ethnografische notizen 121: bordeauxlicious

Rosé und Rote Bete, Marieneck, Köln 2015 #bordeauxlicious

Rosé und Rote Bete-Birne, Marieneck, Köln 2015 #bordeauxlicious

In diesem Text geht es um Wein. Soviel vorab. Um Bordeauxwein. Über den werde ich noch ernsthaft berichten. Gleich. Aber bevor ich dahin komme, muss ich erst mal eine Weile über Essen reden. Weiterlesen

miniportion 264: rotweinbirne

Rotweinbirne deutscher Art, Mützenich, 2004

Rotweinbirne deutscher Art, Mützenich, 2004

Anhand der Rotweinbirne lässt sich sehr anschaulich verdeutlichen, wie wenig vergleichsweise dicht beieinander liegende Regionen Europas, durch regelmäßigen Austausch auf politischer, wirtschaftlicher und persönlicher Ebene eng miteinander verbunden, von einander wissen.

Meine Schwester pflegte über einige Jahre den Kontakt zu einem jungen Niederländer aus V., den sie anlässlich ihres Abiturs auf einem Campingplatz kennengelernt hatte. Wilde Eifeljahre! Und wie das so ist mit sich verstetigenden Bindungen, werden diese nicht nur durch die jungen Leute gepflegt, sondern auch durch die darüberliegende Generation. Es ist in diesen Fällen Aufgabe der Mütter, ihren Kindern wohlüberlegte Präsente und Aufmerksamkeiten mitzugeben. Vermutlich handelte es sich bei der Gabe meiner Familie um einen Lieferung an Quittengelee, vielleicht war es auch Brombeermarmelade aus Wildsammlung oder ein selbstgebackener Stollen. So genau weiß man das heutzutage nicht mehr. Zurück kam eine Tüte voll kleiner, harter Birnen. Das mag in erster Instanz ein wenig despektierlich klingen, aber man muss wissen, dass sogenannte „stoofpeertjes“, also langsam eingekochte Birnchen eine gesamtniederländische Tradition darstellen und zu diversen herbstlichen und winterlichen Gerichten gereicht werden. In der Tüte befand sich aber noch eine weitere Überraschung – ein zweiter kleinerer Beutel mit Zimtstangen, einer unbedingten Zutat des Birnenrezepts. Seine Mutter habe darauf bestanden, so der etwas verlegene junge Mann, sie sei sich nicht sicher gewesen, ob es in Deutschland auch Zimtstangen gebe.

Es handelt sich bei dieser knappen Anekdote um eine Geschichte, die in den darauffolgenden Jahren gerne zu Besten gegeben wurden und die wir alle sehr lustig fanden. Heute, mit etwas Abstand und erweiterter interkultureller Kompetenz würde ich die Zimtvorsorge als bemerkenswerte Selbstreflexion bezeichnen: Anderswo können die Dinge anders sein.