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ethnografische notizen 264: köln in zeiten von corona

30 Mrz

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Felix Engels, Suderman

Felix Engels, Suderman, Köln (Foto: privat)

Der Bartender führt seit 2015 gemeinsam mit Dominique Simon (Spirits) die Suderman Bar am gleichnamigen Platz im Agnesviertel.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Das ist jetzt schon zwei Wochen her, die Zeit geht schnell um. Das lag in der Luft und wir haben das mit der Schließung der Bars und Restaurants irgendwie vorhergesehen. Dass so etwas kommen würde war klar, aber die Frage war: Wann? Samstag waren wir noch auf einer Sitzung der Klub Komm gewesen, das ist eine Interessensgemeinschaft der Bar- und Clubbesitzer. Schon in der Eröffnungsrede wurde dann verkündet, dass alle Läden geschlossen werden würden. Wir haben den Express aufgemacht und da war die gleiche Schlagzeile zu lesen. Die offizielle Ankündigung kam dann erst zwei Tage später. Wir haben direkt das Team zusammengetrommelt und beschlossen, den Cocktailkurs, der an dem Nachmittag stattfinden sollte, abzusagen. Die Leute haben das Geld zurückbekommen und wir haben an dem Abend gar nicht mehr aufgemacht. Stattdessen haben wir über die Situation gequatscht und dann gemeinsam die Bar geputzt. Bevor jeder sein eigenes Ding macht, haben wir das als Team getan. Das war dann schon eine melancholische Stimmung, da war so eine Ungewissheit. Es war so ruhig auf den Straßen und nur wenige Leute kamen vorbei. Die meisten hatten es ja schon in der Zeitung gelesen. Zum Schluss kam noch der DJ, dem hatten wir aus Versehen nicht abgesagt. Der hat dann auch noch ein Bierchen mit uns getrunken. Das Fass, was wir noch angezapft hatten, das musste ja auch weg.

Dann sind wir erst einmal getrennter Wege gegangen. Wir wussten ja schon, dass wir erst einmal vier, fünf Wochen nicht hinterm Tresen stehen werden und haben uns vorgenommen, dass wir uns weiterbilden und die Dinge erledigen wollen, die wir sonst immer vor uns herschieben, weil zu viel zu tun ist. Da war es auf jeden Fall gut, dass wir gemeinsam den Laden abgebaut haben und ein letztes Mal als Team zusammengekommen sind.

2. Was macht ihr gerade?

In meiner Family haben wir eine gute Routine aufgebaut. Wir stehen ziemlich früh auf, ganz normal, als ob jetzt Kindergarten wäre. Wir frühstücken gemeinsam und strukturieren uns den Tag, damit jeder auf seine Kosten kommt. Ich versuche drei bis sechs Stunden am Tag zu arbeiten – die ganzen Admin-Sachen gehen ja weiter, wir versuchen gerade einen Lieferservice aufzubauen und dann läuft im Hintergrund noch das Barsymposium. Da ist also viel zu tun.

Aber es ist auch schön, Zeit für die Familie zu haben. Wir gehen jeden Tag in den Park und kochen viel. Man hat nicht diesen Zeitdruck mit Terminen und bestimmten Zeiten, an denen etwas passieren muss. Die Kinder kümmern sich ja eh nicht um einen Zeitplan. Das ist schon ganz gut, generell ist die Stimmung zuhause positiv.

Mit meinem Partner bin ich regelmäßig im Kontakt und es gibt WhatsApp-Gruppen in der Barszene, in denen wir uns gegenseitig auf dem Laufenden halten. Gemeinsam mit dem Spirits starten wir in den nächsten Wochen einen Lieferservice für Cocktails.  Wir wollen unter anderem zeigen, dass wir, das Spirits und das Suderman, eng miteinander verbandelt sind. Es wird eine kleine Außerhauskarte mit Signature Drinks und Klassikern geben, beispielsweise Manhattan, Negroni und auch Herrengedecke. Die Leute bestellen, bezahlen und wir liefern dann aus. Das ist im Endeffekt schon alles. Das hatte wir schon länger auf der Liste stehen, nicht erst seit der Krise, und nehmen das jetzt in Angriff.  Wir wollen das aber nicht übers Knie brechen, das soll auch nachhaltig sein.

3. Was werdet ihr als erstes machen, wenn die Krise vorbei ist?

Privat freue ich mich auf jeden Fall wieder auf den Sportverein. Und dann kann ich es kaum erwarten, mit dem Team anzustoßen, dass wir es geschafft haben. Mittlerweile vermissen wir alle den Kontakt mit den Gästen in der Bar. Da freue ich mich drauf, auf die kleinen Details, die unsere Arbeit ausmachen, auf die Drinks, auf die Leute, auf die Aromen, auf die Musik und die Atmosphäre.

ethnografische notizen 257: köln in zeiten von corona

24 Mrz

An dieser Stelle erzählen Kölner Gastronom*innen wie es ihnen gerade geht. Drei einfache Fragen und überraschend offene Antworten.

Interview mit Valentine Mühlberger, Bar Rix

Valentine Mühlberger, Bar Rix, Köln (Foto: privat)

Der Önologin eröffnete vor zwei Jahren ihre Weinbar in der Kölner Innenstadt.

1. Wie war das, den Laden zuzumachen?

Ich hatte am Freitag noch eine Veranstaltung und am Samstag wollte ich eigentlich schließen, dann kamen aber doch noch Leute. Da war mir schon ein bisschen unwohl bei. Weiterlesen