit 90 Jahren nach dem Umzug ins betreute Wohnen nicht mehr an einen neuen Backofen traute. Seitdem versuche ich mich immer wieder mal an ihrem Rezept, das aus eher vagen Angaben für Mehl, Zucker, Butter, Eier und Backpulver besteht. Dabei nehme ich „etwas mehr“ Butter, so wie es auf dem Zettel steht und ich pelle auch die Mandeln für obendrauf von Hand, weil die geschälten aus dem Laden „viel zu teuer“ sind. Das Ergebnis ist meistens passabel, reicht aber nie – auch nicht in meinen Augen – an die Originale von Oma heran. Ob nach ihrem Tod das Christkind die Regie beim Backen abgeben musste, ist übrigens noch ungeklärt.

miniportion 173: kühlschrank

13 Jul
Kühlschrank – große Variante, Bonn 2004

Kühlschrank – große Variante, Bonn 2004

Der Kühlschrank ist für uns in Deutschland eine eher intime Angelegenheit. Allenfalls in jüngeren Generationen geht man auch bei Freunden einfach so mal an den Kühlschrank, um sich ein Bier oder eine Cola zu holen. In der Generation meiner Eltern wäre das undenkbar. Das hat nicht nur etwas mit Gastlichkeit zu tun, sondern vermutlich auch mit einem aus den Nachkriegsjahren stammenden Reflex. Aus einer Zeit also, als Ernährung eine Statusfrage war und die Kinder in manchen Familien beigebracht bekamen, Margarine als (gute) Butter zu bezeichen. Was sollten denn schließlich die Nachbarn denken?

In den USA ist das anders. Dort sind die Kühl- nicht nur zumeist so groß wie Kleiderschränke, sondern auch ganz unproblematisch für alle zugänglich – auch für Gäste. Das hat nicht nur mit Pragmatismus und Ungezwungenheit zu tun sondern ist ebenfalls ein Relikt aus der 1950er und 60er, in den Essen auch in den USA eine Statusfrage war und man möglichst allen zeigen wollte, was und vor allem in welchen Mengen im Kühlschrank vorhanden war.

Während ich also bei der Oma väterlicherseits nur ein Glas Multivitaminsaft aus dem Kühlschrank nahm, wenn sie gerade nicht dabei war, musste ich mich nach meiner Ankunft in den Staaten ziemlich umgewöhnen. Da machten Freunde nicht nur einfach so die selten abgeschlossene Haustüre auf (Misstrauen ist nämlich kein besonders amerikanischer Charakterzug), sondern bedienten sich auch ohne zu zögern sowohl im Küchenkühlschrank am Essbaren als auch in der Garage an den Getränken. Das Getränkelager erwähnte ich bereits, aber auch die Vorratshaltung in der Küche ist erwähnenswert. Sie bestand neben einer Grundausstattung für Bologna-Sandwiches und Hotdogs aus aus zahllosen Frischhaltedosen, in denen die sogenannten Leftovers der gemeinsamen Familienmahlzeiten (ja, noch ein Klischee weniger!) aufbewahrt wurden. Da hätte ich nur noch Miniportion und eine entsprechende Nummer draufschreiben müssen …

miniportion 131: sonnenblumenmargarine

1 Jun
Keine Margarine, aber weltberühmte Butter, Isigny sur Mer 2011

Keine Margarine, aber weltberühmte Butter, Isigny sur Mer 2011

Margarine assoziierte ich lange mit fröhlichen Frauen mit dicken, blonden Zöpfen und topfähnlichen Strohhüten, die fröhlich vor sich hin klingelnd mit dem Fahrrad fröhlich lachende Kleinfamilien mit Streichfett in runden Bechern aus Polypropylen beglückte. Da freute sich sogar der Hunde der Familie. Sie ist rein pflanzlich und voller Vitamine“, sagt die Stimme aus dem Off und vermutlich war damit das Produkt gemeint und nicht seine jugendliche Überbringerin. Später dann wurden die Werbespots mit der engelsgleichen Stimme von Nana Mouskouri unterlegt, die hierzulande mit ihrem „Guten Morgen, guten Morgen“ bedauerlicherweise eine untrennbare schlagerbehaftete Verbindung mit der Pflanzenmargarine einging, während die anderswo als große Künstlerin in die Geschichte einging.

Von Erotik keine Spur. Auch nicht in meinem ersten Backbuch mit dem Titel „Wir backen mit Sanella“, dass nicht nordisch blond und blauäugig daherkam, sondern eher in den Braun- und Orangetönen der 1970er Jahre und in dem Kinder zu sehen waren, die mit fragwürdigen Frisuren mit ihrer dauerhaft lächelnden Mutter Zitronenkuchen mit bunten Smarties verzieren durften. Das Buch bekam ich einmal von einer Nachbarin geschenkt, die ich sehr faszinierend fand, weil sie aus figürlichen Gründen eines dieser Fettweg-Rüttelgeräte besaß, die damals gerade in Mode waren. Aber das ist eine andere Geschichte.

Dann kam Lätta, die Halbfettmargarine aus Schweden und plötzlich war auch Butterersatz irgendwie sexy. Das war so eine Art Ikea-Effekt, obwohl es beim Erfolg des Produktes weniger um Inhalt oder Geschmack ging, sondern um das simulierte Lebensgefühl von schlanken, blonden und vielfach spärlich begleiteten Menschen, die sich paarweise in der freien Natur räkelten. Der Fettanteil einer „Sonnenblumenmargarine“ muss übrigens zu 97 % aus Sonnenblumenöl bestehen. Aber wen interessiert das schon?