Tag Archives: Apfel

Supermarkt-Challenge – off the record

22 Okt
Apfel-Hofverkauf, Mülheim, Oktober 2018

Apfel-Hofverkauf, Mülheim, Oktober 2018

Meine Freunde Julia Bünnagel und Patrick Rieve machen nicht nur zeitgenössische Kunst, sondern zählen auch eine Streuobstwiese in der Eifel zu ihren Aufgabengebieten. Erstmals (und zufällig während der Supermarkt-Challenge) haben sie zum Hofverkauf nach Mülheim geladen. Weiterlesen

Kas|sen|zet|tel 023

5 Mai

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Delhaize, Mons 2016

Delhaize, Mons 2016

Wieder in Belgien. Diesmal auf Dienstreise in Mons. Weil ich meine Zahnpasta vergessen habe, mache ich mich in der Mittagspause auf zum nächstgelegensten Supermarkt. Kalt ist es und nass, obwohl eigentlich Frühling sein sollte und der Kaugummiautomat in der Innenstadt-Filiale des Delhaize ist „en panne“. Weiterlesen

miniportion 370: granny smith

4 Apr
Frutas sana, gente sana, Madrid 2010

Frutas sana, gente sana, Madrid 2010

In Köln gibt es ein sehr angesagtes Bäckerei-Café in dem sehr viele schöne, junge und erfolgreiche Menschen mit Kinderwagen verkehren und wo immer eine große Schale mit glänzenden grünen Äpfeln auf einer Ecke des angesagten Tresens steht. Man weiß eigentlich nicht genau wofür. Vielleicht, damit die schönen, jungen und erfolgreichen Menschen nicht dagegen laufen, vielleicht aber auch als kleines Geschenk für die Gäste – damit sie auch wiederkommen. Die armen Äpfel werden aber von einem Großteil der Kunden einfach ignoriert. Vielleicht weil sie nach einem riesigen Stück Bienenstich oder einer Gulaschsuppe im Röggelchen keine Lust auf einen säuerlichen Apfel haben, vielleicht aber auch wegen der nahezu unheimlich frischen grünen Farbe.

Dabei ist die ja eigentlich das Kennzeichen der Sorte, die wenn man sie übersetzt auch sehr gut aus dem Rheinland stammen könnte, die aber gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Australien entdeckt wurde und vor dem Einsatz als Kundenstopper vor allem zum Backen verwendet wurde. Hauptanbaugebiet sind laut Wikipedia Gegenden in Südeuropa und an der Westküste der USA mit sehr langen Wachstumsperioden. Das wird wohl stimmen, denn obwohl ich ja immer ein offenes Auge für den Obstanbau habe, ist mir noch nie ein Granny Smith-Baum untergekommen.

Man sagt ja, dass man einmal im Leben einen Apfelbaum gepflanzt haben sollte. Die Konsequenzen bei Nichtbeachtung sind mir nicht deutlich, aber zum 60. Geburtstag meiner Mutter schenkten wir ihr eine Rote Sternrenette, die sich als ziemlich unmotiviertes Gewächs entpuppte. So nahm sie sich exakt zwölf Jahre Zeit, um uns einmal mit einer handvoll Blüten zu entzücken. Was keinesfalls bedeutet, dass sie sich bequemen würde uns auch nur kleine Äpfelchen zu schenken. Das dauert vermutlich wieder eine halbe Generation. Vielleicht hätten wir es doch mit Granny Smith versuchen sollen, oder noch besser mit Oma Schmitz.

miniportion 324: gummibär

20 Dez
Mundgeblasener Gummibär, Köln 2013

Mundgeblasener Gummibär, Köln 2013

Erzählte ich bereits, dass es auf der Herrentoilette unseres Büroflügels manchmal sehr intensiv nach Obst riecht? Eine Weile verdächtigte ich den einen oder anderen Kollegen eines doch recht extravaganten Aftershaves. Die sind heute nicht mehr so aktuell, aber es gab mal eine Zeit in der gewisse Männer mit „A*men“ von Thierry Mugler ziemlich genau rochen, wie die mit Schokolade überzogenen Fruchtspieße, die man auf dem Jahrmarkt kaufen kann. Aber das will ich hier nicht vertiefen. Die Ursache des olfaktorischen Fruchstaus auf dem Männerklo ist eine ziemlich große und deutschlandweit bekannte Marmeladenfabrik ein paar hundert Meter weiter. Je nach Produktionszyklus riecht es dann Erdbeeren oder nach Aprikosen, weitere Obstsorten habe ich bislang nicht identifizieren können. Aber immer, wenn es nach Erdbeeren riecht, denke ich „rot“, bei Aprikosen hingegen an ein helles „orange“. Zu mehr synästhetischen Fähigkeiten bringe ich es leider nicht.

