Tag Archives: Brot

Supermarkt-Challenge 03/07

22 Okt
Bäcker Engelbert Schlechtrimen mit Möhrenbrot, Kalk, Oktober 2018

Bäcker Engelbert Schlechtrimen mit Möhrenbrot, Kalk, Oktober 2018

„Wir gehen heute zum Bäcker“, sage ich zum Kind. „Bäcker gehen“, sagt das Kind und ist sichtlich erfreut. Vermutlich, weil zum Bäcker gehen bedeutet, dass man etwas zu essen in die Hand gedrückt bekommt – ein Rosinenbrötchen etwa. Vielleicht aber auch, weil ihm klar ist, dass der Bäcker auf dem Weg zu seinem geliebten Schaukelauto liegt. Man weiß das nicht so genau. Weiterlesen

food haul #003 – 8 bäckereien

21 Apr

Derzeit wird nicht nur unter Food-Bloggern viel über die neue Werbekampagne von Lidl diskutiert. Mit ziemlich viel Geld und Aufwand bastelt man dort an einem neuen Image als letzter Hort des Guten Essens.

Aber anstatt mich über Qualität und Produktionsbedingungen von billiger Massenware zu echauffieren, möchte ich lieber zeigen, warum es sich lohnt, beim Bäcker und nicht im Discounter oder Backshop zu kaufen …

miniportion 355: abendbrot

9 Feb
Abendbrot mit Aufschnittplatte, Köln 2014

Abendbrot mit Aufschnittplatte, Köln 2014

Eine Frau aus Kamerun erzählte mir einmal, dass ihr erstes richtiges deutsches Abendbrot ein ziemlicher Kulturschock für sie gewesen sei. Sie sei damals bei einer Deutschen in Dresden eingeladen gewesen und habe ziemlich gestaunt ob der vielen unterschiedlichen Dinge, die da auf dem Tisch gestanden hätten, die man zu zweit niemals an einem Abend hätte aufessen können und die somit verderben sicherlich verderben würden. An die Vorstellung, Lebensmittel mehrmals auf den Tisch zu bringen habe sie sich mittlerweile gewöhnt, fasste sie ihre Ausführungen zusammen, aber es falle ihr nach all den Jahren immer noch schwer, belegte Brote und warmen Tee als eine vollständige Mahlzeit zu betrachten.

So hatte ich das Abendbrot noch nie betrachtet. Die interkulturellen Unterschiede scheinen mir bei genauerer Analyse vor allem in der dauerhaften Konservierung von Lebensmitteln zu liegen und natürlich in der deutschen Fixierung auf gutes und vor allem sättigendes Brot. Wenn man die nicht hat, kann einem das mit dem Abendbrot schon mal schwer fallen.

In meinem ganz persönlichen Tagesablauf habe ich das Abendbrot übrigens auf den Mittag und somit in den meisten Fällen ins Büro verlegt. Da esse ich nämlich fast täglich mein Müslibrötchen aus der Bäckerei schräg unter meiner Wohnung – mit Käse, Senf und zwei Scheiben Schwarzbrot. Damit sorge ich seit Jahren für die Erheiterung des einen oder anderen Kollegen. Wenn ich dazu auch noch Kräutertee trinke, werde ich meist gefragt, ob mir unwohl sei. Abends hingegen sind mir belegte Brote nur in Ausnahmefällen genehm – beispielsweise als schwedisches Smörgåsbord, dass mir zumeist für mich alleine aber ein wenig zu aufwändig ist. Grundsätzlich aber bin ich in dieser Angelegenheit ganz bei der kamerunischen Kollegin, die es mit einem leider nur schwer in Buchstaben zu fassendem Akzent folgendermaßen formulierte: „Essen muss warm sein und heftig sein!“

ethnografische notizen 027a: manger avec les liègeoises

14 Mrz
Aachen 2011 (danach)

Aachen 2011 (danach)

Aperitif

> Sauerteigbrot, Mehl aus der Moulin du Val Dieu, Sorte “ céréales“, Belgien

> „L’Estornell“, natives Olivenöl extra aus biologischem Anbau, Katalonien

> Gros sel de Guerande, Bretagne

> Crémant d’Alsace, Cave de Turckheim (mit oder ohne Cassissée de Dijon)

Vorspeise

> Carpaccio aus Roten Beten mit Speck und Walnüssen

aus: Onno Kleyn & Loethe Olthuis „52 weekend menue’s”, Amsterdam 2010

> Chateaux Anniche (Rosé), Bordeaux 2009, Merlot/Cabernet Sauvignon

Hauptgericht

> Zoervleisj, in Essig mariniertes Rindfleisch mit Printe, Apfelkraut und Zwiebeln

aus: o.A. „Limburgse Pot. Van mergpudding en möffelkook. Limburgse streekgerechten en wetenswaardigheden“,  Baarn 2000

