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ethnografische notizen 224: berlin 2017/01

17 Jan

Nach dem Kino laufen wir über den Kottbusser Damm zurück nach Neukölln. J., der eine Woche gefastet hat, spricht den ganzen Abend schon von einem halben Döner, den er gerne essen möchte. Mir jedoch ist nicht nach der anderen Hälfte. Auf halbem Weg landen wir als Kompromiss im Burrito-Fenster. Mit einem Beef und einem vegetarischen Burrito – beide scharf und mit extra Guacamole – nehmen wir im Verkaufsfenster des ehemaligen Spätis platz. „Nix los heute Abend“, sagt J. und schaut über die Straße in Richtung des koreanischen Grillrestaurants.

Burritofenster Berlin, Januar 2017

Burritofenster Berlin, Januar 2017

Die Tortilla kann, wenn sie von feiner und gut durchgequetschter Masse, gut gebacken ist und ganz frisch in einer sauberen Serviette geboten wird, vollkommen befriedigen (…) Da man aber leider nicht immer frische Tortillas bekommt, wenn man keine eigene Tortillera zur Verfügung hat, so hilft man sich, indem man die kalt gewordenen am offenen Feuer röstet (…)“

Cäcilie Seler, Mexikanische Küche. In: Zeitschrift für Volkskunde 19 (1909)

Mehr zum Burrito hier.

miniportion 064: burrito

26 Mrz
Restaurant El Popo Limburg, Heerlen 2013

Restaurant El Popo Limburg, Heerlen 2013

Als ich im Alter von 17 Jahren in die USA ging, hatte ich eine sehr vage Vorstellung von Mexiko. Dass ich für ein Jahr lang, dort im Südzipfel des Bundesstaates Nevada, der Küche der Vereinigten Mexikanischen Staaten sehr nahe sein würde – davon hatte ich keine Ahnung.

Zum ersten Mal war ich für längere Zeit weg von zuhause und zum ersten Mal war alles fremd. Auch das Essen. Das Abenteuer begann mit einer Reise zur Insel Santa Catalina, ehemaliger Privatbesitz des Kaugummiherstellers William Wrigley Jr. und malerisch vor Los Angeles gelegen. Auf dem Weg dorthin machte ich  unvermittelt Bekanntschaft mit Rootbeer, auf der Insel aß ich (erstmalig und wohl auch letztmalig) frittierte Austern und auf der Heimfahrt in einem chinesischen Lokal meinen ersten Glückskeks.

Knapp 50 Prozent der Schüler und Schülerinnen meiner High School hatten einen hispanic background, wie man das ein wenig verblümt nannte. Die meisten ihrer Eltern stammten aus Mexiko. Das führte im Schulalltag zum typisch amerikanischen Nebeneinander, welches durch persönliche Beziehungen und die gemeinsame Vorliebe für die Fastfoodkette TacoBell – die günstigste Art sich zu ernähren – durchbrochen wurde.

Das Verhältnis meiner durchaus konservativ zu nennenden Gasteltern zu ihren südlichen Nachbarn hingegen war ein wenig ambivalent. Mexiko sei gefährlich, so ihr Gesamturteil, und auch nicht besonders sauber. Besuche in mexikanischen Restaurants gehörten aber durchaus zum Familienalltag. Es dauerte nur wenige Wochen, bis wir an einem Sonntagabend ein ebensolches aufsuchten. Hilflos betrachtete ich die Speisekarte, auf der sich ausschließlich mexikanische Gerichte mit spanischem Namen und ohne Erläuterung befanden und traute mich nicht zu fragen. Schließlich bestellte ich das, was mein gleichaltriger Gastbruder orderte. Konnte ja so nicht verkehrt sein. Eine Strategie, die ich eine ganze Weile beibehielt. Burrito ist übrigens Spanisch für Eselchen.