miniportion 044: apfelmus

Apfelmuswärmestation, Köln 2005

Apfelmuswärmestation, Köln 2005

Kalte Speisen sind schlecht für den Magen! Das gilt vor allem für kalte Getränke. Mein Freund S., der einen beträchtlichen Teil seiner Kindheit in Gesellschaft seiner Großmutter, Tanten und deren Freundinnen in Kaffeehäusern mit handwarmen Johannisbeersaft verbrachte, kann das bestätigen. Eine Warnung, die auch meine Mutter gerne ausgab und die in ihrer Risikobehaftung nahe an die des Verzehrs von ungewaschenem Obst herankam.

Bei der Großmutter meines Mannes gab es kaum ein Mittagessen, zu dem kein Apfelmus gereicht worden wäre. Ein Tag ohne Salzkartoffeln und ohne Apfelmus ist ein verlorener Tag! Mit Ausnahme vielleicht derjenigen Monate in denen die einheimischen Feldfrüchte aufgebraucht waren und man bis zur neuen Ernte auf Importe auf Übersee hätte zurückgreifen müssen. Unvorstellbar. Beim Einkauf von Kartoffeln und Äpfeln achtete die Oma daher stets strikt auf deutsche Herkunft – weniger aus patriotischen Gründen, sondern weil sie Transporte aus Gegenden jenseits des Westerwaldes für Wahnsinn hielt. Eine Art Regional-Aktivismus avant la lettre. Einmal mit der flotten Lotte vermust, wurden die Äpfel zum Abkühlen in eine Glasschüssel umgefüllt und etliche Stunden vor dem Mittagessen aber wieder auf der Heizung platziert, um wieder auf magenschonende Temperatur zu kommen.

Bei uns zuhause bekamen wir ab und an von Bekannten von Bekannten eine größere Menge Äpfel geschenkt bekamen. Dann gab es Apfelkuchen vom Blech, dessen dicken Vollkornhefeteig ich entsetzlich trocken fand und eben Apfelmus, das in Glasbehältern mit Plastikdeckeln eingefroren wurde, in denen einmal Zaziki gekauft worden war (das mit dem Selbermachen hatte nicht immer Priorität).

Manchmal fuhr aber auch ein brauner Kombi mit Heinsberger Kennzeichen durch die Straße, und eine kleine, ältere Frau mit einem gelähmten Arm, dessen Hand in einem schwarzen Lederhandschuh steckte, klingelte an den Haustüren, um den Bedarf von Eiern und Äpfeln zu erfragen. So war das damals auf dem Land.

ethnografische notizen 027a: manger avec les liègeoises

Aachen 2011 (danach)

Aachen 2011 (danach)

Aperitif

> Sauerteigbrot, Mehl aus der Moulin du Val Dieu, Sorte “ céréales“, Belgien

> „L’Estornell“, natives Olivenöl extra aus biologischem Anbau, Katalonien

> Gros sel de Guerande, Bretagne

> Crémant d’Alsace, Cave de Turckheim (mit oder ohne Cassissée de Dijon)

Vorspeise

> Carpaccio aus Roten Beten mit Speck und Walnüssen

aus: Onno Kleyn & Loethe Olthuis „52 weekend menue’s”, Amsterdam 2010

> Chateaux Anniche (Rosé), Bordeaux 2009, Merlot/Cabernet Sauvignon

Hauptgericht

> Zoervleisj, in Essig mariniertes Rindfleisch mit Printe, Apfelkraut und Zwiebeln

aus: o.A. „Limburgse Pot. Van mergpudding en möffelkook. Limburgse streekgerechten en wetenswaardigheden“,  Baarn 2000

> Thüringer Klöße

aus: „Dr. Oetker Schulkochbuch für den Elektroherd, Bielefeld 1960/Nachdruck 2001

> Gorilla Primitivo, Puglia 2009

Nachtisch

> Ananasweincrème mit Trittenheimer Altärchen, Riesling Spätlese, 2009

Familienrezept

Kaffee

> Äppelkaka med hasselnötter

aus: Ann Kristin Hallgren „Äppelkakor“, Västerås 2005
> 100% Arabica „Rosso“, Rösterei Van Dyck Köln-Ehrenfeld

> Tokaji Sáramuskotály, Törlölypálinka, Termér 2006 (40%)