Tag Archives: büro

miniportion 241: spaghetti

22 Sep
Freitagmittag im Büro, Aachen 2013

Freitagmittag im Büro, Aachen 2013

„Was ist das denn?“, frage ich einigermaßen entgeistert, als Kollege S. seine Pizza aus dem Karton packt, „so was habe ich ja noch nie gesehen!“ Es ist Freitagmittag und somit Zeit im Besprechungsraum mit einem Glas auf das Wochenende anzustoßen. „Das“, antwortet Kollege S., „ist Pizza und Spaghetti in einem. Du hast wohl noch nie nachts im besoffenen Zustand Essen bestellt.“ Da hat er recht. Was aber nicht daran liegt, dass nicht auch ich hin und wieder mal im nicht-nüchternen Zustand Heißhunger verspüren würde, sondern eher daran, dass in genau diesem Zustand, mitten auf dem Weg nach Hause, eine Filiale von Burger King zu finden ist. Die hat mir bislang aber noch nie angeboten, verschiedene Produkte ihres Sortiments in einem Gericht zu vereinen.

Bislang dachte ich deshalb immer, dass sich dergleichen Experimente, beispielsweise bei der Zubereitung von Pizzen auf das Hinzufügen von Elementen eines anderen Gerichtes beschränken würden. Etwa auf Gyros-Schnipsel oder Wurststückchen, Gurke und Röstzwiebel auf der berühmten Hotdog-Pizza von Freund M.. Dass man aber einfach zwei Bestellungen aufeinander packt, war mir wirklich neu. „Aber warum nicht?“, denke ich mir noch, bevor die Konversation einen anderen Weg einschlägt, weil die von Kollegin Z. für diesen Anlass besorgte Flasche Rotkäppchensekt von Unbekannten aus dem Kühlschrank entwendet wurde.

Als Kind der 1980er wuchs ich in einer Zeit auf, in der Nudelgerichte in Deutschland eine interessante Wendung nahmen. Weg von Makkaroni mit Butter als Beilage zu gutbürgerlichen Gerichten, hin zu eigenständigen Pastavariationen mit italienischem Flair. Irgendwann wusste man in Deutschland, dass zu bestimmten Pastasorten, bestimmte Soßen gehören und bestimmte Kombinationen ein absolutes No-Go sind. Da fällt mir ein, dass ich in der Aufregung völlig vergessen habe, meinen Kollegen zu fragen, ob seine Pasta denn auch „al dente“ war.

miniportion 171: macaron

11 Jul
Himbeer oder Schokolade, Saint-Malo 2011

Himbeer oder Schokolade, Saint-Malo 2011

Immer, wenn im Büro das Gespräch auf Macarons kommt – und geringfügig häufig wird bei uns über Essen gesprochen – dann gibt es zwei Kollegen, die betonen, diese seien ja sehr einfach herzustellen und sie würden mir bei Gelegenheit mal das richtige, das echte, das einzig wahre Backbuch mitbringen. Beiden übrigens traue ich perfekte, wunderschöne und schmackhafte Macarons zu, und dennoch habe ich weder Rezept noch Original je zu Gesicht bekommen. Aber vielleicht darf man unter Kollegen ja auch bestimmte Dinge nur anfeaturen, wie das auf neudeutsch heißt. Gewissermaßen um die Spannung hoch zu halten. Aber ich komme noch dahinter, das verspreche ich Euch!

Als Bewohner eines ehemaligen Zollgrenzbezirks habe ich es bei der Beschaffung dieses hübschen pastellfarbigen Trendgebäcks aus Mandelmehl, Zucker und Eiweiß ja ohnehin vergleichsweise einfach. Seit einigen Jahren nämlich gibt es nicht nur deutsche Hard-Discount-Supermärkte im benachbarten Belgien, sondern auch diverse Filialen gewiefter belgischer Konditoren oder Pâtissiers auf der Grenze oder sogar in Deutschland. Und die Besonderheit belgischer Koch- und Backkunst liegt ja bekanntlich in der frankophilen Raffinesse bei gleichzeitiger Vorliebe für Handfestes und Deftiges. Ein Befund, der sich übrigens auch durch die meisten kulturellen Produktionen unserer Nachbarn zieht.

Obwohl ich dem größten Macaron ever vor einem Jahr in Frankreich begegnete. Denn obwohl es den Doppelkeks de luxe schon seit dem Mittelalter gibt, erfreut er sich auch dort einer zunehmenden Beliebtheit und rezent auch diversen exotischen Variationen in Form, Geschmack und Temperatur. Und so begab es sich, dass mein Mann sich an einem verschlafenen Sonntagmittag in der Fußgängerzone von Reims einen Macaron Magnum kaufte, der ungefähr die Größe eines Handtellers hatte. Wenn da der Pâtissier nicht mal einen Ausflug nach Belgien gemacht hat.

miniportion 095: spam

26 Apr
Corned Beef an Kölner Dom (Serviervorschlag), Aachen 2013

Corned Beef an Kölner Dom (Serviervorschlag), Aachen 2013

„Facebook markiert Deine Beiträge als Spam“, schreibt Freund S. anlässlich einer Glosse zum Thema Rhabarbersaft, „eine Frechheit!“ Mit letzterem hat er Recht, achte ich doch peinlich darauf, niemanden zum Lesen zu zwingen. Aber Facebook ist auch nicht so ganz auf dem falschen Weg, den Spam kann man im wahrsten Sinne des Wortes essen.

Neulich fand ich auf der Arbeit eine Dose Spam. Das ist eigentlich nichts ungewöhnliches, denn dort, in der Mailbox oder versehentlich vielleicht auch einmal ausgedruckt, vermutet man Spam ja auch. Einladungen zum Glücksspiel, Anfragen afrikanischer Millionenerben und Angebote für Penisvergrößerungen. Unerwünschte Annäherung – man kennt das ja. Diese Dose befand sich aber nicht im Kopierraum oder auf dem Schreibtisch eines Bereichsleiters, sondern in der Teeküche. Beim der Durchsicht eines alten Schranks – während ich auf mein Teewasser wartete – entdeckte ich eine blaue Metalldose mit der Aufschrift „chopped pork and ham“. Deren Inhalt (eine Art Corned Beef) war übrigens der Namensgeber für die erwähnten digitalen Postwurfsendungen. Einerseits war ich nun sehr erfreut über diesen seltenen Fund und die Möglichkeit mit den Kollegen und Kolleginnen über dessen Herkunft zu spekulieren. Gleichzeitig aber wollte ich das Objekt ganz für mich alleine haben. Wer besitzt schon eine Dose Spam? Nun darf man, nicht als Kulturanthropologe und schon gar nicht als Angestellter eines kommunalen Zweckverbands, keine Dinge nehmen, die einem nicht gehören. Aber wem gehört schon eine Dose Corned Beef, die laut Mindesthaltbarkeitsdatum bereits 526 Tage abgelaufen ist? In diesem Fall, so entschied ich, wog das wissenschaftliche Interesse mehr als die Summe der moralischen Bedenken und nahm die Dose mit in mein Büro. An dieser Stelle sei der Ordnung halber aber darauf hingewiesen, dass, sollte sich der ordnungsgemäße Besitzer der Fleischware bei mir melden, ich diese gerne unbeschadet zurückerstatten werden.