> Thüringer Klöße

aus: „Dr. Oetker Schulkochbuch für den Elektroherd, Bielefeld 1960/Nachdruck 2001

> Gorilla Primitivo, Puglia 2009

Nachtisch

> Ananasweincrème mit Trittenheimer Altärchen, Riesling Spätlese, 2009

Familienrezept

Kaffee

> Äppelkaka med hasselnötter

aus: Ann Kristin Hallgren „Äppelkakor“, Västerås 2005
> 100% Arabica „Rosso“, Rösterei Van Dyck Köln-Ehrenfeld

> Tokaji Sáramuskotály, Törlölypálinka, Termér 2006 (40%)

ethnografische notizen 26: sauerteigbrot

17 Feb

Aachen, Februar 2011

Sauerteig, dachte ich bislang immer, ist eine sehr komplizierte Angelegenheit mit der gelegentliche Hobbybäcker, wie ich einer bin, restlos überfordert seien. Lediglich einmal, als ich im Rahmen einer klinischen Studie einer Histaminunverträglichkeit bezichtigt wurde, hatte ich mich bislang selber an die Herstellung eines Sauerteigbrotes gegeben. Keine Hefe mehr, hatte die ziemlich direkte Medizinerin im Bonner Universitätsklinikum befohlen, vertragen sie nicht. Prima, dachte ich, denn neu auferlegte Speisevorschriften haben ja auch immer etwas von einer Aufbruchsstimmung. Eine anschließende Marktrecherche ergab jedoch, dass ein hefefreies Brot nicht so ohne weiteres erhältlich ist. „Hefe“, wiederholte die Verkäuferin der Bäckereikette im Supermarkt, „nicht das ich wüsste.“ „Ich aber!“, dachte ich, „alles muss man selber machen.“ Die vom Internet verlangten 23 Grad schaffte meine Konstruktion aus einem im Wasserbad mit dem Heizstab meines Aquariums temperierten Topf aber nicht und auch nach fünf Tagen blieb der Ansatz, was er von Anfang an gewesen war: eine ziemlich unappetitliche graue Pampe. Mein Brot kaufte ich weiterhin beim Bäcker, die Histaminunverträglichkeit erwies sich als eine modische Erscheinung und die Erzeugung eigenen Sauerteigbrotes flog aus den Top 100 meiner kulinarischen Prioritäten.

Doch die wurden unlängst wieder neu geordnet. Von Carola aus Lüttich bekomme ich ein Stückchen Sauerteig. „Ganz einfach“, sagte sie und dass sie die Kunst des Sauerteigs dereinst ausgerechnet in den Niederlanden gelernt habe, wo sie doch selbst aus dem hübschen ostbelgischen Ort mit dem noch pittoreskeren Namen Sourbrodt stammt. Mit neuem Mut und null Erfahrung mache ich an die Arbeit. In einer metallenen Kastenform produziere ich einen Flachen, harten und ziemlich verbrannten Fladen. Im zweiten Versuch komme ich immerhin schon über die 5-Zentimeter-Marke, aber so ein richtiges Brot ist das noch immer nicht. „Das wird schon“, ermutigt mich meine Schwiegermutter, die ihre Sauerteigphase schon vor Jahren zu Ende gebracht hat, und überreicht mir eine Brotform aus Keramik. Den Dreh mit den Ruhezeiten habe ich mittlerweile raus, die Tücken des Backofens hingegen bleiben unberechenbar – zwei Tage später habe ich ein mäßig aufgegangenes Brot und zwei Brandwunden an Daumen und Zeigefinger, die sich sehen lassen können.

Unter den Kochbüchern meiner Eltern entdecke ich ein Relikt aus deren ökologischen Phase von 1982. Ein schmaler gelb-brauner Band mit dem Titel „Die Kunst des Brotbackens“. Der im hinteren Teil im Kreise seiner Familie abgebildete Verfasser könnte heute vermutlich mühelos als Taliban durchgehen, die Anleitungen und Rezepte hingegen sind jedoch eher friedlich gehalten. Man müsse den Teig spüren, heißt es dort, das Brot zu einem Teil seines Lebens machen. Das gelingt mir erst, als ich bei Manufactum (politisch unkorrekt!) einen Korb aus Peddigrohr für stolze 18 Euro kaufe. „Den Teig spüren“, denke ich, als ich am Abend den Ansatz auf die Heizung stelle. „Das Brot zu einem Teil meines Lebens machen“, sage ich mir, als ich am nächsten Morgen vor der Arbeit knete und walke. Nach zwei Stunden Backzeit halte ich am Abend ein erstes knuspriges, locker leichtes Brot in den vorsichtshalber behandschuhten Händen. War eben doch nicht alles schlecht in den 80ern.