Wie die meisten Kinder war ich Gummibärchen sehr zugetan. Nicht nur, weil Kinder Bärchen irgendwie süß finden und gerne auf kleinen Dingen rumkauen, sondern auch, weil man mittels des Fruchtgummis wunderbar Überlegungen über die kausalen Zusammenhänge zwischen Farbe, Geruch und Geschmacksrichtungen anstellen konnte. Laut Hersteller handelt es sich bei Letzteren um Erdbeere, Zitrone, Himbeere, Saftorange, Ananas und Apfel. Grüner Apfel und gelbe Zitrone leuchteten mir ein, den farblichen Unterschied zwischen Erd- und Himbeere fand ich zwar problematisch aber lediglich für die angegilbte Farbe der Ananas hatte ich kein Verständnis.

Seit irgendwann einmal „gummybears“ als mein „favorite candy“ identifiziert wurden, gehören sie zum festen Repertoire des Weihnachtspakets, dass ich seit nunmehr 20 Jahren von meiner amerikanischen Gastfamilie geschenkt bekomme. In den Staaten sind Gummibärchen allerdings ziemlich weich, ziemlich bunt und riechen allesamt wie diese Fruchtspieße auf dem Jahrmarkt.

miniportion 283: multivitamin

4 Nov
Apfel-Apfelsine-Möhre-Zitrone-Ingwer, Aachen 2013

Apfel-Apfelsine-Möhre-Zitrone-Ingwer, Aachen 2013

Zum Geschmack von Möhren habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Roh als Salat finde ich sie toll, ebenso im Eintopf und nach der Zubereitung einer Hühner- oder Rinderkraftbrühe freue ich mich darauf, das noch heiße, weich gekochte Gemüse im Stehen aus dem Topf zu essen. Möhrensaft hingegen finde ich untrinkbar. Und damit meine ich nicht nur „nicht lecker“, sondern nur mit größtem Widerwillen zu schlucken. Lediglich in frisch gepressten Säften kann ich den Geschmack ertragen und auch dann nur, wenn genügend andere Früchte – Apfelsinen, Äpfel und Zitronen – sich Mühe geben, den Eigengeschmack der gewöhnlichen Gartenmöhre zu unterdrücken.

In der Wohnung unter unserer WG wohnten während meines Studiums diverse Konstellationen von Menschen, die es trotz des dazugehörigen kleinen Hinterhofs im Parterre meist nicht allzu lange aushielten, was vermutlich am permanenten Tageslichtmangel gelegen haben wird. Einmal zog dort für eine Weile ein Punkpärchen ein. Morgens wurden wir fortan pünktlich gegen sieben Uhr von einem höllischen Lärm geweckt, denn wir wochenlang nicht zuordnen konnten, da die naheliegendste Assoziation – ein Presslufthammer – ausgeschlossen werden musste. Im Laufe der Zeit kam ich jedoch dahinter, dass es sich um eine Saftzentrifuge handeln musste, mit der der alternative Morgen begrüßt wurde.

Als mich, Jahre später, im Berliner Winter, auch einmal permanenter Tageslichtmangel bedrohte, beschloss ich, mir ein ebensolches Gerät zuzulegen. Eine technische Generation weiter macht es nicht mehr ganz so viel Lärm – in etwa noch so viel wie ein Schlagbohrer. Jetzt im Winter kommt es morgens wieder zum Einsatz um meine Abwehr gegen die diversen Bakterien- und Bazillenstämme im Büro zu stärken. Und weil ich ein Mensch bin, der an Traditionen, den eigenen und auch den der anderen hängt,  warte immer höflich bis um punkt sieben, um die Höllenmaschine in Gang zu setzen.