Tag Archives: ananas

Kas|sen|zet|tel 003

30 Dez

Warum Kas|sen|zet|tel? Hier!

Aldi Süd, Köln 2015

Aldi Süd, Köln 2015

Eine Aldi-Filiale im Kölner Norden. Zwei Tage vor Weihnachten im Industriegebiet. Noch ist von der jahreszeitüblichen Einkaufspanik nichts zu spüren. Weiterlesen

miniportion 324: gummibär

20 Dez
Mundgeblasener Gummibär, Köln 2013

Mundgeblasener Gummibär, Köln 2013

Erzählte ich bereits, dass es auf der Herrentoilette unseres Büroflügels manchmal sehr intensiv nach Obst riecht? Eine Weile verdächtigte ich den einen oder anderen Kollegen eines doch recht extravaganten Aftershaves. Die sind heute nicht mehr so aktuell, aber es gab mal eine Zeit in der gewisse Männer mit „A*men“ von Thierry Mugler ziemlich genau rochen, wie die mit Schokolade überzogenen Fruchtspieße, die man auf dem Jahrmarkt kaufen kann. Aber das will ich hier nicht vertiefen. Die Ursache des olfaktorischen Fruchstaus auf dem Männerklo ist eine ziemlich große und deutschlandweit bekannte Marmeladenfabrik ein paar hundert Meter weiter. Je nach Produktionszyklus riecht es dann Erdbeeren oder nach Aprikosen, weitere Obstsorten habe ich bislang nicht identifizieren können. Aber immer, wenn es nach Erdbeeren riecht, denke ich „rot“, bei Aprikosen hingegen an ein helles „orange“. Zu mehr synästhetischen Fähigkeiten bringe ich es leider nicht.

Wie die meisten Kinder war ich Gummibärchen sehr zugetan. Nicht nur, weil Kinder Bärchen irgendwie süß finden und gerne auf kleinen Dingen rumkauen, sondern auch, weil man mittels des Fruchtgummis wunderbar Überlegungen über die kausalen Zusammenhänge zwischen Farbe, Geruch und Geschmacksrichtungen anstellen konnte. Laut Hersteller handelt es sich bei Letzteren um Erdbeere, Zitrone, Himbeere, Saftorange, Ananas und Apfel. Grüner Apfel und gelbe Zitrone leuchteten mir ein, den farblichen Unterschied zwischen Erd- und Himbeere fand ich zwar problematisch aber lediglich für die angegilbte Farbe der Ananas hatte ich kein Verständnis.

Seit irgendwann einmal „gummybears“ als mein „favorite candy“ identifiziert wurden, gehören sie zum festen Repertoire des Weihnachtspakets, dass ich seit nunmehr 20 Jahren von meiner amerikanischen Gastfamilie geschenkt bekomme. In den Staaten sind Gummibärchen allerdings ziemlich weich, ziemlich bunt und riechen allesamt wie diese Fruchtspieße auf dem Jahrmarkt.

miniportion 168: bowle

8 Jul
Gärbehälter auf dem Christopher Street Day, Köln 2013

Gärbehälter auf dem Christopher Street Day, Köln 2013

Bis zur flächendeckenden Verbreitung der sogenannten Schlammbowle kam die schon im 19. Jahrhundert populäre Bowle vielfach mit Waldmeistereinlage und nach dem Krieg vor allem mit Fruchtcocktail aus der Dose daher und machte so manche sommerliche Familienfeier zum Erlebnis. Mit der Mischung aus Vanilleeis, Wodka und Kirschen verlor die Bowle ein wenig ihrer Contenance und wurde zumindest visuell zu einer eher unappetitlichen Angelegenheit. Über ihre heutige Verbreitung kann ich nur mutmaßen – die 41.000 Google-Treffer zu den Stichworten Schlammbowle und Rezept stimmen mich jedoch bedenklich.

In Dr. Oetkers „Kalte Küche“ von 1964 finden sich mit gewöhnlicher und Roter Erdbeerbowle, mit Pfirsich- und Ananasbowle gleich vier Rezepte für Bowle – wenn man den Kullerpfirsich mitzählt (für den es sogar eigene Gläser gab), sogar fünf. Dass es sich dabei noch nicht um ein Alltagsgetränk handelte, erkennt man unter anderem an dem Hinweis, dass die frische Ananas vor der Verwendung zu schälen sei. Auch die Angabe des zu verwendenden Weins ist aus heutiger Sicht interessant: 2 Flaschen Moselwein (weil sauer) und 1 Flasche Rheinwein (weil süß).

Dass man mit dieser Kategorisierung die Moselregion zu Unrecht als säuerliche Gegend abtut, zeigt die folgende Anekdote. Einmal feierte Freundin U. mit ihrer Familie einen runden Geburtstag. Es gab ein kaltes Büffet und ebenso kühle Erdbeerbowle. Anders als in der obigen Rezeptvorgabe würde ich außer Mosel- und Rheinwein sowie Söhnlein-Sekt „Rheingold“ auch noch eine gehörige Zugabe an Obstwasser oder anderem Schnaps vermuten. So genau kann sich da heute aber niemand mehr dran erinnern. Ich selbst habe nur noch eine vage Erinnerungen an einen Radiosender aus dem benachbarten Ostbelgien, den wir voller Begeisterung zum Partychannel auserkoren und danach nie mehr zurückfanden. Auch das wird vermutlich nicht an den Erdbeeren gelegen haben.

miniportion 128: artischockenherzen

29 Mai
Artischocke kurz vor dem Verzehr, Saarbrücken 2012

Artischocke kurz vor dem Verzehr, Saarbrücken 2012

Herzen von Tieren essen wir nicht so gerne (mehr), die von Gemüse hingegen verzehren mit großer Lust. Salatherzen zum Beispiel sind seit geraumer Zeit schwer in Mode, Palmenherzen nicht mehr ganz so sehr, aber Artischockenherzen sind ein richtiger Dauerbrenner. Das mag daran liegen, dass der Verzehr von Artischocken mit seinem Zupfen, Dippen und Abziehen durchaus unterhaltsam ist und außerdem die Gesprächskultur bei Tisch fördert. Man hat den Mund nie so voll, dass man vor ausgiebigen Antworten lange kauen müsste und wenn mal inhaltlich bedingt peinliche Pausen entstehen, kann man sich ganz und gar auf das Gefummel auf dem eigenen Teller konzentrieren. Außerdem stehen Artischocken im Ruf, dass sie a) sehr gesund seien und b) beim Abnehmen helfen täten. Da geht’s ihnen ähnlich wie der Ananas und der Papaya. Artischocken sollen den Appetit anregen, die Verdauung fördern und das Cholesterin senken. Wenn das mal kein weites Aufgabenfeld ist.

Der Duden definiert ein Artischockenherz als ein „als Delikatesse geltender unterer, verdickter Teil eines Kelchblatts der Artischocke“. Weitaus geläufiger ist da der eingelegte Artischockenboden aus der Dose, der sich gerne in der Gesellschaft von Schinken auf einer Pizza quattro stagioni befindet, als dickfleischiger Bote des Frühlings gewissermaßen. Mit Sauce béarnaise gefüllt gehörte er außerdem zu den Vorspeisenbuffets meiner in den 1970er Jahren sehr frankophil veranlagten Eltern. Letztere beschränken sich mittlerweile jedoch auf den Ausschank von Cynar, einem italienischen Kräuterlikör mit Artischockenanteil.  Lässt man die Artischocke gewähren, so bekommt sie hübsche blau-violette Blüten. Im elterlichen Wohnzimmer befindet sich eine solche, die vor gefühlten 30 Jahren einmal geblüht hat und seither getrocknet in einer Vase im Bücherregal steht. Dieser einen durfte das Herz gewissermaßen so richtig aufgehen. Alle anderen wurden aufgegessen.